Der Header in hellgrün, zeigt eine organische, gelbe Form auf der steht: Zeit für mehr wilde Ideen. Inspiration aus dem aula Kosmos. Im Hintergrund sind zwei junge Männer die in motivierter Pose in die Kamera schauen, sie sind lächelnd und tragen aula Buttons.

Interview Edith Stein Freiburg

aula im Schulalltag: 


Schüler-Interview Edith-Stein-Schule Freiburg

Ein Interview mit Tümen und Birhat – Abschlussschüler der Edith Stein Schule Freiburg

Die Edith Stein Schule Freiburg hat im November 2024 mit einem großen Fest der Demokratie den aula-Start gefeiert. Es gab Musik, Essen und Getränke sowie tolle Mitmachaktionen. Zu den Schüler*innen, die aula an ihrer Schule mit eingeführt haben, gehören auch Tümen und Birhat.

Wir haben Tümen und Birhat Fragen zu ihrer Zeit mit aula gestellt. Beide waren zum Zeitpunkt des Interviews in der Oberstufe und kurz vor ihrem Abschluss und engagierten sich als Moderatoren im aula-Prozess.

Erinnert ihr euch noch an die ersten „Wilden Ideen“ an eurer Schule?

Tümen: “An dem Tag als aula vorgestellt wurde, war das besondere, dass Dejan und Tobias uns direkt die Wilden Ideen nähergebracht haben. Was wollt ihr an eurer Schule verändern? Wer hat welche Ideen? Und wer würde diese Idee unterstützen? Wir wurden direkt empowert und haben erst mal gemerkt was für Möglichkeiten man mit aula überhaupt hat. Und da waren dann natürlich alle direkt begeistert.

Birhat: “Wir sind ja eine Berufsschule, und anfangs gab es so eher normaleres – zum Beispiel hatten wir uns schon lange eine Tischtennisplatte gewünscht. Es hieß auch immer, dass die Gelder schon da sind. Aber irgendwie hat sich nie jemand darum gekümmert und aula war so eine Chance, die wir genutzt haben, um diese Idee dann auch wirklich umzusetzen.“

Mit der Begeisterung kam aber auch schnell die Frage: Wie sorgt man dafür, dass Beteiligung im Miteinander respektvoll bleibt? Moderieren heißt auch: Regeln, Schutz, Verantwortung

Zum späteren Zeitpunkt habt ihr beide eine Moderator*innen-Rolle übernommen. Wie war eure Erfahrung mit Diskriminierung und Mobbing? Wurde die Plattform dafür missbraucht?

Tümen: “Bei uns gab es oft Moderator*innen Schulungen, wo wir dann erstmal allen das Thema nähergebracht haben. Also wie geht man in so einem Fall überhaupt vor. Dann haben wir auch einen sicheren Testraum geöffnet für Moderator*innen, wo wir in einem Rollenspiel selbst geübt haben. Aber dann mussten wir es im realen Raum eigentlich nicht anwenden. Wir sind ja auch eine Berufsschule. Alle die bei uns ankommen sind ja schon mindestens 15 oder 16 Jahre alt. Viele sind dort für ihre Ausbildung oder machen das Abitur und da habe ich irgendwie das Gefühl gehabt, dass alle erwachsen genug waren und da ein guter Umgang miteinander da ist.“

Spielt es eurer Meinung nach auch eine Rolle, dass man auf der Plattform nicht völlig anonym ist?

Birhat: „Als wir den aula Vertrag gemacht haben, haben wir bereits eine Netiquette geschrieben und, dass die Accounts der Schüler*innen nachvollziehbar sind und, dass ein Fehlverhalten nicht ohne Konsequenzen bleibt. Also wir haben da klare Regeln aufgesetzt, wann es eine Verwarnung gibt und wann sogar auch einen Verweis von der Plattform, so dass dann auch Schluss ist und das auch mit der Person besprochen wird. Aber ich muss sagen, Tümen und ich waren Moderatoren für die Stufen- und Schulweiten Räume und wir hatten keine Nachrichten oder diskriminierende Ideen, oder etwas das gegen unsere Netiquette war.“

Tümen:“Man musste schon irgendwie überlegen bei dem Benutzernamen. Also er besteht ja aus 3 Buchstaben des Nach- und drei Buchstaben des Vornamen. Und da kann man es bei manchen Leuten schon erahnen, wer das ist, aber es ist irgendwo auch schon ein bisschen anonym. Also hinsichtlich der ganzen Schule kann man dann nicht unbedingt erahnen, wer hinter diesem Account steckt.“

Tümen: „Tatsächlich gab es einen Fall der kurz zu Unsicherheit geführt hat. Als Idee stand dort: „Person X soll allen Nachhilfe geben“ und unsere Lehrerin war sich dann nicht sicher, ob diese Person damit gemobbt wird oder die Person einfach eine guter Schülerin ist und es wünschen sich wirklich alle, dass mit dieser Person regelmäßig gelernt wird? Und da haben wir im Projekt-Team darüber diskutiert, wie wir das machen: Wird so ein Kommentar gelöscht? Also haben wir das dann genutzt, um auch allgemein über schwierigere Nachrichten zu diskutieren, bei denen sich manchmal dann auch die Lehrkräfte uneinig waren.“

Für beide zeichnet sich deutlich ab: Beteiligung bedeutet nicht nur „laufen lassen“, sondern immer wieder gemeinsam abwägen – und klare Regeln vereinbaren.

Was war eine Herausforderung bei der Umsetzung von aula?

Birhat: „aula ist ein Instrument, da denken sich manche Lehrkräfte, dass die Schüler*innen ihnen jetzt sicherlich Macht und pädagogische Freiheiten wegnehmen. Das haben wir versucht so zu lösen, dass wir schon direkt beim Vorstellen von aula alle Lehrkräfte mit abgeholt haben. Also zum Beispiel bei der Gesamtkonferenz. Um ihnen auch zu zeigen: Das wird nicht so schlimm, wie ihr es befürchtet. Wir wollten ihnen auch zeigen, dass nun mal an einer Schule doch 90% der Mitglieder Schüler*innen sind und diese sollten doch auch mitbestimmen können, was an ihrer Schule passiert.“

War die Schüler*innen Vertretung vor aula schon bei der Gesamtkonferenz dabei?

Birhat: „Ich bin jetzt seit fünf Jahren an der Schule und seit drei Jahren im Abiturzweig. Und ich muss sagen, dass durch aula sich auch in der SMV (Schüler*innenvertretung) wirklich etwas verändert hat. Ich war von Anfang an schon immer Klassensprecher und motiviert mich einzusetzen. Als Klassensprecher war es so, dass anfangs alles träge war. Ich hab nie etwas davon mitbekommen dass Schüler*innen bei der Gesamtkonferenzen dabei waren oder, dass die Lehrkräfte – Schüler*innen Beziehung, so wie ich mir das gewünscht hätte, abgelaufen ist.

Ich kann es nicht genau sagen, wie es passiert ist, aber seit wir mit aula angefangen haben, hat es wie ein Katalysator gewirkt. Es hat mich selbst auch mehr motiviert, denn ich konnte an meinen Ideen arbeiten, selbstständig. Ich kann alles machen, wie ich es will. Und das hat auch bei anderen dazu geführt, dass Lehrkräfte auch gesehen haben: Hey unsere Schüler*innen können was, und wollen etwas und dann wurden wir auch immer öfter eingeladen unsere Ideen vorzustellen. Auch von der Schulleitung selbst. Unsere Schulleitung hat wirklich durch aula gemerkt, dass die Schüler*innen etwas bewegen wollen. In der Gesamtkonferenz sind Normalerweise dann ja nur Lehrkräfte und ich weiß natürlich nicht genau wie es dort ist, aber ich glaube das war schon auch oft langweilig. Aber wenn wir Schüler*innen mit dabei sind als frische junge Menschen mit Motivation und dann mitsprechen, das hat auch zu Begeisterung bei den Lehrkräften geführt. Und ich würde schon sagen, dass ist durch aula passiert.“

Von der Idee zur Umsetzung

Mit wachsender Beteiligung kommt auch die Frage auf: Was braucht es, damit eine Idee nicht nur gut klingt, sondern auch durch die nächsten Schritte kommt? Und wie können Moderator*innen dazu beitragen?

Birhat: „Also man musste einmal wirklich verstehen, wie der Prozess abläuft, also wilde Idee, Ausarbeitung, Prüfung und Abstimmung und dann hat man es ja eigentlich auch schon. Mir selbst ist es nicht schwer gefallen, die Phasen durchzusetzen.“

Tümen: „Dazu vielleicht noch, wir sind natürlich vom aula-Team und wir haben ja genau verstanden, was es braucht, um eine Idee so zu verfassen, dass sie durch die nächsten Phasen kommt. Natürlich wissen wir, inwiefern wir die Dinge ausarbeiten müssen hinsichtlich Durchführbarkeit, Finanzierung, Umsetzung etc., und das Problem was wir bei anderen Ideen außerhalb des Teams gesehen haben, war, dass dann die Ideen viel unkonkreter formuliert wurden. Wo man dann als Moderator*in nochmal nachhaken musste und Tipps gegeben hat wie z.B.: Hey formulier das vielleicht nochmal besser aus. Denn das hat man sofort in den ersten Prüfungsphasen gemerkt.

