Der Header in hellgrün, zeigt eine organische, gelbe Form auf der steht: Zeit für mehr wilde Ideen. Inspiration aus dem aula Kosmos. Im Hintergrund sind zwei junge Männer die in motivierter Pose in die Kamera schauen, sie sind lächelnd und tragen aula Buttons.

Interview Edith Stein Freiburg

aula im Schulalltag: 


Schüler-Interview Edith-Stein-Schule Freiburg

Ein Interview mit Tümen und Birhat – Abschlussschüler der Edith Stein Schule Freiburg

Die Edith Stein Schule Freiburg hat im November 2024 mit einem großen Fest der Demokratie den aula-Start gefeiert. Es gab Musik, Essen und Getränke sowie tolle Mitmachaktionen. Zu den Schüler*innen, die aula an ihrer Schule mit eingeführt haben, gehören auch Tümen und Birhat.

Wir haben Tümen und Birhat Fragen zu ihrer Zeit mit aula gestellt. Beide waren zum Zeitpunkt des Interviews in der Oberstufe und kurz vor ihrem Abschluss und engagierten sich als Moderatoren im aula-Prozess.

Erinnert ihr euch noch an die ersten „Wilden Ideen“ an eurer Schule?

Tümen: “An dem Tag als aula vorgestellt wurde, war das besondere, dass Dejan und Tobias uns direkt die Wilden Ideen nähergebracht haben. Was wollt ihr an eurer Schule verändern? Wer hat welche Ideen? Und wer würde diese Idee unterstützen? Wir wurden direkt empowert und haben erst mal gemerkt was für Möglichkeiten man mit aula überhaupt hat. Und da waren dann natürlich alle direkt begeistert.

Birhat: “Wir sind ja eine Berufsschule, und anfangs gab es so eher normaleres – zum Beispiel hatten wir uns schon lange eine Tischtennisplatte gewünscht. Es hieß auch immer, dass die Gelder schon da sind. Aber irgendwie hat sich nie jemand darum gekümmert und aula war so eine Chance, die wir genutzt haben, um diese Idee dann auch wirklich umzusetzen.“

Mit der Begeisterung kam aber auch schnell die Frage: Wie sorgt man dafür, dass Beteiligung im Miteinander respektvoll bleibt? Moderieren heißt auch: Regeln, Schutz, Verantwortung

Zum späteren Zeitpunkt habt ihr beide eine Moderator*innen-Rolle übernommen. Wie war eure Erfahrung mit Diskriminierung und Mobbing? Wurde die Plattform dafür missbraucht?

Tümen: “Bei uns gab es oft Moderator*innen Schulungen, wo wir dann erstmal allen das Thema nähergebracht haben. Also wie geht man in so einem Fall überhaupt vor. Dann haben wir auch einen sicheren Testraum geöffnet für Moderator*innen, wo wir in einem Rollenspiel selbst geübt haben. Aber dann mussten wir es im realen Raum eigentlich nicht anwenden. Wir sind ja auch eine Berufsschule. Alle die bei uns ankommen sind ja schon mindestens 15 oder 16 Jahre alt. Viele sind dort für ihre Ausbildung oder machen das Abitur und da habe ich irgendwie das Gefühl gehabt, dass alle erwachsen genug waren und da ein guter Umgang miteinander da ist.“

Spielt es eurer Meinung nach auch eine Rolle, dass man auf der Plattform nicht völlig anonym ist?

Birhat: „Als wir den aula Vertrag gemacht haben, haben wir bereits eine Netiquette geschrieben und, dass die Accounts der Schüler*innen nachvollziehbar sind und, dass ein Fehlverhalten nicht ohne Konsequenzen bleibt. Also wir haben da klare Regeln aufgesetzt, wann es eine Verwarnung gibt und wann sogar auch einen Verweis von der Plattform, so dass dann auch Schluss ist und das auch mit der Person besprochen wird. Aber ich muss sagen, Tümen und ich waren Moderatoren für die Stufen- und Schulweiten Räume und wir hatten keine Nachrichten oder diskriminierende Ideen, oder etwas das gegen unsere Netiquette war.“

Tümen:“Man musste schon irgendwie überlegen bei dem Benutzernamen. Also er besteht ja aus 3 Buchstaben des Nach- und drei Buchstaben des Vornamen. Und da kann man es bei manchen Leuten schon erahnen, wer das ist, aber es ist irgendwo auch schon ein bisschen anonym. Also hinsichtlich der ganzen Schule kann man dann nicht unbedingt erahnen, wer hinter diesem Account steckt.“

Tümen: „Tatsächlich gab es einen Fall der kurz zu Unsicherheit geführt hat. Als Idee stand dort: „Person X soll allen Nachhilfe geben“ und unsere Lehrerin war sich dann nicht sicher, ob diese Person damit gemobbt wird oder die Person einfach eine guter Schülerin ist und es wünschen sich wirklich alle, dass mit dieser Person regelmäßig gelernt wird? Und da haben wir im Projekt-Team darüber diskutiert, wie wir das machen: Wird so ein Kommentar gelöscht? Also haben wir das dann genutzt, um auch allgemein über schwierigere Nachrichten zu diskutieren, bei denen sich manchmal dann auch die Lehrkräfte uneinig waren.“

Für beide zeichnet sich deutlich ab: Beteiligung bedeutet nicht nur „laufen lassen“, sondern immer wieder gemeinsam abwägen – und klare Regeln vereinbaren.

Was war eine Herausforderung bei der Umsetzung von aula?

Birhat: „aula ist ein Instrument, da denken sich manche Lehrkräfte, dass die Schüler*innen ihnen jetzt sicherlich Macht und pädagogische Freiheiten wegnehmen. Das haben wir versucht so zu lösen, dass wir schon direkt beim Vorstellen von aula alle Lehrkräfte mit abgeholt haben. Also zum Beispiel bei der Gesamtkonferenz. Um ihnen auch zu zeigen: Das wird nicht so schlimm, wie ihr es befürchtet. Wir wollten ihnen auch zeigen, dass nun mal an einer Schule doch 90% der Mitglieder Schüler*innen sind und diese sollten doch auch mitbestimmen können, was an ihrer Schule passiert.“

War die Schüler*innen Vertretung vor aula schon bei der Gesamtkonferenz dabei?

Birhat: „Ich bin jetzt seit fünf Jahren an der Schule und seit drei Jahren im Abiturzweig. Und ich muss sagen, dass durch aula sich auch in der SMV (Schüler*innenvertretung) wirklich etwas verändert hat. Ich war von Anfang an schon immer Klassensprecher und motiviert mich einzusetzen. Als Klassensprecher war es so, dass anfangs alles träge war. Ich hab nie etwas davon mitbekommen dass Schüler*innen bei der Gesamtkonferenzen dabei waren oder, dass die Lehrkräfte – Schüler*innen Beziehung, so wie ich mir das gewünscht hätte, abgelaufen ist.

Ich kann es nicht genau sagen, wie es passiert ist, aber seit wir mit aula angefangen haben, hat es wie ein Katalysator gewirkt. Es hat mich selbst auch mehr motiviert, denn ich konnte an meinen Ideen arbeiten, selbstständig. Ich kann alles machen, wie ich es will. Und das hat auch bei anderen dazu geführt, dass Lehrkräfte auch gesehen haben: Hey unsere Schüler*innen können was, und wollen etwas und dann wurden wir auch immer öfter eingeladen unsere Ideen vorzustellen. Auch von der Schulleitung selbst. Unsere Schulleitung hat wirklich durch aula gemerkt, dass die Schüler*innen etwas bewegen wollen. In der Gesamtkonferenz sind Normalerweise dann ja nur Lehrkräfte und ich weiß natürlich nicht genau wie es dort ist, aber ich glaube das war schon auch oft langweilig. Aber wenn wir Schüler*innen mit dabei sind als frische junge Menschen mit Motivation und dann mitsprechen, das hat auch zu Begeisterung bei den Lehrkräften geführt. Und ich würde schon sagen, dass ist durch aula passiert.“

Von der Idee zur Umsetzung

Mit wachsender Beteiligung kommt auch die Frage auf: Was braucht es, damit eine Idee nicht nur gut klingt, sondern auch durch die nächsten Schritte kommt? Und wie können Moderator*innen dazu beitragen?

Birhat: „Also man musste einmal wirklich verstehen, wie der Prozess abläuft, also wilde Idee, Ausarbeitung, Prüfung und Abstimmung und dann hat man es ja eigentlich auch schon. Mir selbst ist es nicht schwer gefallen, die Phasen durchzusetzen.“

Tümen: „Dazu vielleicht noch, wir sind natürlich vom aula-Team und wir haben ja genau verstanden, was es braucht, um eine Idee so zu verfassen, dass sie durch die nächsten Phasen kommt. Natürlich wissen wir, inwiefern wir die Dinge ausarbeiten müssen hinsichtlich Durchführbarkeit, Finanzierung, Umsetzung etc., und das Problem was wir bei anderen Ideen außerhalb des Teams gesehen haben, war, dass dann die Ideen viel unkonkreter formuliert wurden. Wo man dann als Moderator*in nochmal nachhaken musste und Tipps gegeben hat wie z.B.: Hey formulier das vielleicht nochmal besser aus. Denn das hat man sofort in den ersten Prüfungsphasen gemerkt.

