Nachhaltige Entwicklung: Wie wir Zukunft gemeinsam gestalten können

Die Welt verändert sich – und wir alle können einen Beitrag leisten, Zukunft verantwortungsvoll und nachhaltig zu gestalten. Klimawandel, Ressourcenknappheit, soziale Ungleichheit, politische Spannungen und sinkendes Vertrauen in politische Institutionen. Diese Entwicklungen betreffen uns alle – und verlangen nach Antworten, die über kurzfristige Lösungen hinausgehen. Die Antwort dafür liegt im politischen Handeln. Entscheidend ist aber auch ein nachhaltiges Bewusstsein in der Gesellschaft. Das Konzept der “Bildung für nachhaltigen Entwicklung” (BNE) legt hierfür die Grundlagen.

Die Welt im Wandel - Wir brauchen nachhaltige Entwicklung

Nachhaltigkeit - das bedeutet inzwischen viel mehr als Ressourcen zu sparen. Es bedeutet, Klimaschutz, Wirtschaft und Gesellschaft zusammenzudenken. Ohne eine intakte Umwelt ist gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Fortschritt nicht möglich. Gleichzeitig braucht es Lösungen, die wirtschaftliche Perspektiven weltweit erhalten – auch in Schwellen- und Entwicklungsländern.

Die Herausforderung liegt darin, ökologische, soziale und wirtschaftliche Aspekte miteinander zu verbinden.

Wie kann Wachstum und Fortschritt gelingen, ohne dabei auf Kosten der zukünftigen Generation und des globalen Südens zu leben? Wie können wir international Menschen, Planeten, Wohlstand, Frieden und Partnerschaft schützen und für alle ermöglichen? Mit diesen Fragen befassen sich die Sustainable Development Goals, kurz SDGs. Die Regierungen der UN-Mitgliedsstaaten tragen die Hauptverantwortung für die Umsetzung der SDGs aber auch die Zivilgesellschaft ist dazu angehalten, ihren Beitrag zu leisten und nachhaltige Entwicklung zu fördern. Damit nachhaltige Entwicklung gelingt, braucht es Menschen, die Verantwortung übernehmen und Veränderungen aktiv vorantreiben.

 

Nachhaltiges Bewusstsein lernen - wo, wenn nicht in der Schule?

Schulen sind Orte, an denen junge Menschen Kompetenzen fürs Leben erwerben. Über den Fachunterricht hinaus geht es darum, Werte und verantwortungsvolles Handeln zu vermitteln. Ein nachhaltiges Bewusstsein wächst nicht allein durch Faktenwissen über den Klimawandel oder globale Herausforderungen. Es entsteht dann, wenn wir lernen, die Auswirkungen unseres Handelns auf die Welt zu verstehen und verantwortungsvolle, nachhaltige Entscheidungen zu treffen.

Dieser Lernprozess betrifft nicht nur Schüler*innen, sondern uns alle - und es bedeutet, dass wir

  • Zusammenhänge zwischen Umwelt, Wirtschaft und Gesellschaft verstehen
  • erkennen, dass heutige Entscheidungen das Leben von morgen prägen
  • die Zukunft aktiv mitgestalten

Wenn Schulen Nachhaltigkeit im Alltag erfahrbar machen, befähigen sie junge Menschen, selbst aktiv zu einer nachhaltigen Entwicklung beizutragen.

 

Wenn die Welt sich verändern soll, muss auch Schule sich verändern

Schon seit den frühen 2000er Jahren fordert das Konzept der Bildung für nachhaltige Entwicklung einen sogenannten Whole-Institution-Ansatz. Schule müsse sich ganzheitlich verändern – also nicht nur im Unterricht, sondern in ihrer gesamten Organisation und Kultur –, um die Ziele nachhaltiger Entwicklung wirklich zu erreichen.

Hierzu gibt es bereits viele verschiedene Konzepte, zum Beispiel den Freiday. Ziel ist es, selbstbestimmtes, interessengeleitetes Lernen der Schüler*innen zu ermöglichen. Schulen, die dieses Modell anwenden, reservieren einen festen Zeitraum in der Woche – oft den Freitagvormittag –, an dem Schüler*innen frei an eigenen Projekten arbeiten können.