Das war ein wichtiger Punkt bei der Moderator*innen-Schulung, den die Moderator*innen nämlich auch als Aufgabe haben, genau darauf aufmerksam zu machen. Sich innerhalb der Klasse auch direkt an die Schüler*innen zu wenden mit Tipps. Im schulweiten Raum haben das die erfahrenen Moderator*innen übernommen, Birhat und ich z.B. auch.

Es kam aber natürlich trotzdem vor, dass manchmal auch Moderator*innen Ideen eine Phase weiter geschoben haben, auch wenn es noch nicht gut ausgearbeitet war und dann kam es halt auch dazu, dass in der Prüfung die Idee abgelehnt wurde mit dem Grund ‚bitte ausformulieren und nochmal machen‘. Also wir glauben, dass das Problem darin liegt, wenn Moderator*innen nicht zu den Schulungen erscheinen. Und dann einfach alles weiterschieben. Also das kann noch besser werden an unserer Schule.“

Birhat: „Am Anfang wurde aula auch als ‚Problem-Melde-Tool‘ verwendet. Also das auf Baustellen oder Defekte hingewiesen wurde. Wenn z.B. ein Fenster in einem Raum nicht ging. Wir haben es dann so mit der Schulleitung besprochen, dass wir, wenn wir so Problem-Hinweise, die leicht zu beheben sind bekommen haben, die dann direkt lösen, ohne dass sie durch die Phasen müssen und den aula-Prozess durchlaufen. So zum Beispiel wenn die Tür in 103 quietscht, dann halt ok gut, das ändern wir direkt.“

Hier wird sichtbar, was Beteiligung auch braucht: Verbindlichkeit im Prozess – und Menschen, die ihn begleiten zum Beispiel im Rahmen der aula Stunde. Die aula-Stunde: Ablauf, Rhythmus, gemeinsame Verantwortung

Wie lief die aula Stunde bei euch ab?

Birhat: “Wir haben bei uns im aula-Vertrag festgelegt, dass einmal pro Monat für 45 Minuten die aula Stunde stattfindet. Und das immer an einem anderen Tag, damit nicht immer die gleiche Stunde bei einer Lehrkraft betroffen ist und das immer gleichzeitig mit allen Schüler*innen.”

Tümen: „Genau, das sollte wechseln so konnten wir direkt die Angst nehmen, dass es halt immer die gleiche Stunde bei einer Lehrkraft trifft. Wir haben am Anfang auch gemeinsam über den Ablauf von aula-Stunden nachgedacht und dann auch bestimmt, dass eben auch Schüler*innen und Moderatorinnen die Stunden gestalten können. Wir hatten nämlich auch oft den Fall, dass Schülerinnen besser über aula Bescheid wussten als manche Lehrkräfte. Und als Input gab es dann immer: Was gibt’s neues allgemein bei aula? Gibt es neue Ideen zur Ausarbeitung, Ideen zur Abstimmung und habt ihr Gesprächsbedarf? Außerdem wollten wir auch die aula-Stunde selbst schon demokratischer gestalten und so haben wir auch vor der aula Stunde schon darüber abgestimmt, wo der Fokus liegt. Sollen Ideen gesammelt oder ausgearbeitet werden? Sollen wir über etwas diskutieren? Oder braucht es Zeit zum Werbung machen? Außerdem hatten wir eine kreative Phase, in der in Gruppen gearbeitet wurde mit einem digitalen Endgerät pro Gruppe. Die Lehrperson sowie die Moderator*innen unterstützen die Gruppen bei ihrer Arbeit. Und das Wichtigste ist, dass am Ende noch Zeit ist, dass die Ideen gesichert sind und auch wirklich gepostet werden und sich auch Zeit genommen wird, um Dinge zu liken. Weil manchmal scheitern Dinge auch, weil alle posten aber keiner liked. Und dann sollte jede Gruppe auch die nächsten Schritte festhalten, also wie daran jetzt weitergearbeitet wird.“

Birhat: „Außerdem einmal pro Monat sind ja nur 12 Stunden pro Jahr – und unser Schulleiter war tatsächlich sehr optimistisch, dass er das unter bekommt. Außerdem wurde es in den offiziellen Schultimer direkt eingetragen, dass auch wirklich alle immer sehen, wann die nächste aula Stunde stattfindet. Dafür waren wir auch total dankbar, dass die Schulleitung da voll auf unserer Seite war.“

Der Header in hellgrün, zeigt eine organische, gelbe Form auf der steht: Zeit für mehr wilde Ideen. Inspiration aus dem aula Kosmos. Im Hintergrund sind zwei junge Männer die in motivierter Pose in die Kamera schauen, sie sind lächelnd und tragen aula Buttons.

Trotzdem bleibt eine Frage, die viele Schulen beschäftigt: Wie wird Beteiligung wirklich breit — und wie bekommen Ideen Unterstützung, damit sie durch den Prozess getragen werden?

Wie bekommen Ideen mehr Unterstützung?

Birhat: „Unsere Herausforderung ist auch immer noch, dass mehr Schüler*innen aktiv auf der App werden. Und wie bekommen Ideen mehr Likes? Es ist ein bisschen die Frage nach der Werbung. Aber hier braucht es noch weiter gute Ideen. Aber wir beobachten schon auch, dass regelmäßige Events wichtig sind. Immer wenn etwas an der Schule stattfindet, versuchen wir es mit aula zu verknüpfen. Das ist schon wichtig und hilft auch. Und wer versuchen immer regelmäßig die Schüler*innen an aula zu erinnern, aber dafür braucht es ein starkes aula-Team an der Schule mit motivierten Menschen.“

Tümen: „Sie schauen halt in der Freizeit nicht kurz mal auf die aula App – sie müssen schon aktiv darauf hingewiesen werden, z.B. in der aula-Stunde. Obwohl es ja eigentlich relativ praktisch ist. Aber was ich bei uns gut finde, ist, dass es sich etabliert hat, dass wenn z.B. eine Person etwas verändern möchte oder eine Idee hat, dass die Lehrkräfte dann sagen – hey schreib das doch in die aula app! Oder ah, dass kannst du doch mit aula umsetzen.“

Nachwuchs fürs aula-Team: Was bleibt, wenn Engagierte gehen?

Wie findet ihr Nachwuchs für das aula-Team?

Birhat: „Ich möchte ehrlich sein, dass ist gerade bei uns an der Schule und besonders für uns gerade, so kurz vor dem Abschluss, die größte Herausforderung. Wenn ich aula an unserer Schule anschaue, dann sind da viele aktive Schüler*innen tatsächlich aus unserer Klasse. Und wenn man sich fragt, woran das jetzt gerade so liegt, dann wahrscheinlich, weil Tümen und ich wahnsinnig viel Werbung für aula machen. Und wir wollen es schaffen, dass mehr Schüler*innen darüber hinaus aktiv werden. Wie schaffen wir es mehr Schüler*innen zu motiveren? So, dass sie wirklich anfangen dafür zu brennen, denn Demokratie ist ein ehrlich wichtiges Ding. Das willst du eigentlich erleben.”

Tümen: „Natürlich ist bei uns auch das Problem, wir sind eine Berufsschule. Das bedeutet es sind nicht immer alle da. Es gibt viele die wegen der Ausbildung nur blockweise in der Schule sind und sich dadurch halt weniger engagieren und glauben, dass es für sie ja gar nichts bringt, da sie nur so wenig in der Schule sind. Wir haben auch die sozialpädagogischen Assistent*innen bei uns an der Schule, die sind auch einmal in der Woche im Betrieb – und das führt halt dazu, dass es schwierig wird als Gruppe, Termine für aula-Meetings zu finden. Deshalb besteht die Gruppe oft nur aus Schüler*innen, die immer an der Schule sind.“

Tümen: „Also aus Spaß haben Lehrkräfte auch gesagt, dass sie uns sonst durchfallen lassen, damit wir für aula bleiben, wenn wir keinen Nachwuchs finden.“ [beide lachen]

Birhat: „Im Sommer veranstalten wir ein Tischtennisturnier und da haben wir ein aula-Werbetag. Da machen wir ein großes Turnier, dass wirklich alle Schüler*innen auch vor Ort sind und wir versuchen an dem Tag Schüler*innen in unser Team zu bringen.“

Tümen: „Als Aktion haben wir auch geplant, dass jeder der am letzten aula Meeting teilnimmt eine weitere Person mitbringen muss. Die dann hoffentlich joined.“

Birhat: „Ich bin davon überzeugt, dass es auch nach uns weiterläuft. Das Demokratiedenken ist wichtig, und das merken ja auch viele der anderen Schüler*innen. Wenn sich neue Schüler*innen unsere Schule angeschaut haben, am Tag der Offenen Tür, dann haben wir ihnen auch immer aula vorgestellt, und sie waren davon auch alle begeistert. Ich denke, wenn wir von Anfang an den neuen Schüler*innen aula zeigen und erklären, weil viele kennen das ja vorher nicht, und denen direkt die Möglichkeit geben mitzumachen, und dabei zu sein, dann haben viele ja auch drei Jahre Zeit etwas mitzugestalten. Ich glaube dann kriegt man das ehrlich hin.“

Zum Abschluss haben wir die beiden gefragt, was sie persönlich aus der Zeit im aula-Team mitnehmen — und was davon über den Schulalltag hinaus bleibt.