Das war ein wichtiger Punkt bei der Moderator*innen-Schulung, den die Moderator*innen nämlich auch als Aufgabe haben, genau darauf aufmerksam zu machen. Sich innerhalb der Klasse auch direkt an die Schüler*innen zu wenden mit Tipps. Im schulweiten Raum haben das die erfahrenen Moderator*innen übernommen, Birhat und ich z.B. auch.

Es kam aber natürlich trotzdem vor, dass manchmal auch Moderator*innen Ideen eine Phase weiter geschoben haben, auch wenn es noch nicht gut ausgearbeitet war und dann kam es halt auch dazu, dass in der Prüfung die Idee abgelehnt wurde mit dem Grund ‚bitte ausformulieren und nochmal machen‘. Also wir glauben, dass das Problem darin liegt, wenn Moderator*innen nicht zu den Schulungen erscheinen. Und dann einfach alles weiterschieben. Also das kann noch besser werden an unserer Schule.“

Birhat: „Am Anfang wurde aula auch als ‚Problem-Melde-Tool‘ verwendet. Also das auf Baustellen oder Defekte hingewiesen wurde. Wenn z.B. ein Fenster in einem Raum nicht ging. Wir haben es dann so mit der Schulleitung besprochen, dass wir, wenn wir so Problem-Hinweise, die leicht zu beheben sind bekommen haben, die dann direkt lösen, ohne dass sie durch die Phasen müssen und den aula-Prozess durchlaufen. So zum Beispiel wenn die Tür in 103 quietscht, dann halt ok gut, das ändern wir direkt.“

Hier wird sichtbar, was Beteiligung auch braucht: Verbindlichkeit im Prozess – und Menschen, die ihn begleiten zum Beispiel im Rahmen der aula Stunde. Die aula-Stunde: Ablauf, Rhythmus, gemeinsame Verantwortung

Wie lief die aula Stunde bei euch ab?

Birhat: “Wir haben bei uns im aula-Vertrag festgelegt, dass einmal pro Monat für 45 Minuten die aula Stunde stattfindet. Und das immer an einem anderen Tag, damit nicht immer die gleiche Stunde bei einer Lehrkraft betroffen ist und das immer gleichzeitig mit allen Schüler*innen.”

Tümen: „Genau, das sollte wechseln so konnten wir direkt die Angst nehmen, dass es halt immer die gleiche Stunde bei einer Lehrkraft trifft. Wir haben am Anfang auch gemeinsam über den Ablauf von aula-Stunden nachgedacht und dann auch bestimmt, dass eben auch Schüler*innen und Moderatorinnen die Stunden gestalten können. Wir hatten nämlich auch oft den Fall, dass Schülerinnen besser über aula Bescheid wussten als manche Lehrkräfte. Und als Input gab es dann immer: Was gibt’s neues allgemein bei aula? Gibt es neue Ideen zur Ausarbeitung, Ideen zur Abstimmung und habt ihr Gesprächsbedarf? Außerdem wollten wir auch die aula-Stunde selbst schon demokratischer gestalten und so haben wir auch vor der aula Stunde schon darüber abgestimmt, wo der Fokus liegt. Sollen Ideen gesammelt oder ausgearbeitet werden? Sollen wir über etwas diskutieren? Oder braucht es Zeit zum Werbung machen? Außerdem hatten wir eine kreative Phase, in der in Gruppen gearbeitet wurde mit einem digitalen Endgerät pro Gruppe. Die Lehrperson sowie die Moderator*innen unterstützen die Gruppen bei ihrer Arbeit. Und das Wichtigste ist, dass am Ende noch Zeit ist, dass die Ideen gesichert sind und auch wirklich gepostet werden und sich auch Zeit genommen wird, um Dinge zu liken. Weil manchmal scheitern Dinge auch, weil alle posten aber keiner liked. Und dann sollte jede Gruppe auch die nächsten Schritte festhalten, also wie daran jetzt weitergearbeitet wird.“

Birhat: „Außerdem einmal pro Monat sind ja nur 12 Stunden pro Jahr – und unser Schulleiter war tatsächlich sehr optimistisch, dass er das unter bekommt. Außerdem wurde es in den offiziellen Schultimer direkt eingetragen, dass auch wirklich alle immer sehen, wann die nächste aula Stunde stattfindet. Dafür waren wir auch total dankbar, dass die Schulleitung da voll auf unserer Seite war.“

Der Header in hellgrün, zeigt eine organische, gelbe Form auf der steht: Zeit für mehr wilde Ideen. Inspiration aus dem aula Kosmos. Im Hintergrund sind zwei junge Männer die in motivierter Pose in die Kamera schauen, sie sind lächelnd und tragen aula Buttons.

Trotzdem bleibt eine Frage, die viele Schulen beschäftigt: Wie wird Beteiligung wirklich breit — und wie bekommen Ideen Unterstützung, damit sie durch den Prozess getragen werden?

Wie bekommen Ideen mehr Unterstützung?

Birhat: „Unsere Herausforderung ist auch immer noch, dass mehr Schüler*innen aktiv auf der App werden. Und wie bekommen Ideen mehr Likes? Es ist ein bisschen die Frage nach der Werbung. Aber hier braucht es noch weiter gute Ideen. Aber wir beobachten schon auch, dass regelmäßige Events wichtig sind. Immer wenn etwas an der Schule stattfindet, versuchen wir es mit aula zu verknüpfen. Das ist schon wichtig und hilft auch. Und wer versuchen immer regelmäßig die Schüler*innen an aula zu erinnern, aber dafür braucht es ein starkes aula-Team an der Schule mit motivierten Menschen.“

Tümen: „Sie schauen halt in der Freizeit nicht kurz mal auf die aula App – sie müssen schon aktiv darauf hingewiesen werden, z.B. in der aula-Stunde. Obwohl es ja eigentlich relativ praktisch ist. Aber was ich bei uns gut finde, ist, dass es sich etabliert hat, dass wenn z.B. eine Person etwas verändern möchte oder eine Idee hat, dass die Lehrkräfte dann sagen – hey schreib das doch in die aula app! Oder ah, dass kannst du doch mit aula umsetzen.“

Nachwuchs fürs aula-Team: Was bleibt, wenn Engagierte gehen?

Wie findet ihr Nachwuchs für das aula-Team?

Birhat: „Ich möchte ehrlich sein, dass ist gerade bei uns an der Schule und besonders für uns gerade, so kurz vor dem Abschluss, die größte Herausforderung. Wenn ich aula an unserer Schule anschaue, dann sind da viele aktive Schüler*innen tatsächlich aus unserer Klasse. Und wenn man sich fragt, woran das jetzt gerade so liegt, dann wahrscheinlich, weil Tümen und ich wahnsinnig viel Werbung für aula machen. Und wir wollen es schaffen, dass mehr Schüler*innen darüber hinaus aktiv werden. Wie schaffen wir es mehr Schüler*innen zu motiveren? So, dass sie wirklich anfangen dafür zu brennen, denn Demokratie ist ein ehrlich wichtiges Ding. Das willst du eigentlich erleben.”

Tümen: „Natürlich ist bei uns auch das Problem, wir sind eine Berufsschule. Das bedeutet es sind nicht immer alle da. Es gibt viele die wegen der Ausbildung nur blockweise in der Schule sind und sich dadurch halt weniger engagieren und glauben, dass es für sie ja gar nichts bringt, da sie nur so wenig in der Schule sind. Wir haben auch die sozialpädagogischen Assistent*innen bei uns an der Schule, die sind auch einmal in der Woche im Betrieb – und das führt halt dazu, dass es schwierig wird als Gruppe, Termine für aula-Meetings zu finden. Deshalb besteht die Gruppe oft nur aus Schüler*innen, die immer an der Schule sind.“

Tümen: „Also aus Spaß haben Lehrkräfte auch gesagt, dass sie uns sonst durchfallen lassen, damit wir für aula bleiben, wenn wir keinen Nachwuchs finden.“ [beide lachen]

Birhat: „Im Sommer veranstalten wir ein Tischtennisturnier und da haben wir ein aula-Werbetag. Da machen wir ein großes Turnier, dass wirklich alle Schüler*innen auch vor Ort sind und wir versuchen an dem Tag Schüler*innen in unser Team zu bringen.“

Tümen: „Als Aktion haben wir auch geplant, dass jeder der am letzten aula Meeting teilnimmt eine weitere Person mitbringen muss. Die dann hoffentlich joined.“

Birhat: „Ich bin davon überzeugt, dass es auch nach uns weiterläuft. Das Demokratiedenken ist wichtig, und das merken ja auch viele der anderen Schüler*innen. Wenn sich neue Schüler*innen unsere Schule angeschaut haben, am Tag der Offenen Tür, dann haben wir ihnen auch immer aula vorgestellt, und sie waren davon auch alle begeistert. Ich denke, wenn wir von Anfang an den neuen Schüler*innen aula zeigen und erklären, weil viele kennen das ja vorher nicht, und denen direkt die Möglichkeit geben mitzumachen, und dabei zu sein, dann haben viele ja auch drei Jahre Zeit etwas mitzugestalten. Ich glaube dann kriegt man das ehrlich hin.“

Zum Abschluss haben wir die beiden gefragt, was sie persönlich aus der Zeit im aula-Team mitnehmen — und was davon über den Schulalltag hinaus bleibt.

Lernen fürs Leben – Was bleibt persönlich?

Tümen: Ich find es eigentlich ganz interessant, also im aula Team und dann auch so allgemein, mit den Lehrkräften zu kommunizieren. Denn es war immer so eine Hierarchie da, zwischen dem Lehrer*innen-Schüler*innen Verhältnis und jetzt, also vor allem im aula Team, aber auch dann später hat sich das auch auf die SMV-Arbeit übertragen, dass wir untereinander uns alle geduzt haben, damit wir auf Augenhöhe sind. Das ist eine Sache die wir aus den vielen Barcamps auch mitgenommen haben. Durch aula sind wir oft auch bei Netzwerktreffen gewesen. Und haben so an anderen Orten aula erklärt und vorgestellt, und mussten auch mit Skeptikern umgehen lernen. Dabei haben wir viel gelernt auf Augenhöhe zu kommunizieren und auch Präsentationen und Barcamp-Sessions zu halten.

Ein Highlight war auch definitiv, dass dadurch, dass wir so viel Praxis hatten, unsere Präsentationen immer besser wurden. Wir waren auch an einer anderen Schule und haben uns für die Präsentation einfach direkt deren Leitbild genommen und ihnen daran gezeigt, dass sie ja viel über Demokratie reden – aber dass sie es mit aula dann auch konkret umsetzen können.”

Birhat: „Ich sehe es bei mir und auch bei anderen aus der Klasse, wir sind engagierter geworden, auch für andere Themen aus dem Leben. Ich kann mir vorstellen auch nach der Schule etwas nebenbei für die Gesellschaft zu tun. Vor allem für die demokratische Teilhabe.

Durch aula habe ich erfahren, wie viel Vertrauen Lehrkräfte einem schenken können – das hätte ich vorher nicht gedacht! Ich war zwar schon Klassensprecher, aber die Art, wie durch aula das Vertrauen in mich gewachsen ist, war für mich völlig neu. Im Nachhinein finde ich es krass: Wir durften unsere Schule auf Veranstaltungen repräsentieren! Heute halte ich selbstbewusst Präsentationen – auch vor fremden Lehrkräften und Schüler*innen.“

Tümen: „Es war auch krass! Wir wurden zu einem ausschließlich für Lehrkräfte gedachten Barcamp eingeladen und durften dort unsere Schule vorstellen.”

Tümen: „aula hat auch dazu geführt, dass wir auch andere Dinge in die Hand genommen haben. Zum Beispiel wollten wir eine Weihnachtsfeier mit Waffelverkauf und gemeinsamen Singen, aber die Lehrerin war dann irgendwie immer nicht da, und es ging nicht voran. Und dann hatten wir erst Angst, dass es deshalb ausfällt. Aber wir waren dann so empowert, dass wir alles ohne sie arrangiert haben. Ich habe dann einfach meine Ukulele mitgenommen und wir haben dann trotzdem alles gemacht. Wir haben dann Waffeln und Punsch verkauft und das eigenständig vor den Ferien umgesetzt. Ich weiß nicht, ob ohne die Erfahrung von aula, wir das so trotzdem getan hätten.“

Birhat: „aula ist da, damit Schüler*innen Demokratie erleben und zeigt einem wirklich wie Demokratie funktioniert. Denn es ist ja nicht so: Man wünscht sich die Tischtennisplatte und dann ist sie da. Es ist nicht alles einfach, sondern man muss dafür kämpfen, mit der Schulleitung sprechen, Argumente liefern, Mitbefürwörter*innen finden, darüber diskutieren und verhandeln können, und dadurch lernt man die Prinzipien von demokratischem Handeln.“

Danke an Tümen und Birhat für die Offenheit, euer Engagement während euer Schulzeit und die vielen konkreten Einblicke — und an die Edith-Stein-Schule dafür, dass Schüler*innen dort Verantwortung übernehmen können und Beteiligung im Alltag Raum bekommt.

Erfahren mehr über den aula-Einsatz an der Edith-Stein-Schule Freiburg – direkt auf der offiziellen Schulwebsite.

Hinweis: Das Interview wurde redaktionell überarbeitet und ist ein Ausschnitt aus einem aufgezeichneten Gespräch das über Videocall, dass durch das aula Team transkribiert und redigiert wurde. Fotoquelle: https://www.ests-freiburg.de/images/inhaltsbilder/schulleben/aula/Barcamp/20240701_BarcampI.jpeg

Wenn du dir vorstellen kannst, solche Strukturen auch an deiner Schule zu stärken, melde dich gern bei uns: Wir teilen Erfahrungen, Materialien und nächste Schritte, wie Beteiligung nicht nur möglich, sondern verlässlich wird. 💚🦉


Jahresrückblick 2025 – Demokratie leben, entwickeln, gestalten

2025 war für aula ein Jahr voller Veränderungen, Kooperationen und inspirierender Begegnungen. Gemeinsam mit Schulen, Partner*innen und jungen Menschen haben wir die digitale Demokratiebildung weiterentwickelt und neue Wege der Beteiligung geschaffen.


Neue Gesichter, mutige Schritte und erste Male

Schon im Januar begann das Jahr mit einem besonderen Meilenstein: Jonathan, unser erster Schülerpraktikant, brachte frische Perspektiven ins Team – und zeigte, wie früh Begeisterung für Demokratiearbeit geweckt werden kann. Gleichzeitig starteten wir die Arbeit an unserem neuen Corporate Design (CI), das aula einen modernen, klaren Auftritt verleiht. Mit dem Start der Kooperation mit „Zukunft D“ setzten wir den Kurs für langfristige Partnerschaften in der demokratischen Bildung. Unser Dank geht an unsere Partner*innen Algorithm Watch, Liquid Democracy, Wikimedia Deutschland und der Schwarzkopf Stiftung Junges Europa, die Zukunft D gemeinsam mit uns mit Leben füllen und an das BMBFSFJ, das diese Intitiative mit seiner Förderung erst möglich gemacht hat!

Im Februar begrüßten wir Vera als Verstärkung. Zudem entschieden wir uns bewusst, den Didacta-Preis abzulehnen – ein starkes Zeichen für Haltung und Authentizität. Eine weitere Online-Botschafter*innen-Ausbildung stärkte unsere digitale Community und leitete ein Jahr voller Bildungsimpulse ein.


Bildung bewegt – von Berlin bis Freiburg

Der März brachte Bewegung ins Jahr: Michel und Lisa reisten nach Rheinland-Pfalz, wo sie mehrere Schulen besuchten. Außerdem kam Anika neu ins Team, was unsere Bildungsarbeit weiter stärkte.

Im April folgten gleich zwei Highlights für das Team: Nikola startete offiziell bei aula, und Jannis feierte sein Comeback – diesmal als Praktikant. Das Barcamp in Freiburg unterstrich, wie wichtig Austausch und Netzwerke in der Demokratiebildung bleiben.


Unser erster Community-Tag

Der Mai stand im Zeichen von Innovation und Gemeinsamkeit. Beim ersten Community-Tag und mit der neuen aula-Version 🦉📲 war deutlich zu spüren, was digitale Beteiligung bewirken kann.

Fotos: Laura Hoffmann

Das Zukunftsfestival in Lüneburg und der Zukunft D-Workshop auf der re:publica brachten aula auf große Bühnen – und in viele neue Köpfe.

Im Juni folgte ein ungewöhnlich charmantes Teammitglied: Ruby, unser Bürohund, zog ein und stärkte (nicht nur) die Teamkultur. Bei einem Kaffee-Workshop mit Caventura ging es dagegen um Genuss, Nachhaltigkeit und Austausch!


Verstetigung, Förderung und neue Formate

Im Juli besuchten wir Teach First Deutschland in Hamburg und Karlsruhe und freuten uns besonders über die Verlängerung unserer institutionellen Förderung durch die Schöpflin Stiftung. Mit dieser Unterstützung können wir unsere pädagogischen Materialien weiterentwickeln und mehr Lehrkräfte in ganz Deutschland erreichen.