Lernen fürs Leben – Was bleibt persönlich?

Tümen: Ich find es eigentlich ganz interessant, also im aula Team und dann auch so allgemein, mit den Lehrkräften zu kommunizieren. Denn es war immer so eine Hierarchie da, zwischen dem Lehrer*innen-Schüler*innen Verhältnis und jetzt, also vor allem im aula Team, aber auch dann später hat sich das auch auf die SMV-Arbeit übertragen, dass wir untereinander uns alle geduzt haben, damit wir auf Augenhöhe sind. Das ist eine Sache die wir aus den vielen Barcamps auch mitgenommen haben. Durch aula sind wir oft auch bei Netzwerktreffen gewesen. Und haben so an anderen Orten aula erklärt und vorgestellt, und mussten auch mit Skeptikern umgehen lernen. Dabei haben wir viel gelernt auf Augenhöhe zu kommunizieren und auch Präsentationen und Barcamp-Sessions zu halten.

Ein Highlight war auch definitiv, dass dadurch, dass wir so viel Praxis hatten, unsere Präsentationen immer besser wurden. Wir waren auch an einer anderen Schule und haben uns für die Präsentation einfach direkt deren Leitbild genommen und ihnen daran gezeigt, dass sie ja viel über Demokratie reden – aber dass sie es mit aula dann auch konkret umsetzen können.”

Birhat: „Ich sehe es bei mir und auch bei anderen aus der Klasse, wir sind engagierter geworden, auch für andere Themen aus dem Leben. Ich kann mir vorstellen auch nach der Schule etwas nebenbei für die Gesellschaft zu tun. Vor allem für die demokratische Teilhabe.

Durch aula habe ich erfahren, wie viel Vertrauen Lehrkräfte einem schenken können – das hätte ich vorher nicht gedacht! Ich war zwar schon Klassensprecher, aber die Art, wie durch aula das Vertrauen in mich gewachsen ist, war für mich völlig neu. Im Nachhinein finde ich es krass: Wir durften unsere Schule auf Veranstaltungen repräsentieren! Heute halte ich selbstbewusst Präsentationen – auch vor fremden Lehrkräften und Schüler*innen.”

Tümen: „Es war auch krass! Wir wurden zu einem ausschließlich für Lehrkräfte gedachten Barcamp eingeladen und durften dort unsere Schule vorstellen.”

Tümen: „aula hat auch dazu geführt, dass wir auch andere Dinge in die Hand genommen haben. Zum Beispiel wollten wir eine Weihnachtsfeier mit Waffelverkauf und gemeinsamen Singen, aber die Lehrerin war dann irgendwie immer nicht da, und es ging nicht voran. Und dann hatten wir erst Angst, dass es deshalb ausfällt. Aber wir waren dann so empowert, dass wir alles ohne sie arrangiert haben. Ich habe dann einfach meine Ukulele mitgenommen und wir haben dann trotzdem alles gemacht. Wir haben dann Waffeln und Punsch verkauft und das eigenständig vor den Ferien umgesetzt. Ich weiß nicht, ob ohne die Erfahrung von aula, wir das so trotzdem getan hätten.“

Birhat: „aula ist da, damit Schüler*innen Demokratie erleben und zeigt einem wirklich wie Demokratie funktioniert. Denn es ist ja nicht so: Man wünscht sich die Tischtennisplatte und dann ist sie da. Es ist nicht alles einfach, sondern man muss dafür kämpfen, mit der Schulleitung sprechen, Argumente liefern, Mitbefürwörter*innen finden, darüber diskutieren und verhandeln können, und dadurch lernt man die Prinzipien von demokratischem Handeln.“

Danke an Tümen und Birhat für die Offenheit, euer Engagement während euer Schulzeit und die vielen konkreten Einblicke — und an die Edith-Stein-Schule dafür, dass Schüler*innen dort Verantwortung übernehmen können und Beteiligung im Alltag Raum bekommt.

Erfahren mehr über den aula-Einsatz an der Edith-Stein-Schule Freiburg – direkt auf der offiziellen Schulwebsite.

Hinweis: Das Interview wurde redaktionell überarbeitet und ist ein Ausschnitt aus einem aufgezeichneten Gespräch das über Videocall, dass durch das aula Team transkribiert und redigiert wurde. Fotoquelle: https://www.ests-freiburg.de/images/inhaltsbilder/schulleben/aula/Barcamp/20240701_BarcampI.jpeg

Wenn du dir vorstellen kannst, solche Strukturen auch an deiner Schule zu stärken, melde dich gern bei uns: Wir teilen Erfahrungen, Materialien und nächste Schritte, wie Beteiligung nicht nur möglich, sondern verlässlich wird. 💚🦉


Grüne Wand mit einem Schild, das eine gezeichnete Katze zeigt, die sich mit einer Pfote den Mund zuhält und neben einer alten, schmutzigen Toilette steht. Über der Katze steht in großen, gelben Buchstaben: 'GIB UNSEREN TOILETTEN EINE NEUE HOFFNUNG'. An den Ecken des Schildes sind blaue Magnete befestigt. Im Hintergrund sind einige Flecken und ein kleiner schwarzer Käfer zu sehen.

Blick ins Schulklo

Blick ins Schulklo – Welttoiletten Tag 2025

Fakten zum gar nicht so stillen Örtchen: Wusstest du, dass 60% der Schulleitungen angeben, dass die Sanitären Anlagen nicht vollständig funktionsfähige sind? Das 50% der Schüler*innen das Gefühl haben, dass sich nicht gut um das Schulklo gekümmert wird und dass das Schulklo die Durschnittsnote 4,4 bekommen würde? Das hat 2022/23 die Studie „Toilette macht Schule“ veröffentlicht und wir sehen – viel hat sich seitdem nicht geändert.

Wir haben uns umgehört und Stimmen aus der Schule gesammelt. Mit dabei Luisa  E.Galli. und ein Beitrag aus einer aula-Schule. Die Schüler*innen haben sich das Schulklo auf die Agenda gesetzt! Doch schaut selbst:

© FWU Institut für Film und Bild, 2025 und den Schnitt Videodreh & Schnitt Martin Viktor-Nudow.


Eine junge Frau sitzt auf dem Boden eines Flurs mit Marmorboden und Holzvertäfelung. Sie trägt ein schwarzes T-Shirt mit weißem Muster und eine Kette. In der rechten Hand hält sie ein Smartphone, mit dem sie ein Spiegel-Selfie macht. Über ihr ist eine gelbe Sprechblase mit dem Text 'UPDATE SCHULKLO' und einem Pfeil nach unten zu sehen. Darunter befindet sich ein weißes Textfeld mit der Überschrift 'Hallo ihr Lieben!' und folgendem Text: 'Ich bin Luisa, 18 Jahre alt, und engagiere mich seit Jahren als Schülerin in der politischen Bildung, besonders zu den Themen Selbstwirksamkeit im Schulkontext und politische Beteiligungsmöglichkeiten.'

Stimme aus der Schule

Luisa E. Galli ist 18 Jahre und hat schon öfter öffentlich auf Bühnen über die Schultoilette gesprochen. Sie setzt sich neben der Schule für mehr Selbstwirksamkeit im Schulkontext und politische Beteiligungsmöglichkeiten ein. Sowie eine Videobotschaft

Wir haben Luisa gefragt:

Für welches Thema bzw. welche Themen setzt du dich im schulischen Kontext ein – und seit wann?

Ich setze mich seit Jahren dafür ein, dass Schüler:innen im System Schule ernster genommen werden und nicht nur als Empfänger von Entscheidungen auftreten. Ausschlaggebend für diese Haltung war meine Schulsprecher:inwahl, die ich mit 13 Jahren gewonnen habe. Ich konnte in meiner Amtszeit einige Projekte anstoßen, aber ich habe mich trotzdem oft machtlos gefühlt. Ein Thema, das mir in der Zeit aber immer wieder aufgefallen ist, waren die vernachlässigten Schulklos. Nicht nur an meiner Schule, sondern überall. 2024 habe ich diese Erkenntnis zum ersten Mal öffentlich thematisiert beim Reeperbahn Festival mit meinem Talk „Warum Schulklos politisch sind“. Ich war mit 16 Jahren die jüngste Speakerin dort, der Raum war voll, und ich hatte zum ersten Mal das Gefühl, einen Punkt getroffen zu haben, der viele junge Menschen bewegt, aber nie laut ausgesprochen wird. Seitdem werde ich oft zu Beteiligungsformaten eingeladen, um genau darüber zu sprechen.

Was ist aktuell auf der Schultoilette los?