Der August brachte dann den Abschluss unserer neuen CI – visuell klar, freundlich und nahbar, entwickelt mit Sonja Lorenz.

Alexa Schaegner: „Die Förderung durch die Schöpflin Stiftung stärkt unsere Arbeit entscheidend. Sie ermöglicht es uns, unser Beteiligungskonzept qualitativ weiterzuentwickeln, neue Zielgruppen zu erreichen und unsere Kompetenzen im Team weiter auszubauen.“


Demokratie lernen durch Erfahrung

Der September war geprägt von Begegnung und Bildung:

  • Teach Democracy Akademie in Potsdam mit rund 30 Fellows,
  • Botschafter*innen-Ausbildung in Rheinland-Pfalz,
  • und ein herzlicher Teamtag in Berlin – inklusive Stadtführung und Grillfest.

Im Oktober folgte der Postcode-Partnertag, bei dem wir nicht nur Inspiration, Vernetzung und eine große Wertschätzung spüren konnten. Zeitgleich liefen die erste Ausbildung mit dem Niedersächsischen Kultusministerium und das Pilotprojekt zum Grundschulkonzept in Münster an – wichtige Schritte, um Beteiligung schon im frühen Schulalter zu fördern.


Abschluss mit Haltung, Humor und Herz

Der November brachte digitale Präsenz und Sichtbarkeit: Vom Digital Democracy Day über den Charity-Twitch-Stream bei Bonjwa – bei dem für alle teilnehmenden Organisationen über 120.000€ gespendet wurden –  bis hin zum Schulbesuchen in Leipzig. Ein starkes Zeichen, wie vielfältig Demokratiebildung heute sein kann.

Fotos: Jason Ekvidi – Own work, CC BY-SA 4.0

Im Dezember wurde es festlich: Weihnachtsfeier mit Karaoke, Teamfreude pur – und der Abschluss der Botschafter*innen-Ausbildung in Niedersachsen, der das Jahr rund machte. Insgesamt konnten wir in diesem Jahr 60 neue Botschafter*innen ausbilden.


Danke für Vertrauen, Förderung und Wirksamkeit

Ohne unsere Förderpartner*innen und die zahlreichen Unterstützer*innen wäre all das nicht möglich: Herzlichen Dank an die Schöpflin Stiftung, die Postcode Lotterie, das BMBFSFJ, die Robert-Bosch-Stiftung, das ZSL Baden-Württemberg und viele weitere Partner, Spender*innen und Unterstützer*innen, die uns ermöglichen, digitale Demokratiebildung und Jugendbeteiligung nachhaltig zu gestalten.

2025 war ein Jahr der Entwicklung – 2026 wird ein Jahr der Umsetzung. Wir freuen uns darauf, weiter gemeinsam mit Schulen, Jugendlichen und Partner*innen Demokratie lebendig zu machen.

Simone (aula-Botschafterin): „In der Zusammenarbeit mit den Menschen, die aula an ihrer Schule einführen möchten, beeindruckt mich das Durchhaltevermögen, der unbedingte Wille Veränderung und Demokratie zu leben. Und auch hier das sehr wertschätzende Miteinander. Es macht Freude zu sehen, wie Schüler*innen beginnen auf neue Art miteinander und mit den Lehrkräften und die Lehrkräfte mit den Schüler*innen zu kommunizieren.”


ein Teil unserer Eulen!

Mehr Eulen-Power für die Zukunft

Wie aula fliegen gelernt hat

und warum Paula unersetzlich ist

Das Jahresende steht vor der Tür. Es ist die Zeit der Jahresrückblicke, der vielen Klassenarbeiten und des ersten Schnees. Während sich viele Tiere bereits in den Winterschlaf verabschiedet haben, bleiben die Eulen das ganze Jahr aktiv — so auch das aula Team.

Du hast dich schon immer gefragt, warum unser Logo eine Eule zeigt und sie immer wieder auftaucht? Wir freuen uns, sie dir heute vorzustellen. Unsere Eule heißt Paula!

Seit über 10 Jahren begleitet Paula unsere beiden Gründerinnen. Glaubt uns, sie hat in dieser Zeit mehrfach ihr Aussehen verändert. Gemeinsam mit dem aula Team fliegt Paula verschiedene Schulen an und ermöglicht Schüler*innen Mitbestimmung. Was Paula schon alles erlebt hat?

Darüber haben wir mit den beiden Gründerinnen Marina Weisband und Alexa Schaegner gesprochen,die ‘Paula’ sozusagen das Fliegen beigebracht haben. Sie sind mit ihr zusammen gewachsen und konnten Erfahrungen sammeln, um zu wissen, was es braucht, um weiter mit so viel Energie neue Schulen anfliegen zu können.

Was hat eine Eule mit Demokratiebildung zu tun?

Alexa Schaegner: Ich mag das Bild der Eule. Sie sind klug, wachsam, sie können den Kopf in alle Richtungen drehen. Sie können sogar im Dunkeln noch klarsehen. Und irgendwie sind sie auch ein bisschen schräg und lustig. Außerdem, wenn Eulen in Gruppen zusammenkommen, nennt man das „Eulen-Parlament“- Kein Witz.

Marina Weisband: Die Eule als Tier Athens ist seit Altertum ein Symbol der Weisheit und auch der klassischen Demokratie. Sie wird auch oft als Lehrer dargestellt, da ist die Verbindung zur Schule. Soweit die offizielle Variante. Heimlicher echter Grund: Eulen sind cool.

Wie hat Paula das Fliegen gelernt und es geschafft, an inzwischen schon über 50 Schulen zu landen?

Alexa: Paula ist vor etwas über 10 Jahren bei uns im Team geboren – aus der Überzeugung heraus, dass Schülerinnen mehr Mitbestimmung brauchen, und dass Schulen dafür gute, praxistaugliche Werkzeuge brauchen. Fliegen gelernt hat sie durch mutige, engagierte Lehrkräfte, Schulleitungen und Schülerinnen, die nicht nur gesagt haben „Demokratie ist wichtig“, sondern bereit waren, sie wirklich auszuprobieren. Und irgendwann war Paula einfach so oft unterwegs, dass sie sich ihren Weg fast automatisch an die nächste Schule gebahnt hat.

Marina: Sie hat zuerst in die Tiefe gearbeitet und dann in die Breite. Zuerst haben wir jahrelang mit wenigen Schulen geschaut, ob und wie das Konzept gut funktioniert. Und jetzt schicken wir lauter Eulen (lacht und meint Botschafter*innen) in alle Himmelsrichtungen aus, die immer mehr Schulen onboarden können.

Welche Situationen und Momente geben euch und Paula die Kraft, trotz Gegenwind, weiterzufliegen?

Alexa: Es sind diese kleinen Momente. Wenn ein Schüler sagt: „Ich wusste gar nicht, dass ich wirklich etwas verändern kann.“ Wenn eine Lehrkraft nach einem anstrengenden Tag meint: „Okay, das war jetzt Arbeit, aber es hat sich gelohnt.“ Und auch das Feedback aus Schulen, die mit aula schon große Fortschritte gemacht haben, das trägt uns und macht Mut!

Marina: Paula ist gern unter Schüler*innen. Egal wie ätzend die umgebenden Umstände sind, die Kreativität und das Verantwortungsbewusstsein junger Leute flashen uns immer wieder. Wir wissen, dass es richtig ist, was wir tun.

Was braucht Paula, damit sie weiter und schneller fliegen kann?

Alexa: Ganz ehrlich: Zeit, Ressourcen und Menschen, die an sie glauben. Wir sind ein kleines Team, aber wir arbeiten mit einer großen Leidenschaft. Wenn Paula noch weiter fliegen soll – und schneller, dann braucht es mehr stabile Förderung, mehr Partner*innen, die Demokratie nicht nur als Schlagwort, sondern als Aufgabe verstehen. Und natürlich Schulen, die sagen: „Wir trauen uns.“

Marina: Paula braucht Verbündete. Leute, die an echte Beteiligung glauben. Seien es Schulleitungen, Botschafterinnen, Spenderinnen, engagierte Lehrkräfte und Schüler*innen. Jeder kann etwas beitragen.

Warum brauchen wir insgesamt mehr Eulen-Power?

Alexa: Weil Demokratie nicht von allein stabil bleibt. Wir brauchen mehr junge Menschen, die sich zutrauen, Verantwortung zu übernehmen, Fragen zu stellen, die in den Schulen und auch in unserer Gesellschaft oft untergehen. Fridays for Future ist dabei nur ein Beispiel, das bis heute unfassbar inspirierend ist. Mehr Eulen-Power heißt: Bedingungen schaffen für Neugier, Haltung, Selbstwirksamkeit – davon können wir im Moment wirklich nicht genug haben.