Die Schultoilette wirkt auf den ersten Blick wie ein unscheinbarer Ort, aber sie zeigt ziemlich genau, wie es einigen Lernenden dort geht. Viele Toiletten sind schmutzig und einfach kein Ort, an dem man sich wohlfühlt. Dazu kommen oft Sticker mit politischen Forderungen. Für mich war also schnell klar, dass das kein reiner Vandalismus, sondern ein Ausdruck von Machtlosigkeit ist. Davon, dass Schulklos politisch sind. Ich war darüber nie wütend, sondern eher empathisch. Denn bis jetzt existieren kaum Wohlfühlräume oder Beteiligungsformate in Schulen, die nicht durchgehend von Lehrkräften kontrolliert werden. Die Toiletten spiegeln also, wie wenig Mitgestaltung im restlichen Schulalltag möglich ist.

Welche konkreten Maßnahmen braucht es deiner Meinung nach jetzt?

Ich wünsche mir zuerst, dass wir ehrlich darüber reden, warum Schulklos so aussehen, wie sie aussehen. Nicht im Sinne von „Wer ist wieder Schuld an dem Dreck?“, sondern eher: „Was müsste aus eurer Sicht anders laufen, damit ihr euch an der Schule gehört fühlt?“. Viele junge Menschen wissen nicht, dass sie ein Recht auf Beteiligung haben, deshalb versuche ich in meiner Arbeit genau dafür zu sensibilisieren.
In der Praxis heißt das Recht für mich, dass Schüler:innen mitentscheiden dürfen, wie die Toiletten bei ihnen aussehen sollen. Das klingt vielleicht banal und das kann ich verstehen. Wirklich. Der entscheidende Punkt ist aber, dass jede Mitgestaltung die eigene Haltung verändert. Denn wer selbst mitgestaltet, übernimmt automatisch mehr Verantwortung. Ich spreche oft mit Lernenden und Lehrenden an Schulen, bei denen die Klos ein zentraler Störfaktor waren. Dann gab es aber eine Zusammenarbeit aller Beteiligten auf Augenhöhe und ohne Bestrafungen. Als Konsequenz verschwanden viele Symptome wie beschmierte Türen oder kaputte Spender von allein, weil die Ursache, also das Gefühl von Machtlosigkeit, nicht mehr im gleichen Ausmaß da war. Ich wünsche mir für die Zukunft ein inklusive Schulsystem, dass junge Menschen nicht als Störfaktor sieht, sondern einfach als Menschen, die Teil der Schule sind. Genauso wie alle anderen.

Die Schultoilette ist der erste (halb-) öffentliche Ort, an dem junge Menschen lernen ohne Aufsicht mit Gemeingut umzugehen. Es ist auch nicht zu unterschätzen, dass die Toilette ein Ruhe-oder Rückzugsraum ist. Besonders wenn es vielleicht in der Schule keinen solchen Raum gibt. Natürlich wird dann daraus auch ein Ort, an dem Frust abgelassen wird. Dies hat auch weiter Folgen. Ist die Toilette aufgrund von Vandalismus nicht mehr zugänglich oder verdreckt, hat das auch Folgen für die Gesundheit, die von Konzentartionsstörungen bis hin zu Blasenentzündungen und Infektionskrankehiten gehen können. Für Menstruierende kann ein fehlender hygienischer Ort zum kümmern um die Periode auch schwere Folgen haben.

Danke, Luisa! Für dein Engagement und deine Zeit uns diese Frage zu beantworten. 💚🦉

Das Schulklo ist kein unpolitischer Ort. Wenn Schüler*innen mitreden und mitgestalten, verändert sich nicht nur der Raum – es entstehen Antworten auf Probleme, die lange übersehen wurden.
Bildung braucht Fragen. Und Menschen wie dich, die Antworten möglich machen.
Deine Spende stärkt Projekte, in denen junge Menschen ihre Schule verbessern – vom Schulklo bis hin zu Schulentwicklung auf großer Ebene.
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Rund ums Schulklo:

Mit besten Dank an das Medieninstitut der Länder FWU. FWU Institut für Film und Bild www.fwu.de und die Bereitstellung des Video-Materials aus: Politische Partzipation, © FWU Institut für Film und Bild, 2025 und den Schnitt Videodreh & Schnitt Martin Viktor-Nudow.


Wie im Parlament: SchülerInnen in Nottuln diskutieren Budgetfragen

aula an einer Schule einzuführen ist an sich schon ein zutiefst politischer, demokratischer Akt. Oft zeigen sich gerade am Ringen um die Grenzen der Beteiligung , die Umsetzungsform und die Rollenverteilungen interessante Fragen und Konflikte, deren Bearbeitung demokratische Kompetenzen der beteiligten Schülerinnen und Schüler schon steigert, bevor irgendeine Onlinebeteiligung stattgefunden hat.

Ein Beispiel dafür ergab sich jüngst am Rupert-Neudeck-Gymnasium Nottuln. Hier sind die Schülerinnen und Schüler in der ausnehmend guten Situation, dass sie einen regelmäßigen und etablierten Schülerhaushalt haben. Schon vor aula konnten sie also jährlich über ein Budget von mehreren Tausend Euro selbst verfügen und demokratisch entscheiden. Normalerweise ist es der Ansatz von aula, solche bereits etablierten Beteiligungsformen in das Konzept einzuarbeiten und mit ihnen zu interagieren. Hier wäre das besonders praktisch, weil der Schülerhaushalt in einer ähnlichen Form abgestimmt wird, wie Ideen per aula (Ideen werden gesammelt, dann veröffentlicht, diskutiert und schließlich abgestimmt). Der nächste Schülerhaushalt wird etwa im November durchgeführt.

Auch für aula haben die Schülerinnen und Schüler in Nottuln mit Hilfe der GLS Treuhand per gemeinschaftscrowd.de ein Budget von insgesamt 3878€ gesammelt, das durch das im Rahmen von aula demokratisch verteilt werden kann. Auch die Abstimmung darüber war etwa für November geplant.
Es läge nun nahe, beispielsweise beide Budgets zusammen zu legen und zusammen auszugeben, da sie demselben Prinzip und derselben Zielsetzung folgen. Allerdings ist das Gymnasium in Nottuln nicht nur die einzige der vier Projektschulen von aula, die bereits über einen Schülerhaushalt verfügt, sondern auch die einzige, in der aula nicht schulweit installiert ist, sondern nur in einzelnen Lerngruppen (zum Zeitpunkt der Veröffentlichung 7).

Nicht alle Lehrerinnen und Lehrer in Nottuln haben Zeit, mit ihren Lerngruppen an aula teilzunehmen, sodass aula als Modellversuch nur in Teilen eingeführt wurde. Das macht ein Zusammenlegen der Prozesse nicht demokratisch, denn nur ein Teil der Schule kann Ideen online per aula diskutieren.

Dieses Problem ist bei einem Treffen der Moderatorinnen und Moderatoren in Nottuln aufgekommen und wurde eifrig diskutiert. Der Prozess des Schülerhaushaltes muss in jedem Fall unberührt bleiben, da es ein etablierter, offener und demokratischer Prozess ist, an dem die ganze Schule teilnehmen kann. Wie aber mit dem aula-Budget verfahren?

Es zeitgleich abzustimmen würde bedeuten, dass die gleiche Idee in beiden Haushalten gewinnen könnte und dann doppelt finanziert wäre. Wie mit dem Geld verfahren, das dann überflüssig ist?

Ein Moderator schlug vor, das aula-Budget durch die sieben Lerngruppen zu teilen und jeder Lerngruppe 554€ zur Verfügung zu stellen. Die sollen in ihren Gruppenräumen bei aula darüber abstimmen, was sie damit machen wollen.
“Aber wie wird sich das auf das Schulklima auswirken?”, fragte ein anderer. Effektiv bedeutet das, dass die Lerngruppen, die mit aula arbeiten, dann mehr Geld haben, als alle anderen. Und das nur, weil ihre Lehrer und Lehrerinnen keine Zeit haben, aula mit ihnen einzuführen, weil sie vielleicht in anderen Feldern engagiert sind. Ist das nicht ungerecht? Sollten die aula-Gruppen das Geld nicht ebenfalls für Dinge ausgeben, die der ganzen Schule zugute kommen?

Die Diskussion dauerte insgesamt eine gute Stunde und wurde auf einem Niveau geführt, das auch einem Landtag gut zu Gesicht stünde. Demokratische Verantwortung und Minderheitenschutz wurden abgewogen, sowie der Umgang mit verschiedenen Töpfen, wie sie auch in realen Bedingungen in der Politik zu finden sind.