Marina: Autoritäre Kräfte haben sehr viel Power und Geld. Wir haben uns und die Überzeugung, dass die Gesellschaft nunmal alle braucht. Darum brauchen wir Beteiligung. „Du wirst gebraucht!“ ist die stärkere Geschichte als „Die da oben sind schuld.”

Mehr Eulen-Power, das brauchen wir jetzt! Damit Paula, unsere Eulen und das ganze aula Team weiter fliegen kann –für mehr Mitbestimmung und Selbstwirksamkeit in der Schule.

Bildung braucht Zeit, Ressourcen und mutige, engagierte Menschen, die Veränderungen vorantreiben. Und Bildung braucht Unterstützung – mit Deiner Spende förderst Du die Befähigung junger Menschen zu mehr Selbstwirksamkeit.

Mehr Eulen-Power – und zwar jetzt!

Damit Paula, unsere Eulen und das ganze aula Team weiterfliegen können, brauchen wir Deine Unterstützung. Jede Spende hilft uns, junge Menschen in Schulen zu befähigen, Mitbestimmung zu erleben und Selbstwirksamkeit zu entwickeln.

Bildung braucht Zeit, Ressourcen und mutige Menschen, die Veränderungen vorantreiben. In diesem Jahr konnten wir dank Unterstützer**innen so viel schaffen*– mit Deiner Spende können wir noch mehr erreichen.

Du machst den Unterschied!

Spende jetzt und ermögliche, dass Paula und das aula Team weiterhin neue Schulen anfliegen – für mehr Mitbestimmung, Engagement und Selbstwirksamkeit:

➡️ Hier spenden: aula.de/spende


Grüne Wand mit einem Schild, das eine gezeichnete Katze zeigt, die sich mit einer Pfote den Mund zuhält und neben einer alten, schmutzigen Toilette steht. Über der Katze steht in großen, gelben Buchstaben: 'GIB UNSEREN TOILETTEN EINE NEUE HOFFNUNG'. An den Ecken des Schildes sind blaue Magnete befestigt. Im Hintergrund sind einige Flecken und ein kleiner schwarzer Käfer zu sehen.

Blick ins Schulklo

Blick ins Schulklo – Welttoiletten Tag 2025

Fakten zum gar nicht so stillen Örtchen: Wusstest du, dass 60% der Schulleitungen angeben, dass die Sanitären Anlagen nicht vollständig funktionsfähige sind? Das 50% der Schüler*innen das Gefühl haben, dass sich nicht gut um das Schulklo gekümmert wird und dass das Schulklo die Durschnittsnote 4,4 bekommen würde? Das hat 2022/23 die Studie „Toilette macht Schule“ veröffentlicht und wir sehen – viel hat sich seitdem nicht geändert.

Wir haben uns umgehört und Stimmen aus der Schule gesammelt. Mit dabei Luisa  E.Galli. und ein Beitrag aus einer aula-Schule. Die Schüler*innen haben sich das Schulklo auf die Agenda gesetzt! Doch schaut selbst:

© FWU Institut für Film und Bild, 2025 und den Schnitt Videodreh & Schnitt Martin Viktor-Nudow.


Eine junge Frau sitzt auf dem Boden eines Flurs mit Marmorboden und Holzvertäfelung. Sie trägt ein schwarzes T-Shirt mit weißem Muster und eine Kette. In der rechten Hand hält sie ein Smartphone, mit dem sie ein Spiegel-Selfie macht. Über ihr ist eine gelbe Sprechblase mit dem Text 'UPDATE SCHULKLO' und einem Pfeil nach unten zu sehen. Darunter befindet sich ein weißes Textfeld mit der Überschrift 'Hallo ihr Lieben!' und folgendem Text: 'Ich bin Luisa, 18 Jahre alt, und engagiere mich seit Jahren als Schülerin in der politischen Bildung, besonders zu den Themen Selbstwirksamkeit im Schulkontext und politische Beteiligungsmöglichkeiten.'

Stimme aus der Schule

Luisa E. Galli ist 18 Jahre und hat schon öfter öffentlich auf Bühnen über die Schultoilette gesprochen. Sie setzt sich neben der Schule für mehr Selbstwirksamkeit im Schulkontext und politische Beteiligungsmöglichkeiten ein. Sowie eine Videobotschaft

Wir haben Luisa gefragt:

Für welches Thema bzw. welche Themen setzt du dich im schulischen Kontext ein – und seit wann?

Ich setze mich seit Jahren dafür ein, dass Schüler:innen im System Schule ernster genommen werden und nicht nur als Empfänger von Entscheidungen auftreten. Ausschlaggebend für diese Haltung war meine Schulsprecher:inwahl, die ich mit 13 Jahren gewonnen habe. Ich konnte in meiner Amtszeit einige Projekte anstoßen, aber ich habe mich trotzdem oft machtlos gefühlt. Ein Thema, das mir in der Zeit aber immer wieder aufgefallen ist, waren die vernachlässigten Schulklos. Nicht nur an meiner Schule, sondern überall. 2024 habe ich diese Erkenntnis zum ersten Mal öffentlich thematisiert beim Reeperbahn Festival mit meinem Talk „Warum Schulklos politisch sind“. Ich war mit 16 Jahren die jüngste Speakerin dort, der Raum war voll, und ich hatte zum ersten Mal das Gefühl, einen Punkt getroffen zu haben, der viele junge Menschen bewegt, aber nie laut ausgesprochen wird. Seitdem werde ich oft zu Beteiligungsformaten eingeladen, um genau darüber zu sprechen.

Was ist aktuell auf der Schultoilette los?

Die Schultoilette wirkt auf den ersten Blick wie ein unscheinbarer Ort, aber sie zeigt ziemlich genau, wie es einigen Lernenden dort geht. Viele Toiletten sind schmutzig und einfach kein Ort, an dem man sich wohlfühlt. Dazu kommen oft Sticker mit politischen Forderungen. Für mich war also schnell klar, dass das kein reiner Vandalismus, sondern ein Ausdruck von Machtlosigkeit ist. Davon, dass Schulklos politisch sind. Ich war darüber nie wütend, sondern eher empathisch. Denn bis jetzt existieren kaum Wohlfühlräume oder Beteiligungsformate in Schulen, die nicht durchgehend von Lehrkräften kontrolliert werden. Die Toiletten spiegeln also, wie wenig Mitgestaltung im restlichen Schulalltag möglich ist.

Welche konkreten Maßnahmen braucht es deiner Meinung nach jetzt?

Ich wünsche mir zuerst, dass wir ehrlich darüber reden, warum Schulklos so aussehen, wie sie aussehen. Nicht im Sinne von „Wer ist wieder Schuld an dem Dreck?“, sondern eher: „Was müsste aus eurer Sicht anders laufen, damit ihr euch an der Schule gehört fühlt?“. Viele junge Menschen wissen nicht, dass sie ein Recht auf Beteiligung haben, deshalb versuche ich in meiner Arbeit genau dafür zu sensibilisieren.
In der Praxis heißt das Recht für mich, dass Schüler:innen mitentscheiden dürfen, wie die Toiletten bei ihnen aussehen sollen. Das klingt vielleicht banal und das kann ich verstehen. Wirklich. Der entscheidende Punkt ist aber, dass jede Mitgestaltung die eigene Haltung verändert. Denn wer selbst mitgestaltet, übernimmt automatisch mehr Verantwortung. Ich spreche oft mit Lernenden und Lehrenden an Schulen, bei denen die Klos ein zentraler Störfaktor waren. Dann gab es aber eine Zusammenarbeit aller Beteiligten auf Augenhöhe und ohne Bestrafungen. Als Konsequenz verschwanden viele Symptome wie beschmierte Türen oder kaputte Spender von allein, weil die Ursache, also das Gefühl von Machtlosigkeit, nicht mehr im gleichen Ausmaß da war. Ich wünsche mir für die Zukunft ein inklusive Schulsystem, dass junge Menschen nicht als Störfaktor sieht, sondern einfach als Menschen, die Teil der Schule sind. Genauso wie alle anderen.

Die Schultoilette ist der erste (halb-) öffentliche Ort, an dem junge Menschen lernen ohne Aufsicht mit Gemeingut umzugehen. Es ist auch nicht zu unterschätzen, dass die Toilette ein Ruhe-oder Rückzugsraum ist. Besonders wenn es vielleicht in der Schule keinen solchen Raum gibt. Natürlich wird dann daraus auch ein Ort, an dem Frust abgelassen wird. Dies hat auch weiter Folgen. Ist die Toilette aufgrund von Vandalismus nicht mehr zugänglich oder verdreckt, hat das auch Folgen für die Gesundheit, die von Konzentartionsstörungen bis hin zu Blasenentzündungen und Infektionskrankehiten gehen können. Für Menstruierende kann ein fehlender hygienischer Ort zum kümmern um die Periode auch schwere Folgen haben.

Danke, Luisa! Für dein Engagement und deine Zeit uns diese Frage zu beantworten. 💚🦉

Das Schulklo ist kein unpolitischer Ort. Wenn Schüler*innen mitreden und mitgestalten, verändert sich nicht nur der Raum – es entstehen Antworten auf Probleme, die lange übersehen wurden.
Bildung braucht Fragen. Und Menschen wie dich, die Antworten möglich machen.
Deine Spende stärkt Projekte, in denen junge Menschen ihre Schule verbessern – vom Schulklo bis hin zu Schulentwicklung auf großer Ebene.
Mach den Unterschied. Spende jetzt.

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Rund ums Schulklo:

Mit besten Dank an das Medieninstitut der Länder FWU. FWU Institut für Film und Bild www.fwu.de und die Bereitstellung des Video-Materials aus: Politische Partzipation, © FWU Institut für Film und Bild, 2025 und den Schnitt Videodreh & Schnitt Martin Viktor-Nudow.


Eine Gruppe von Menschen steht in einem Raum, der mit Holzregalen und einer Treppe im Hintergrund ausgestattet ist. Die Personen sind in einem Halbkreis angeordnet und blicken auf eine Person im Vordergrund, die mit dem Rücken zur Kamera steht. Zwischen ihnen sind mehrere gelbe Fäden gespannt, die sich kreuzen und ein Netz bilden. Die Personen tragen unterschiedliche Kleidung, darunter Jeans, Röcke und Pullover.

Wenn Schüler*innen gestalten: ein Weg zu Motivation und Resilienz

Wir, das sind Alexa Schaegner und Marina Weisband, die Gründerinnen von aula. Wir haben keine Lust mehr, dass das Thema Bildung auf der Stelle tritt, deshalb haben wir vor über 10 Jahren aula gegründet. Unser innovatives und digital gestütztes Beteiligungskonzept, das Schüler*innen Selbstwirksamkeitserfahrungen im Alltag ermöglicht und sie befähigt, zu Gestalter*innen ihrer Welt zu werden. Unserer Welt.

aula, das Beteiligungskonzept beruht auf drei Säulen:

  • dem aula-Vertrag, der als Selbstverpflichtung der Schule den Rahmen der Beteiligung setzt
  • unserer Online-Plattform, die somit allen Schüler*innen Beteiligung ermöglicht
  • didaktischen Materialien für die ‘aula-Zeit’, in der über den Prozess auf der Plattform, aber auch über Themen rund um Partizipation und Teilhabe gesprochen werden kann.

Wir bei aula sind davon überzeugt, dass eine Schule einen offenen und mutigen Raum für Bildung eröffnet, wenn sie sich auf den Weg macht, ihre eigenen Partizipationsstrukturen zu reflektieren, sich im Rahmen des aula-Vertrags bereit erklärt, entwickelte Ideen zu realisieren und sichtbar zu machen, sich Zeit nimmt, diesen Prozess zu begleiten, und den Schüler*innen den Raum gibt, sich mit ihren Ideen auseinanderzusetzen.

In Bildung steckt der Schlüssel für eine erfolgreiche Zukunft und somit auch für die Demokratie, eine nachhaltige Entwicklung, gesellschaftliche Teilhabe und die mentale Gesundheit – neben den klassischen Kompetenzen.

Studien zeigen, dass immer mehr Kinder und Jugendliche an Burnout und Depression leiden. Die Anzahl hat sich von 2009 zu 2019 verdoppelt. Aus Gesprächen mit Kindern und Jugendlichen, haben wir selbst erfahren, dass sie zum Beispiel wegen Prüfungsangst nicht schlafen können. Der Spaß am Lernen wird überschattet durch Druck und Angst.

Alexa Schaegner: „Wenn Kinder unter ständigem Druck stehen, verlieren sie nicht nur die Freude am Lernen, sondern auch das Vertrauen in sich selbst. Wir sehen jeden Tag, wie eng mentale Gesundheit und das Gefühl von Selbstwirksamkeit miteinander verknüpft sind. Kinder müssen erleben dürfen, dass ihre Stimme etwas bewirken kann – das ist kein Luxus, sondern eine Voraussetzung dafür, gesund aufzuwachsen.”

Schüler*innen signalisieren uns in der Zusammenarbeit bei Workshops, dass sie lernen wollen. Aber nicht umsonst! Viele Kinder bleiben weit hinter ihren Möglichkeiten zurück, weil der Lernort Schule es nicht schafft, ihre Neugierde und Motivation zu wecken. Dabei sind Kinder doch von Prinzip aus neugierig.

Unsere eigene über 10-jährige Projekterfahrung und weitere Studien zeigen: Kinder, die regelmäßig mitgestalten, sind motivierter, resistenter und psychisch stabiler.

Marina Weisband: „Selbstwirksamkeit reduziert Stress und stärkt Resilienz. Kinder, die erleben, dass ihre Stimme zählt, wachsen über sich hinaus. Denn du bist hier nicht nur da, um Erwartungen zu erfüllen, sondern du bist Gestalter*in.“

Wenn wir doch wissen, dass Kinder über Beteiligung Selbstwirksamkeit erfahren können, müssen wir ihnen doch genau diesen Raum systematisch ermöglichen. Denn die Schule sollte uns nicht mehr unserer Selbstbestimmung und Selbstwirksamkeit berauben. Mit Aula bekommen Schüler*innen echten Mitgestaltungsspielraum: Sie entwickeln Ideen, stimmen darüber ab und setzen ihre Projekte um.

Bildung braucht Resilienz und mutige Menschen, die bereit sind für Veränderung. Bildung braucht Unterstützung – mit Deiner Spende unterstützt Du die Befähigung junger Menschen zu mehr Selbstwirksamkeit.

Junge Menschen wollen mitgestalten – geben wir ihnen den Raum dazu. Mit deiner Unterstützung wachsen Selbstvertrauen, Resilienz und Demokratie.

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Schule im gewohnten Takt

Routine, Stundenplan, feste Abläufe –

und ein Blick auf Jannis’ Erfahrung mit aula

Wenn Schülerinnen morgens die Schule betreten, wissen sie ziemlich genau, was sie erwartet. Klar, denn schließlich ist alles vorgegeben und schon immer in seinen festen Strukturen – der Stundenplan steht, die Pausenzeiten läuten zum Gewohnten Moment und die Fächer und ihre Inhalte sind gesetzt. “So war das halt schon immer”, betitelt es manch einer. Diese Erfahrung hat auch Jannis gemacht. Er war bis vor kurzem Schüler an einer aula Schule und ist heute Praktikant bei uns im aula Team.

Vom Mitreden zum Mitgestalten

Jannis gibt uns heute einen Einblick aus seiner Zeit als aula Schüler. Denn er durfte erleben, dass es auch anders geht – und wie das oft bemühte ‚Das haben wir schon immer so gemacht‘ hinterfragt und verändert wurde. Unser Ziel bei aula ist es, dass die Belange von Schülerinnen durch aula sichtbar, aber vor allem auch gehört und verbessert werden. Das Schüler*innen in diesen Prozess auch beteiligt werden und Selbstwirkamkeitserfahrungen machen. An der Schule von Jannis ist das durch die Anschaffung von Menstruationsprodukten auf den FLINTA Toiletten passiert. Doch das ging nicht von heute auf Morgen, auch wenn der Bedarf sichtbar vorhanden war.

Vor der Einführung brauchte es vor allem eine Mehrheit für die Idee und so manche nicht betroffenen Mitschüler*innen mussten erst einmal überzeugt werden. Das bedeutete viele persönliche Gespräche, Klassendiskussionen, Plakate, Aufrufen in Chatgruppen und auf Social Media. Heute weiß Jannis, dass es später funktioniert hat, auch wenn er zwischendurch nicht sicher war, ob die Idee nicht vielleicht auch scheitern könnte. Es war ein langwieriger Weg bis aus dieser scheinbar wilden Idee Realität wurde. Doch der Einsatz hat sich gelohnt.

Was es braucht, damit gute Ideen Realität werden

“Für die Umsetzung brauchte es neben der Überzeugungsarbeit auch viele praktische Überlegungen im Vorfeld. Wer bezahlt eigentlich die Periodenprodukte, wer füllt sie nach und wer besorgt sie? Wie entwickeln wir dafür einen Workflow? All diese Gedanken mussten wir uns als Schülerinnen vorher bewusst machen und versuchen zu beantworten, bevor Menstruationsprodukte kostenlos bei uns an der Schule eingeführt werden konnten."