Die Moderatorinnen und Moderatoren haben folgendes Vorgehen vorgeschlagen:
Ideen werden jetzt schon in aula gesammelt. Dieser Prozess passiert parallel mit dem Schülerhaushalt. Von den Diskussionen über die einzelnen Ideen können beide Haushalte gemeinsam profitieren. Die Abstimmung in aula darüber, wie das aula-Budget zu verteilen ist, findet allerdings erst NACH dem Abschluss der Abstimmung des Schülerhaushalts statt. Auf diese Weise wird keine Idee doppelt finanziert und aula bietet noch einmal die Chance, auch Ideen umzusetzen, für die der Schülerhaushalt nicht mehr reicht.
Alle Ideen werden in den Schulraum eingestellt. Ob eine Lerngruppe dabei entscheidet, eine Idee einzustellen, dass sie etwas für 554€ für ihren eigenen Klassenraum macht, ist jeder Lerngruppe selbst überlassen. Es muss nur die entsprechende Mehrheit finden.
Ferner sollen auch die Lerngruppen, die nicht bei aula mitmachen, die Möglichkeit bekommen, noch mitzumachen. Falls ihre Lehrerinnen und Lehrer aus verschiedenen Gründen nicht mitmachen wollen oder können, soll niemand sich dazu gedrängt fühlen. Moderatorinnen und Moderatoren aus dem Leistungskurs Sozialwissenschaften bieten an, in einer großen Pause mit zusätzlichen Lerngruppen an aula zu arbeiten.

Bei der Lösung ging es darum, wie niemand benachteiligt wird, besonders nicht engagierte Lehrerinnen und Lehrer, die keine Kapazitäten mehr für aula haben. Auch der Schülerhaushalt soll ungestört stattfinden, da er ein gutes Beispiel dafür ist, wie Schülerbeteiligung funktionieren kann. Gleichzeitig sollen die Schülerinnen und Schüler, die fast 4000€ Spenden für das aula-Projekt gesammelt haben, die Gelegenheit haben, dieses Geld in eine bessere Umgebung für sich und ihre MitschülerInnen zu investieren.

Die Debatte, die zur Zeit der Veröffentlichung dieses Artikels noch immer engagiert geführt wird, zeigt, dass die demokratische Kultur am Gymnasium Nottuln lebt und gedeiht. Und dass es nicht fertige, runde Konzepte sind, die politische Kompetenzen am besten ausbilden, sondern gerade unterschiedliche Herangehensweisen, kollidierende Interessen, aufeinander abzustimmende Systeme und zu überwindende Herausforderungen.


Sonne und Wolken über Jena

Die Jenaplan-Schule in der zweitgrößten Stadt Thüringens hat schon auf dem Papier die besten Voraussetzungen für das Projekt aula. Als wir im Schuljahr 2016/17 als Team an die gut ausgestattete Schule im Westen von Jena kamen, waren wir beeindruckt von dem, was wir vorfanden: eine sehr aktive und politisch interessierte Schülerschaft, große Gestaltungsmöglichkeiten und SchülerInnen die bei einer kreativen und freien Entfaltung unterstützt werden. Die ersten Einführungs-Workshops in den Klassen lösten kleine Begeisterungsstürme in uns aus. Unser Input wurde aufgenommen, reflektiert und direkt diskutiert. Schnell formierte sich eine ModeratorInnen-Gruppe, die über den aula-Vertrag sowie die Implementierung im Schulleben verhandelte und erste Pläne schmiedete.

Leider geriet das Projekt in Jena nach den Einführungsworkshops relativ schnell ins Stocken. Woran das lag? Wie in Schulen so üblich, hatte es verschiedene Gründe: Zum einen ebbte die Motivation beim ModeratorInnen-Team etwas ab. Zu wichtig waren Punkte wie Referate, Klausuren, Herbstferien und der ganz normale Schulalltag. Zum anderen vergaßen die ersten SchülerInnen ihre Passwörter (ein schulübergreifendes Problem, was wir auch hier auf dem demokratie.io-Blogbereits thematisierten. Ein weiterer Faktor waren die bereits sehr etablierten demokratischen Beteiligungsstrukturen der aktiven Schülerschaft. Vielen SchülerInnen (und vor allem auch LehrerInnen) wurde nicht klar, welchen Mehrwert aula über ihr bestehendes (funktionierendes) System hinaus bietet. Durch den Unterricht in Stammgruppen und die vielen verschiedenen Projekte (z.B. der „SchülerFAIRma“), war es für aula nicht leicht sich als ergänzendes Projekt zu etablieren.  Auch das Arbeiten mit digitalen Medien war in Jena bisher nicht besonders stark in den Unterricht integriert, wird sogar teilweise eher kritisch gesehen.  Die Organisation der Schülerbeteiligung über eine Online-Plattform wie aula wurde daher insgesamt weniger als Lernprozess und eher als zusätzliche Arbeit wahrgenommen.

Das Crowdfunding als Motivationsschub

Im Frühjahr 2017 haben wir als aula-Team für alle vier Pilotschulen ein Crowdfunding auf gemeinschaftscrowd.de gestartet. Als zusätzlichen Motivationsschub wollten wir den SchülerInnen damit eine Möglichkeit geben, eigene Ideen in die Tat umzusetzen und gleichzeitig nicht an eine Finanzierung denken zu müssen bzw. eine Teilfinanzierung bereits sicher zu haben. Die Jenaplan-Schule erreichte das Crowdfundingziel von 1.500€ bereits nach wenigen Wochen (zum Crowdfunding-Video von Jena geht es hier). Zwar sprach sich bei den Schülerinnen und Schülern schnell herum, dass sie Geld zur freien Verfügung bekommen sollten, aber nicht, inwiefern das nun mit aula gemacht werden sollte und wie die nächsten Schritte waren. Daher verpuffte der gewünschte Effekt relativ schnell wieder.

Neues Schuljahr, neues Glück?

Im neuen Schuljahr fand sich eine neue ModeratorInnen-Gruppe zusammen,  ein Team aus SchülerInnen, was gleichzeitig Herzstück sowie Motor für aula an der Schule ist. Mit Maxim (11. Klasse) fanden wir sogar den ersten Schüleradministrator, der – mit dem Vertrauen der Schulleitung – seither aula auch administrativ begleitet und für uns einen außerordentlich guten Ansprechpartner darstellt.
Das neuformierte aula-Team entschied sich für einen „Neustart“ an der Schule. Damit wirklich alle (wieder) Zugang zur Plattform bekommen, entwickelte die ModeratorInnen-Gruppe gemeinsam mit der Schulleitung einen Plan: Am Anfang des Schuljahres liefen sie immer montags durch die sogenannten “Morgenkreise” und halfen den SchülerInnen ihre Passwörter zurückzusetzen und sich einzuloggen. Das sollte ebenfalls die SchülerInnen daran erinnern, dass das Projekt aula noch läuft.

Schülerinnen und Schüler bei der aula-Feier im November
Schülerinnen und Schüler bei der aula-Feier im November

Um den erneuten Auftakt von aula feierlich zu zelebrieren, entschied sich das ModeratorInnen-Team am 13. November vergangenen Jahres eine sogenannte „aula-Feier“ zu organisieren. Dafür wurde die schuleigene Turnhalle bestuhlt und die gesamte Schülerschaft (4.-13. Klasse) an einem Montagvormittag zusammen getrommelt. Als weichen Einstieg zeigten die ModeratorInnen den 3sat-Beitrag „Update für die Demokratie“, der sich teilweise mit einer aula-Stunde an der Jenaplan-Schule befasst. Danach konnten SchülerInnen, die eine Idee für das gesammelte Crowdfundinggeld hatten, vor der gesamten Schülerschaft ihre Ideen präsentieren. Von einem schulinternen Pizzadienst bis zu einer Überdachung für den Fahrradständer – die SchülerInnen stellten ihren MitschülerInnen vor, was sie bereits ausgearbeitet hatten und wo sie vielleicht noch Hilfe bräuchten.

Am gleichen Tag gaben wir als Team interessierten LehrerInnen einen aula-Workshop, um ihnen zu zeigen, wie aula in den Unterricht eingebunden werden kann. Die Hoffnung war, dass damit die bisher wenig aktive Lehrerschaft mit ins Projekt geholt wird. Leider tauchten nur wenige LehrerInnen auf und der Workshop glich einem Tropfen auf den heißen Stein.

Bisherige Strukturen als Hindernis für aula?

Die größte Herausforderung für aula in Jena sind ironischerweise die bereits bestehenden demokratischen Strukturen. Im reformpädagogischen Konzept der Jenaplan-Schule sind demokratische Elemente wie Abstimmen bereits verankert. SchülerInnen, Schulleitung und LehrerInnen haben oft ein sehr gutes Verhältnis, weswegen Ideen und Wünsche beispielsweise direkt an die Schulleitung getragen und auch zum Teil auch schnell umgesetzt werden können. Deutlich wurde das zum Beispiel an dem Vorhaben „schulinterner Pizzadienst“. Die Idee dafür kam über aula auf und wurde bei der aula-Feier der kompletten Schülerschaft präsentiert. Da die Idee kostenneutral ist (die Pizza wird von den SchülerInnen selbst finanziert), gab der Schulleiter sein Okay für eine Testphase. Die Idee kam also auf der aula-Plattform auf, wurde dann aber über den “schnellen Dienstweg” – also einem Gespräch mit dem Ideengeber und der Schulleitung – umgesetzt und musste nicht erst die einzelnen Phasen (auf aula) durchlaufen. An dieser Stelle hätte die Schulleitung im Sinne der Integration von aula testweise den vermeintlich “längeren” Weg durch die aula Phasen gehen können. Das Ergebnis beider Wege ist am Ende natürlich das gleiche: die SchülerInnen haben nun einen Pizzadienst. Was wäre also mit aula anders gelaufen? Neben dem Experimentcharakter und dem vielleicht entstandenen Gewöhnungseffekt einer über aula organisierten Entscheidung, hätte es verschiedene weitere Schritte bis zur Entscheidungsfindung gegeben. Die Idee hätte unter Beteiligung weiterer SchülerInnen ausgearbeitet werden müssen, SchülerInnen hätten kritische Fragen zu ihr sammeln müssen, sie hätten Mehrheiten organisieren und dabei teilweise verhandeln müssen. Das alles, didaktisch eingerahmt und begleitet, führt nicht nur zum Ergebnis eines Pizzadienstes, sondern vor allem zum Erwerb von Fertigkeiten in der demokratischen Arbeit mit digitalen Medien. All das fällt auf dem sogenannten “kurzen Dienstweg” weg oder findet in jedem Fall nicht strukturiert und über aula dokumentiert statt.