Jannis hat in diesen Prozess selbst erlebt: Demokratie ist Arbeit und seine wilde Idee zu verteidigen, kann auch mühevollsein. Gerade in der Diskussion Phase wurde einerseits sichtbar, dass einiges an Energie gegeben werden muss um ans Ziel zu kommen, aber auch, dass sich der Einsatz lohnt, weil Dinge wirklich verbessert wurden. Für Jannis steht aula für: Wandel beginnt bei mir selbst. Veränderungen passieren nicht von allein – sie brauchen Menschen, die sich engagieren und andere mitnehmen.

Demokratie lernen, Zukunft gestalten – auch über die Schulzeit hinaus

👉Wer dieses Demokratieverständis in der Schule verinnerlicht, ist bereit, unsere Gesellschaft und die Zukunft zu gestalten. 🦉💚

Du bist schon lange aus der Schule raus, möchtest aber trotzdem mit dabei unterstützen die Schule als Ort nachhaltig zu verändern?

Dann werde aula-Botschafter*in! Die nächste Ausbildungsrunde startet im September. [Link zur Anmeldung]

 


Das Deutsche Schulbarometer ist da!

Zum ersten Mal wurden Lehrkräfte gezielt zu Partizipation und Demokratiebildung befragt.

Das Deutsche Schulbarometer der Robert Bosch Stiftung ist eine repräsentative Umfrage die seit 2019 jährlich Einblicke in die aktuelle Lage an deutschen Schulen liefert. Für die diesjährige Studie wurden 1.540 Lehrkräfte zu verschiedenen Bereichen ihres Berufsalltags befragt. Neu dabei: Fragen zur Demokratiebildung, zur Mitbestimmung von Schüler*innen – und erstmals auch zum Einsatz von Künstlicher Intelligenz im Unterricht.
Ein zentrales Ergebnis: Der Lehrkräftemangel bleibt die größte Herausforderung. Und er hat spürbare Folgen – auch für die Demokratiebildung. Wo Zeit und Ressourcen fehlen, bleibt kaum Raum für fächerübergreifende Themen oder neue pädagogische Ansätze.
So zeigt die Befragung etwa, dass sich nur 6 % der Lehrkräfte im Umgang mit KI sicher fühlen. Viele befürchten, dass soziale Kompetenzen auf der Strecke bleiben oder sich Lernprozesse grundlegend verändern. Noch deutlicher werden die Ergebnisse bei der Frage nach Mitbestimmung in der Schule (s. Abb. 2.4): Zwar geben 86 % der Lehrkräfte an, dass Schüler*innen bei der Aufstellung von Klassenregeln mitentscheiden dürfen – doch sobald es um Inhalte des Unterrichts oder schulweite Themen geht, wird die Luft dünn. Nur 10 % der Befragten ermöglichen etwa eine Mitbestimmung bei der Auswahl von Unterrichtsmaterialien, und 59 % schließen Mitsprache in diesem Bereich aus.

Im internationalen Vergleich liegt Deutschland damit deutlich hinter anderen Ländern. Laut ICCS-Studie berichten 31 % der europäischen Lehrkräfte von mittlerer bis hoher Mitbestimmung durch Schüler*innen – also dreimal so viele wie in Deutschland (Deimel et al., 2024, in: Deutsches Schulbarometer 2025, S.26).

Die Frage nach dem "Wie" - Partizipation als zentraler Aspekt der Demokratiebildung

Es ist Zeit für einen ehrlichen Beteiligungs-Check! Die Befragung spiegelt unsere Erfahrungen aus über zehn Jahren aula-Praxis wieder: Die Möglichkeiten worüber Schüler*innen an ihrer Schule mitbestimmen können, sind sehr begrenzt. Dabei bringen Schüler*innen ein hohes Interesse mit, sich aktiv an der Gestaltung ihrer Schule zu beteiligen. Und viele Lehrkräfte möchten das ermöglichen: Jede*r zweite Befragte formulierte den Wunsch nach Veränderung klar: 54 % der Lehrkräfte wünschen sich mehr Demokratiebildung. Doch sie sehen sich mit strukturellen Hürden konfrontiert. Genannt werden insbesondere der Zeitmangel, Unsicherheiten im Umgang mit dem Neutralitätsgebot sowie fehlendes fachliches und didaktisches Wissen. Es gibt zu viele Unklarheiten, wie weit Beteiligung im Rahmen ihrer Rolle überhaupt gehen darf.

Schulen stehen vor der Aufgabe, junge Menschen auf ein Leben in einer demokratischen Gesellschaft vorzubereiten. Das gelingt nur, wenn demokratisches Handeln nicht theoretisch vermittelt, sondern praktisch erlebbar wird. Teilhabe muss früh erlernt und im Schulalltag aktiv erprobt werden – nicht als Ausnahme, sondern als selbstverständlicher Bestandteil des schulischen Miteinanders. Schulen müssen Räume schaffen, in denen diese Erfahrungen möglich sind – denn fehlende Demokratiebildung betrifft nicht nur die Schule, sondern unsere gesamte Gesellschaft.

 

Vom Wunsch zur Wirklichkeit: Was es jetzt braucht

Demokratiebildung endet nicht am Rand des Stundenplans, sondern beginnt im gemeinsamen Aushandeln von Regeln, im Mitgestalten von Unterricht und im Ernstnehmen von Schüler*innen-Perspektiven: Damit Demokratiebildung nicht am Stundenplan scheitert, muss sie zur Querschnittsaufgabe werden. Lehrkräfte brauchen dafür passende Materialien, rechtliche Sicherheit und vor allem: eigene Erfahrungen mit Mitbestimmung. Denn wer selbst Teilhabe erlebt hat, kann sie glaubwürdig vermitteln.

Bereits in der Ausbildung sollte Partizipation deshalb eine Rolle spielen – unabhängig vom Fach. Es braucht fächerübergreifende Ansätze, die Teilhabe sichtbar und erlernbar machen. Und: Lehrkräfte selbst sollten in ihrer Ausbildung wie im Berufsalltag mehr Mitsprache erhalten. Denn gelebte Demokratie beginnt bei den Menschen, die sie vermitteln.

Partizipation und Selbstwirksamkeit sind keine netten Extras. Sie sind die Grundlage für demokratisches Verständnis – und damit für eine Gesellschaft, die ihre Zukunft gemeinsam gestalten kann.

Die diesjährige Studie “Das Deutsche Schulbaromenter” der Robert Bosch Stiftung wurde am 25.06.2025 veröffentlicht und entstand in Zusammenarbeit mit einem interdisziplinären Forschungsteam der Universität Heidelberg, der Humboldt-Universität zu Berlin und der Universität Potsdam.

Hier geht's zur ganzen Studie.


Der 1. Mai ist mehr als ein freier Tag - Er ist ein Tag der Solidarität

Während viele sich über ein verlängertes Wochenende freuen, erinnern andere daran, worum es an diesem Tag eigentlich geht: Der 1. Mai ist der internationale Aktionstag der Arbeiter*innenbewegung – ein Tag des Widerstands, der Solidarität und der Frage, wie gerecht unsere Arbeitswelt heute wirklich ist.

In Deutschland wie in vielen anderen Ländern ist dieser Tag ein gesetzlicher Feiertag. Die Europäische Union verankert Beteiligung in der Arbeitswelt in der Grundrechtecharta – Artikel 27 und 28 garantieren Mitspracherechte für Arbeitnehmer*innen in allen Mitgliedsstaaten. In Ländern wie den USA oder Kanada wird der Tag der Arbeit stattdessen im September gefeiert – doch das Anliegen bleibt dasselbe:

Rechte sichtbar machen, Arbeitsbedingungen verbessern, Mitbestimmung ermöglichen.

Was wurde erreicht? Was steht noch aus?

Ein Blick zurück zeigt: Die Arbeiter*innenbewegung hat vieles erreicht. In Deutschland sichern Gesetze heute Mitbestimmungsrechte: Betriebsräte vertreten die Interessen der Belegschaft, in größeren Unternehmen können Arbeitnehmer*innen über den Aufsichtsrat Einfluss nehmen. Tarifverträge und Gewerkschaften sorgen für kollektive Vereinbarungen bei Löhnen, Arbeitszeiten und Arbeitsbedingungen.

Doch gleichzeitig wird deutlich: Diese Strukturen reichen nicht immer aus.

Viele Unternehmen sind weiterhin hierarchisch organisiert, Entscheidungen fallen ohne Rückkopplung zur Belegschaft. Das Streikrecht – eines der wichtigsten demokratischen Mittel – steht nicht allen Beschäftigten zu. Und auch in der öffentlichen Wahrnehmung geraten Mitbestimmung und Gewerkschaften immer wieder unter Druck.