Einschätzung von außen: Was sagt der Schulverbund “Blick über den Zaun”?

Mitte März besuchte ein Arbeitskreis des Schulverbunds „Blick über den Zaun“ (BüZ) die Jenaplan-Schule um im Auftrag der Schulleitung herauszufinden, warum aula in Jena nicht so richtig Fuß fasst. Wir waren ebenfalls vor Ort, um die Expertise der angereisten Lehrerinnen und Lehrer mitzunehmen. Das Resultat war für uns nicht überraschend. Die BüZ-LehrerInnen sahen neben bestehenden Strukturen keinen wirklichen Bedarf für aula und sogar eine zusätzliche (zeitliche) Hürde, wenn die SchülerInnen ihre Ideen auf die Online-Plattform stellen müssten. Ein Argument, das dann Sinn macht, wenn man nicht den didaktischen Rahmen zum Ausbilden gewisser Kompetenzen als langfristigen Mehrwert in die Betrachtung mit einbezieht. In dem Zusammenhang ist es verständlich, dass eine Veränderung des bisherigen Systems als zusätzliche Arbeit wahrgenommen und die bisherige “funktionierende” Beteiligungsstruktur als ausreichend erachtet wird.

Gleichzeitig – und das ist für uns auch interessant – sah der Arbeitskreis es als Problem an, dass aula keinen festen Platz in der Schulstruktur inne hat. Die BüZ-LehrerInnen sprachen sich dafür aus, dass beispielsweise Großprojekte, die die ganze Schule betreffen (wie den Fahrradständer), über aula diskutiert und abgestimmt werden könnten.

Was wir als Projektteam mitnehmen

Wir wollen mit aula nicht bereits funktionierende Strukturen ersetzen. Für manche Schule ist aula ein komplettes Beteiligungskonzept, für andere eine (digitale bzw. zeitgemäße) Ergänzung, die es Schülerinnen und Schülern ermöglichen soll, ihr eigenes Schulumfeld leichter zu gestalten. Für alle ist es in jedem Fall ein Möglichkeit zum Ausbilden und Vertiefen gewisser Fähigkeiten aus dem medialen und demokratischen Kompetenzspektrum. As Verbindung digitaler und demokratischer Bildung kann aula einerseits eine Heranführung an sinnvolle Nutzung von Onlinemedien sein, andererseits SchülerInnen ermächtigen, auch den Wandel und die Digitalisierung zeitgemäßer Schule mitzugestalten. Für ein erfolgreiches Projekt fehlte in Jena sicherlich der Raum bzw. die Zeit für aula, vielleicht auch in den Unterrichtsstunden. Zeit ist das eine Gut im Lebensraum Schule, das wahrscheinlich niemals genug vorhanden sein wird. Dennoch ist es essentiell, um das Projekt am Laufen zu halten. Um Kompromisse zu finden oder Ideen ausarbeiten zu können, muss diskutiert werden – nicht nur online, sondern besonders im Schulhaus selbst.

Während einige LehrerInnen an anderen Schulen Sorge vor einem Wandel der Schulkultur durch aula haben, durch den SchülerInnen mehr Verantwortung kriegen und schwieriger zu kontrollieren sind, war diese Frage von demokratischer Kultur in Jena kein Problem. Hier haben wir eher versäumt zu betonen, welche Vorteile gerade eine digitale Repräsentation demokratischer Prozesse bringen kann: für das Erlernen von Medienkompetenz, für die zeitgemäße demokratischer Arbeit, für Transparenz und Strukturierung des Prozesses und für die Inklusion von SchülerInnen, die sich lieber schriftlich ausdrücken, als mündlich.

Natürlich ist aula ein Konzept, welches den SchülerInnen Verantwortung beibringt. Dennoch ist es wichtig sie kontinuierlich zu begleiten, zu motivieren und Verantwortung selbst vorzuleben, damit ein solches Vorhaben nachhaltig Erfolg hat. Wir müssen daher versuchen, wirklich alle Beteiligten im Lebensraum Schule mit ins Boot zu holen und sie in ihrem Lernprozess zu unterstützen.

Vier Learnings für uns als Projektteam:

  • Schulen sollten von vornherein mitdenken, an welchen Stellen aula in ihren Schulalltag integriert werden kann
  • Wir müssen klarer herausstellen, was der Mehrwert der Nutzung einer digitalen Plattform zur Beteiligung gegenüber der bisherigen Strukturen mit analogen Abstimmungen ist
  • Wir müssen genauer herausarbeiten, wie Lehrerschaft von aula (in ihrem Unterricht) profitieren kann
  • aula-Material (Plakate, eLearning, Unterrichtseinheiten etc.) erweitern, damit Schulleitung, Lehrerinnen und Lehrer sowie Schülerinnen und Schüler einfacher mit aula arbeiten können

Titelbild: Jena via Pixabay, Geisteskerker, CC0, bearbeitet.

Beitragsbild: Daniel Schumacher CC BY 2.0


Ein Jahr mit aula – Erkenntnisse eines Lehrers

Letztes Schuljahr durfte ich auf einigen Veranstaltungen das aula-Projekt vorstellen und bewerben. Zu dieser Zeit bezog ich mich hauptsächlich auf Konzept und Theorie, weil mir kaum Erfahrungswerte aus der Praxis vorlagen, von denen ich hätte berichten können. Das möchte ich mit ein paar rückblickenden Betrachtungen nachholen, auch weil ich es Leuten versprach, die alles rund um aula über soziale Netzwerke verfolgen.

AULA ≠ SOCIAL MEDIA

Theoretisch ist aula ein soziales Netzwerk. Die Erfahrung hat aber gezeigt, dass es hier manche Hürden zu überwinden gilt. Man hat zwar eine eigene Profilseite, kann Beiträge posten, liken und kommentieren. Nur dass…
…die Profilseite keine Rolle spielt.
…es dazu (noch) keine App und Push-Benachrichtigungen gibt.
…es kein offenes soziales Netzwerk ist.
…es vorher nicht Bestandteil des Schüleralltags war und von außen eingeführt wurde (Die Entwicklung einer Plattform mit der jeweiligen Schülerschaft hätte sicher zu mehr Akzeptanz geführt, aber auch den zeitlichen und finanziellen Rahmen des Projekts gesprengt.)

Weil aula nicht allen Mechanismen von sozialen Netzwerken unterliegt, muss man an einigen Stellen mehr Energie investieren. Dass Social Media (gedanklich aus Schülersicht) normalerweise nichts mit Schule zu tun hat, mag auch einen Teil zu der einen oder anderen Startschwierigkeit beigetragen haben. Natürlich stellen weder Attraktivität noch Akzeptanz von Instagram & Co kein realistisches Ziel dar. Dass aula aber mehr als ein Mal die Woche im Schulalltag stattfindet, müsste aber möglich sein. Die Entwicklung einer App für iOS und Android konnte bisher aus Kostengründen leider (noch) nicht umgesetzt werden.

EIN JAHR IST KEIN JAHR

Ein Jahr mit aula war eigentlich gar kein Jahr mit aula. Zu Beginn musste z.B. ein aula-Vertrag ausgearbeitet werden, der erst nach dem Beschluss in der Schulkonferenz (bestehend aus jeweils vier Vertreter_innen der Schülerschaft, des Kollegiums und der Eltern) in Kraft treten konnte. Das war bei uns nicht vor dem 28. November möglich. Somit stand Weihnachten schon vor der Tür und erschwerte einen schwungvollen Einstieg. Aula ist nicht nur ein Projekt, das man nebenher abhandeln kann. Es geht um ein grundlegend verändertes Verständnis von Partizipation. So eine gravierende Veränderung benötigt viel Zeit, Kraft und Kontinuität. Im alltäglichen Schulbetrieb stellt das alle vor nicht zu unterschätzende Herausforderungen. Deshalb darf aula nicht die Angelegenheit einer Person oder Gruppe sein, sondern sollte von allen Schultern im System Schule getragen werden. Ein ambitioniertes und langfristiges Ziel, würde ich heute sagen. Ob in den monatlichen Schülerratssitzungen, Stufenversammlungen oder in Lehrerkonferenzen sollte aula ein fester Bestandteil sein und immer wieder reflektiert werden. Ein Umdenken kann nur gelingen, wenn die aula-Stunden nicht nur stattfinden, sondern auch gezielt genutzt werden, um Mitbestimmung in all seinen Facetten zu lernen und zu üben. Es genügt nicht, “nur“ partizipative Elemente zur Verfügung zu stellen und darauf zu verweisen.

Über den Autor:

Dejan Mihajlovic

Dejan Mihajlovic ist Lehrer an der Pestalozzi-Realschule Freiburg, die seit dem Schuljahr 2016/17 das Projekt aula für uns testet. Zusätzlich arbeitet er als Fachberater für Schul- und Unterrichtsentwicklung beim Staatlichen Schulamt und als SMV-Beauftragter beim Regierungspräsidium.

Auf seinem Blog mihajlovicfreiburg.com schreibt er außerdem über zeitgemäße Bildung


Ideen für zeitgemäßen Unterricht: Der "Smartphone-Tag" in Freiburg

An einem Dienstag Anfang Juli ist das Smartphone an der Freiburger Realschule interaktives Schulbuch, Kamera, Aufnahmegerät, Taschenrechner, Pulsmesser, Kalorienzähler, WLAN-Router, und vieles mehr. Es inspiriert SchülerInnen und Lehrende zu kollaborativem und kreativem Arbeiten und erweitert (bei stabilem WLAN) das Spektrum der Interaktionen zwischen Lehrenden und SchülerInnen um ein Vielfaches.

Bei der Beobachtung all dieser vielseitigen Möglichkeiten in verschiedener Unterrichtsstunden kommt man nicht an der Frage vorbei: Warum ist eigentlich nicht jeden Tag Smartphone-Tag?

Kollaboratives Arbeiten zwischen allen Beteiligten

Besonders beeindruckend ist, wie sehr der Smartphone-Tag SchülerInnen, Lehrende und externe Menschen dazu animiert hat, zusammenzuarbeiten. Zunächst haben die SchülerInnen die Durchführung dieses Tages selbst beschlossen. Dazu brauchte es im Vorfeld einiges an Abstimmung der SchülerInnen untereinander. Via aula haben sie miteinander und gemeinsam mit Lehrenden diskutiert, ob und wie es Sinn macht, einen solchen Tag durchzuführen. In den 13 Verbesserungsvorschlägen zu der Idee auf der aula-Plattform der Schule, wiesen insbesondere die SchülerInnen darauf hin, dass für einen solchen WLAN-Tag stabiles Internet wichtig ist.

“Das ist eine gute Idee aber, falls es öfters gemacht werden soll sollte die schule aber auch nur dafür gratis “Internet” geben, denn wenn es zb. 2 – 3 in der Woche stattfindet geht ja das Datenvolumen leer oder andere haben zb. gar kein Datenvolumen mehr.”

Die konkrete inhaltliche Ausgestaltung des Tages wurde dann teils kollaborativ im Kollegium, teils in direkter Absprache zwischen LehrerInnen und SchülerInnen geplant. Bemerkenswert war außerdem der Input an weiteren Ideen, der über ein öffentliches Pad zustande kam. Die Bitte um Mitarbeit, die der SMV- Beauftragte und Chemielehrer Dejan Mihajlovic über verschiedene soziale Netzwerke verbreitet hatte, wurde nicht nur vielfach geteilt, sondern brachte auch einige interessante Anregungen hervor.

Schulen brauchen Unterstützung

Schulen brauchen außerdem dringend Unterstützung bei der Nutzung digitaler Technologien im Unterricht, wie Schulleiter Carlos Santos-Nunier im Interview erläutert. Um im täglichen Schulbetrieb gute Unterrichtspraxis sowie die nachhaltige Einführung digitaler Medien zu gewährleisten, sind technische und personelle Ressourcen notwendig. Bei der Aufstockung technischer Ressourcen geht es um WLAN und die technische Ausstattung der SchülerInnen. Die vielen kleinen Behelfskonstruktionen, bestehend aus mobilen Routern, Hotspots und dem Datenvolumen der SchülerInnen können für einen Tag Abhilfe schaffen, sind aber keine Dauerlösung.

Dazu kommt die Frage um Sinn und Unsinn von BYOD. Denn bereits in den wenigen Stunden des Smartphone-Tages werden einige Grundprobleme in der Nutzung von Eigengeräten offensichtlich: Nicht jeder und jede hat ein Smartphone und die vorhandenen Geräte sind unterschiedlich arbeitsfähig.

Social Media im Unterricht: Grenzen durch Gesetze

Eine weitere Diskussion, die im und neben dem Smartphone-Tag immer wieder auftaucht, ist die Frage nach der gesetzlichen Grenze der digitalen Kommunikation zwischen SchülerInnen und LehrerInnen. In Baden Württemberg ist es bereits seit 2013 für Lehrende verboten, mit ihren SchülerInnen über Social Media zu kommunizieren. Gestattet ist die Nutzung lediglich dazu, die Funktionsweise, Vor-, Nachteile und Risiken „pädagogisch aufzuarbeiten“. Auch hier stellt sich die drängende Frage nach Sinn und Nutzen dieser Regelung. Digitale Arbeitsmaterialien und Aufgaben müssen irgendwie bearbeitet und verbreitet werden. Sich in Kommunikation und Datenaustausch nur auf Email und USB-Sticks zu verlassen ist nicht nur unpraktisch sondern
geht völlig an der Lebensrealität von SchülerInnen wie auch immer mehr Lehrenden vorbei.

Das Thema bewegt die Öffentlichkeit

Nicht zuletzt zeigt der Smartphone Tag auch ein wachsendes Interesse der Öffentlichkeit an “Digitale Medien” in der Schule. Neben dem SWR Radio, das bereits zeitnah einen kurzen Beitrag über den Smartphone-Tag veröffentlicht hat, begleitete eine Redakteurin der Badischen Zeitung die Vorgänge des Tages intensiv (Der Bericht wird am 21. 7. veröffentlicht).

Das lässt hoffen, dass auch vermehrt politische EntscheiderInnen erreicht und davon überzeugt werden, Schulen die Ressourcen für einen zeitgemäßen Unterricht bereitzustellen.

Auf dem Gang neben dem “Lozzi-Café” werden Rap Videos gedreht, vor dem Chemie-Raum entsteht eine Snapchat- Story, neben der Sporthalle blitzen die Displays einer Gruppe ungeduldiger SchülerInnen, die endlich loslaufen wollen. Es ist Smartphone-Tag an der Pestalozzi-Realschule Freiburg. Die Idee, einen ganzen Tag lang in jeder Unterrichtsstunde mit dem Smartphone zu arbeiten, wurde von den SchülerInnen mittels “aula” diskutiert und mehrheitlich beschlossen. Das aula-Team war vor Ort, um sich so viele Stunden wie möglich anzuschauen und mit Lehrenden und SchülerInnen über ihre Eindrücke und Erfahrungen zu sprechen.


aula Crowdfunding gestartet

Worum geht es?  

Schule ist mehr als Mathe und Deutsch. Mit aula könne SchülerInnen eigene Ideen zur Gestaltung ihrer Schule verwirklichen und so demokratische Beteiligung direkt erfahren. Vier mutige Schulen in Hamburg, Jena, Nottuln und Freiburg sind aktuell dabei aula in ihren Schulalltag zu integrieren und dabei wollen wir ihnen helfen! Damit die SchülerInnen den Erfolg einer Idee vom ersten Gedanken bis zur Umsetzung erleben zu können, sollen sie ein eigenes Budget bekommen. Dafür brauchen wir Eure Unterstützung!

Wie funktioniert es?

Auf www.gemeinschaftscrowd.de hat jede Schule ihre eigene Crowdfunding- Seite. Jeder Euro, den Ihr spendet, wird freundlicherweise von der Stiftung GLS Treuhand  bis insgesamt 3000 Euro gematcht, das heißt: verdoppelt. Alles was darüber hinaus durch Euch zusammenkommt ist natürlich ebenfalls sehr willkommen! 100% der gespendeten Summe geht dann direkt an die SchülerInnen der jeweiligen Schule.

Ihr wollt direkt zum Crowdfunding einer Schule? 

Das Crowdfunding der Stadtteilschule am Hafen in Hamburg findet ihr hier.

Das Crowdfunding der Jenaplanschule in Jena findet ihr hier.

Das Crowdfunding des Gymnasiums in Nottuln findet ihr hier

Das Crowdfunding der Pestalozzi-Schule Freiburg findet ihr hier.


Einführung von aula in Nottuln

Tief im Westen,  eine halbe Stunde von Münster entfernt – liegt die Gemeinde Nottuln. Mit gerade einmal 20.000 EinwohnerInnen ist Nottuln unser “ländlichster” aula-Standort. Für uns ist das Gymnasium Nottuln eine Chance  zu testen, ob und wie aula funktioniert, wenn es (zunächst) nur von einem Teil der Schule genutzt wird. Als Motor für die Einführung von des Projekts in Nottuln fungierte der Leistungskurs Sozialwissenschaften und einige weitere Klassen und Kurse.