Neue Modelle, alte Fragen

Dabei gibt es längst Ansätze, Arbeit anders zu gestalten. Kollegiale Führung, Soziokratie und Holokratie verteilen Verantwortung neu. Sie setzen auf geteilte Entscheidungsprozesse, auf Teams statt Vorgesetzte, auf Vertrauen statt Kontrolle. In soziokratischen Unternehmen wird im Konsent entschieden: Einwände werden ernst genommen, Lösungen gemeinsam entwickelt. In holokratischen Modellen übernehmen Teams selbstständig Verantwortung – ohne klassische Chef*innenrolle. Diese Ansätze zeigen: Mitbestimmung ist nicht nur ein Recht, sondern ein Prinzip, das man leben kann.

Mitgestalten statt verwalten

Mitbestimmung ist mehr als ein Instrument in Unternehmen – sie ist Ausdruck einer Haltung. Dort, wo Menschen in Entscheidungsprozesse einbezogen werden, entstehen Vertrauen, Verantwortung und Gemeinschaft. Ob im Betrieb, in der Kommune oder im Alltag: Beteiligung stärkt Demokratie, weil sie Menschen befähigt, ihre Umwelt aktiv mitzugestalten. Doch diese Kultur entsteht nicht von selbst. Sie muss gewollt, ermöglicht – und immer wieder eingefordert werden.

Der 1. Mai erinnert uns an historische Kämpfe – und zeigt gleichzeitig, dass der Einsatz für faire Bedingungen und echte Mitbestimmung längst nicht abgeschlossen ist.

Wir feiern alle, die sich heute einsetzen: in Gremien, Gewerkschaften, Teams, Klassenzimmern.

Für mehr Demokratie im Alltag. Für Strukturen, die Menschen mitdenken – nicht übergehen.

Für eine Arbeits- und Lebenswelt, in der Mitbestimmung nicht Ausnahme, sondern Prinzip ist.


Das Bild zeigt Schüler*innen, diese sitzen motiviert im Unterricht.

Gute Bildung hilft gegen Kinderarbeit

Vor über drei Jahren habe ich angefangen, mich gemeinsam mit meinem Freund gegen Kinderarbeit zu engagieren, er hatte damals eine Unterrichtsstunde zu dem Thema. Als wir daraufhin weiter über Kinderarbeit recherchiert haben, ist uns aufgefallen, wie wenig wir eigentlich über Kinderarbeit gelernt haben und was für ein weitreichendes Problem sie immer noch darstellt. Daraufhin haben wir unter anderem eine Website (www.fightchildlabor.de) gegen Kinderarbeit erstellt und Anfang 2024 auch einen Podcast gegründet. Da NGOs mich schon immer fasziniert haben und Bildung ebenfalls ein wichtiger Schritt gegen Kinderarbeit ist, bin ich auf aula gestoßen und freue mich nun hier mein Schülerpraktikum zu absolvieren. 

Gastbeitrag von Jonathan

aula ist eine gemeinnützige Organisation für Demokratiebildung an Schulen. Sie kümmert sich um Mitbestimmung für die Schülerinnen und Schüler – denn zur Schule gehen ist in Deutschland selbstverständlich und sogar Pflicht. Doch für manche Kinder auf der Welt sieht das ganz anders aus: 

Über 160 Millionen Kinder weltweit verrichten Kinderarbeit. Das ist jedes zehnte Kind der Welt. Als Kinderarbeit werden Arbeiten bezeichnet, für die Kinder entweder zu jung sind oder die gefährlich, ausbeutend oder aus anderen Gründen schädlich für ihre körperliche und seelische Entwicklung sind. Auch Arbeiten, die Kinder vom Schulbesuch abhalten, werden dazugerechnet.  

Kinderarbeit ist reeller als man denkt 

Kinderarbeit ist auch noch heute ein viel weitreichenderes Problem als viele denken. Für Kinder, die von Kinderarbeit betroffen sind, ist dies oft sehr gefährliche Arbeit. Ihr Alltag ist beispielsweise die Arbeit auf Kakaoplantagen, für 12 Stunden täglich oder in Kleidungsfabriken, umringt von Chemikalien. Von den 160 Millionen arbeitenden Kindern sind fast 80 Millionen, also gut die Hälfte, unter gefährlichen und ausbeuterischen Bedingungen tätig. Kinderarbeit kann viele verschiedene Formen annehmen, sodass sie in fast allen Branchen wiederzufinden ist. Rund um die Welt arbeiten Kinder in der Landwirtschaft, in Fabriken oder verrichten Hausarbeit. Entgegen vielen Klischees findet Kinderarbeit auch nicht nur in afrikanischen Ländern statt – sie ist das Problem fast aller Länder. Selbst in Industriestaaten wie den USA oder Italien gibt es immer wieder Verletzungen gegen das Jugendarbeitsschutzgesetz, wenn auch im geringeren Ausmaß. 

Wieso arbeiten Kinder? 

Umso wichtiger ist es, sich über Kinderarbeit zu informieren und zu wissen, wieso so viele Kinder arbeiten müssen. In den meisten Fällen führt die schlecht bezahlte Arbeit der Eltern Kinder auf die Plantagen und in die Fabriken, um die Familie über Wasser halten zu können. Ohne diese Arbeit könnten viele Familien schlichtweg nicht überleben. Der Besuch der Schule rückt dadurch in den Hintergrund und wird vernachlässigt. Es bildet sich ein Teufelskreis, der die Kinder durch die mangelnde schulische Ausbildung später ebenfalls in die unterbezahlten Arbeitsbereiche lotst, in denen bereits ihre Eltern tätig waren und aus denen sie kaum eine Chance haben auszubrechen. Der Mangel an sozialen Sicherheitssystemen begünstigt diese Umstände, sodass eine Wahrscheinlichkeit besteht, dass auch Ihre Kinder diesen Kreislauf später fortsetzen werden.  

Natürlich gibt es aber auch noch andere Ursachen für Kinderarbeit. Diese betreffen zum Beispiel Diskriminierung, beispielsweiser indigener Volksgruppen, denen die Kinder angehören. Denn diese werden in manchen Ländern leider immer noch ungleich gegenüber der Mehrheit behandelt und landen so in den untersten sozialen Schichten. Migration ist ebenfalls ein Grund: viele Kinder kommen teils auch illegal in andere Länder, wo sie dann mangels sozialer Einrichtungen oder Ähnlichem, Geld zum Überleben verdienen müssen. Politische Gegebenheiten sind also auch Ursachen für Kinderarbeit. Das betrifft auch das Bildungssystem, die humanitäre Situation oder die Regierungsform des jeweiligen Landes. 

Das EU-Lieferkettengesetz 

Die Bekämpfung von Kinderarbeit ist aber nicht einzig und allein Aufgabe der betroffenen Länder – nicht zuletzt durch die Globalisierung sind die Industriestaaten, wie wir in Deutschland, mitverantwortlich an der weltweiten Kinderarbeit. Daher haben auch wir eine Pflicht, weltpolitisch gegen Kinderarbeit vorzugehen. Ein guter Schritt in die richtige Richtung ist das EU-Lieferkettengesetz. Nachdem 2023 bereits das deutsche LKG1 in Kraft getreten ist, zeigte auch die Europäische Union Anfang 2024 Interesse an einem Lieferkettengesetz.  

Dies sollte für Sorgfalt und Transparenz in der Lieferkette, also dem gesamten Entstehungsweg eines Produktes, von großen Unternehmen sorgen und so dabei helfen, unter Anderem Kinderarbeit zu minimieren. Nachdem sich die Mitgliedsstaaten bereits im Dezember 2023 mündlich auf einen Gesetzesentwurf geeinigt hatten, machte die ehemalige Regierungspartei FDP im Februar 2024 einen Rückzieher. Begründet wurde dies mit der Notwendigkeit, Arbeitgeber und Wirtschaft zu stärken. Dieser Schritt führte dazu, dass Deutschland den Gesetzesentwurf, nicht mehr unterstützte – mit weitreichenden Folgen: Auch Italien und daraufhin zahlreiche kleinere Länder nahmen Abstand von der Idee eines EU-Lieferkettengesetzes, sodass das Gesetz die Mehrheit von 15 Staaten mit einem Bevölkerungsanteil von 65% verfehlte und scheiterte. 

Der Kompromissvorschlag 

Der Gesetzesentwurf wurde daraufhin überarbeitet und angepasst, sodass ein Kompromiss zustande kam, der unter Anderem Italien überzeugte und so auch ohne Deutschland eine Mehrheit gefunden werden konnte. Diese Anpassung schwächte das Gesetz ab., beispielsweise gilt das Gesetz nun erst für Unternehmen ab 1000 statt 500 Mitarbeitenden und einem jährlichen Umsatz von 450 statt 150 Millionen Euro. Dennoch ist ein EU-weites Gesetz, welches große Unternehmen zur Sorgfalt in ihrer Lieferkette verpflichtet trotz der notgedrungen Abstriche viel wert. Dass das Gesetz es trotz des starken Gegenwinds durch das EU-Parlament geschafft hat, ist ein großer Erfolg und ein Fortschritt, mit dem selbst Expert*innen nicht gerechnet haben.