Das Gymnasium in der westfälischen Gemeinde erinnert mit seinen zahlreichen Pavilions und den dazwischen gelegenen Pausenhöfen an eine amerikanische Highschool. Die SchülerInnen sind politisch sehr aktiv und veranstalten beispielsweise regelmäßig das “Polit-Café“.

Das aula-Projekt startete in Nottuln etwas verspätet im  Oktober mit einem sehr gut besuchten Workshop für ModeratorInnen. Das aula-Team zeigte den SchülerInnen nicht nur die einzelnen Funktionen und künftigen Aufgaben, sondern diskutierte mit den Anwesenden auch über den aula-Vertrag, der zwischen den SchülerInnen, LehrerInnen und der Schulleitung geschlossen wird und die Rahmenbedingungen an der Schule absteckt.

Mitte November gaben Alexa und Daniel an zwei Tagen in mehreren Doppelstunden die Einführungsworkshops für alle Beteiligten. Es gab eine rege Diskussion über Schülermitbestimmung und – nach einer ersten Einführung in die Software – auch die ersten Ideen, wie das Gymnasium Nottuln und die teilnehmenden Kurse verbessert werden könnten.

Gestartet sind wir mit rund 10 Kursen, die aula in ihren Schulalltag integrieren wollten. Bei jedem Besuch wuchs das Interesse und immer mehr SchülerInnen und LehrerInnen schließen sich dem aula Projekt an. Momentan werden die ersten Ideen ausgearbeitet.


Einführung von aula in Freiburg

Im September und Oktober ist das aula Projekt auch an der Pestalozzi-Realschule in Freiburg angelaufen. “All-In” heißt es an unserer südlichsten Pilotschule, denn hier ist die komplette Schule dabei. Von der 5. bis zur 10. Klasse – über 250 Schülerinnen und Schüler nehmen damit in Freiburg am Projekt aula teil. Die aula-Einführung dauerte deshalb in Freiburg etwas länger.

In zahlreichen Workshops über mehrere Tage hinweg besuchten Alexa Schaegner und Daniel Schumacher jede einzelne Klasse. Sie gaben jeweils in einer Doppelstunde am Anfang einen kurzen Einblick in die Theorie. Anhand kleinerer Beispiele und einem Gedankenspiel erörterten Alexa und Daniel die Bedeutung von Demokratie und (Schüler-)Mitbestimmung. Im Mittelpunkt der Einführungsworkshops stand die praktische Arbeit mit der Software. Nachdem sich alle Schülerinnen und Schüler das erste Mal eingeloggt hatten, konnten sie erste Ideen auf der Plattform einstellen.

Die Ideen reichten von einem “Snackautomaten” über einen neuen Fußballplatz bis hin zur Handynutzung im Unterricht. Interessant war die Vielfalt der Ideen und gleichzeitig die Homogenität, die einige Vorschläge von der 5. bis zur 10. Klasse aufweisten. Die Plattform kam bei den Jugendlichen sehr gut an, durch die einfache Handhabung konnten die Schülerinnen und Schüler die meisten Funktionen selbst entdecken.

Nach den Einführungsveranstaltungen arbeiteten die Schülerinnen und Schüler gemeinsam mit den Lehrerinnen und Lehrern verschiedene Entwürfe für den aula-Vertrag, welcher die Rahmenbedingungen für das Projekt setzt. Die Schulleitung in Freiburg unter Rektor Carlos Santos-Nunier entschied sich für den am weitesten gefassten Entwurf, sodass die Schülerschaft über viele Dinge auf aula entscheiden kann. Am 29. November startete aula in Freiburg mit einer offiziellen Auftaktveranstaltung. Lehrerinnen und Lehrer sowie die Schulleitung erhoffen sich einiges vom Projekt. Einige Gedanken formuliert Verbindungslehrer Dejan Mihajlović im Video:

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Wenn ihr mehr zum Start von aula in Freiburg wissen möchtet, könnt ihr auch den Blogpost von Dejan Mihajlović hierlesen.

Photo by Luke Porter on Unsplash


Einführung von aula in Jena

Unterstützt von einigen Lehrern und Lehrerinnen, führten Marina Weisband und Alexa Schaegner die vier „Stammgruppen“ der Klassen 7-9, die beiden 10er Klassen und für die Oberstufe bis Stufe 13 an zwei Tagen in das Projekt ein. In jeweils einer Doppelstunde wurden die Schülerinnen und Schüler zunächst in das Thema Beteiligung und Demokratie eingeführt um dann in der zweiten Stunde direkt ganz praktisch mit der Software arbeiten zu können.

In der ersten Stunde marina-jena-1bekamen die SchülerInnen die Möglichkeit darüber zu sprechen, was an ihrer Schule sie unzufrieden macht und an welche Stelle sie sich aktuell wenden, wenn sie etwas
verändern wollen. Ein erstes Brainstorming brachte eine große Vielfalt an Ideen hervor, die SchülerInnen zur Veränderung ihrer Schule haben. Im Rahmen des „Münzspiels“ wurden die SchülerInnen an flüssige (liquid) Demokratie und die Stimmdelegation heran geführt. Während des Spiels wurden sie dazu animiert über eine fiktive Klassenfahr abzustimmen und zuvor darüber zu entscheiden, ob die eigene Stimme in Form einer Münze selbst eingesetzt oder weitergegeben wird. So wurde das Beteiligungskonzept von aula vorgestellt und anschließende Fragen geklärt.

In der zweiten Stunde durften die Schülerinnen und Schüler sich selbst an den Computer setzen und die Plattform praktisch ausprobieren. Sie bekamen ihre Zugänge und übten anhand mehrere Aufgaben, wie man eigene Ideen einstellt, Verbesserungsvorschläge schreibt, Themen zur Debatte auf den Tisch bringt, die eigene Stimme überträgt und abstimmt.

marina-jena-3Die Reaktion auf das Projekt war seitens der Schüler überwiegend positiv. Beim Brainstorming zu Beginn der Stunde waren die SchülerInnen in einigen Klassen noch zurückhaltend, entwickelten aber sehr schnell immer zahlreichere und immer kreativere Ideen. Wir gehen daher davon aus, dass ein Brainstorming innerhalb der Gruppe helfen kann, Kreativität für Visionen und Veränderungen zu wecken und es sich daher gut als Einstieg in eine solche Stunde eignet.

Das Beteiligungskonzept von aula, sowie das Prinzip der liquiden Demokratie bereitete den Schülern keine Probleme und wurde durch das Münzspiel schnell verstanden und sofort praktisch umgesetzt.

Die Schüler waren insgesamt sehr interessiert und stellen viele konstruktive Fragen, die nicht zuletzt dabei helfen das didaktische Konzept von Aula weiter zu verbessern. So wurden die gewonnen Erkenntnisse bereits in den Unterrichtsleitfaden eingearbeitet und können so bereits die nächsten Workshops bereichern.

Die größten Probleme die während des Workshops auftraten, waren technischer Natur. Gerade jene Klassen, die mit den kürzlich angeschafften Tablets arbeiteten, hatten mit einer langsamen Internetverbindung zu kämpfen.

Wie geht es weiter?

In Jena sind nun alle SchülerInnen der Stufe 7-13  mit einem Zugang zur Plattform und dem nötigen Basiswissen ausgestattet um sie zu benutzen. Auf lange Sicht ist geplant, auch die Stufen 5 und 6 mit in das Projekt einzubeziehen. Die Schulung für sie wird aber durch ältere SchülerInnen durchgeführt. Viele haben sich freiwillig gemeldet, um Teil der Projektgruppe zu sein, die aus LehrerInnen und SchülerInnen besteht und  Moderatoren-Aufgaben übernehmen und Support für MitschülerInnen anbieten wird. Die Projektgruppe wird sich erstmals am 08.09. 2016 zusammenfinden. Dann gibt es in Jena einen Workshop für künftige Moderatorinnen, in dem die Funktionsweise der Software nochmal genau erprobt wird, sodass Hilfestellung geleistet werden kann. Außerdem wird gemeinsam mit der Projektgruppe ein marina-jena-2Entwurf für jenen Vertrag erarbeitet, der regelt, was genau die SchülerInnen entscheiden dürfen und unter welchen Bedingungen. Dieser Vertrag erleichtert allen Beteiligten ihre Arbeit und soll Frust und Konflikte von vorn herein vermeiden. Der Vertrag soll Mitte September der Schulkonferenz vorgelegt werden.

Mit der Zustimmung der Schulkonferenz kann Aula in Jena in die praktische Phase übergehen und mit Ideen befüllt werden.

Am 22. Und 23. August 2016 ist das Aula Projekt an der Jenaplan-Schule Jena offiziell gestartet. Alle SchülerInnen und Schüler ab Stufe 7 konnten sich in einem Workshop mit der dem Projekt und der Software vertraut machen.

Photo by Lukas D. on Unsplash