Doch Mitbestimmung von Schüler*innen sollte nicht nur an einem Tag in der Woche stattfinden - sie sollte dauerhaft gewährleistet sein. Eine gelebte Beteiligungskultur mit echter Mitbestimmung und erlebbaren demokratischen Prozessen schafft Raum für Selbstwirksamkeit – und damit für verantwortungsvolles, nachhaltiges Handeln. aula bietet dafür einen Anknüpfungspunkt und unterstützt die demokratische Ausgestaltung von Schulen. Dabei erfahren Schüler*innen Selbstwirksamkeit und erleben, dass ihr Handeln etwas bewirkt. Ideen werden auf der aula- Plattform nicht nur gesammelt, sondern auch gemeinsam diskutiert. Dabei konfrontieren Schüler*innen sich mit ihren unterschiedlichen Interessen und den Auswirkungen ihrer Ideen - und lernen so, verantwortungsvolle und nachhaltige Entscheidungen zu treffen.

Mit aula füllen wir BNE mit Leben. Nachhaltige Entwicklung beginnt nicht erst „irgendwann in der Zukunft“ – sie beginnt jetzt! Mit der nächsten Idee, der nächsten Abstimmung, der nächsten Entscheidung!

 

 


Das Deutsche Schulbarometer ist da!

Zum ersten Mal wurden Lehrkräfte gezielt zu Partizipation und Demokratiebildung befragt.

Das Deutsche Schulbarometer der Robert Bosch Stiftung ist eine repräsentative Umfrage die seit 2019 jährlich Einblicke in die aktuelle Lage an deutschen Schulen liefert. Für die diesjährige Studie wurden 1.540 Lehrkräfte zu verschiedenen Bereichen ihres Berufsalltags befragt. Neu dabei: Fragen zur Demokratiebildung, zur Mitbestimmung von Schüler*innen – und erstmals auch zum Einsatz von Künstlicher Intelligenz im Unterricht.
Ein zentrales Ergebnis: Der Lehrkräftemangel bleibt die größte Herausforderung. Und er hat spürbare Folgen – auch für die Demokratiebildung. Wo Zeit und Ressourcen fehlen, bleibt kaum Raum für fächerübergreifende Themen oder neue pädagogische Ansätze.
So zeigt die Befragung etwa, dass sich nur 6 % der Lehrkräfte im Umgang mit KI sicher fühlen. Viele befürchten, dass soziale Kompetenzen auf der Strecke bleiben oder sich Lernprozesse grundlegend verändern. Noch deutlicher werden die Ergebnisse bei der Frage nach Mitbestimmung in der Schule (s. Abb. 2.4): Zwar geben 86 % der Lehrkräfte an, dass Schüler*innen bei der Aufstellung von Klassenregeln mitentscheiden dürfen – doch sobald es um Inhalte des Unterrichts oder schulweite Themen geht, wird die Luft dünn. Nur 10 % der Befragten ermöglichen etwa eine Mitbestimmung bei der Auswahl von Unterrichtsmaterialien, und 59 % schließen Mitsprache in diesem Bereich aus.

Im internationalen Vergleich liegt Deutschland damit deutlich hinter anderen Ländern. Laut ICCS-Studie berichten 31 % der europäischen Lehrkräfte von mittlerer bis hoher Mitbestimmung durch Schüler*innen – also dreimal so viele wie in Deutschland (Deimel et al., 2024, in: Deutsches Schulbarometer 2025, S.26).

Die Frage nach dem "Wie" - Partizipation als zentraler Aspekt der Demokratiebildung

Es ist Zeit für einen ehrlichen Beteiligungs-Check! Die Befragung spiegelt unsere Erfahrungen aus über zehn Jahren aula-Praxis wieder: Die Möglichkeiten worüber Schüler*innen an ihrer Schule mitbestimmen können, sind sehr begrenzt. Dabei bringen Schüler*innen ein hohes Interesse mit, sich aktiv an der Gestaltung ihrer Schule zu beteiligen. Und viele Lehrkräfte möchten das ermöglichen: Jede*r zweite Befragte formulierte den Wunsch nach Veränderung klar: 54 % der Lehrkräfte wünschen sich mehr Demokratiebildung. Doch sie sehen sich mit strukturellen Hürden konfrontiert. Genannt werden insbesondere der Zeitmangel, Unsicherheiten im Umgang mit dem Neutralitätsgebot sowie fehlendes fachliches und didaktisches Wissen. Es gibt zu viele Unklarheiten, wie weit Beteiligung im Rahmen ihrer Rolle überhaupt gehen darf.

Schulen stehen vor der Aufgabe, junge Menschen auf ein Leben in einer demokratischen Gesellschaft vorzubereiten. Das gelingt nur, wenn demokratisches Handeln nicht theoretisch vermittelt, sondern praktisch erlebbar wird. Teilhabe muss früh erlernt und im Schulalltag aktiv erprobt werden – nicht als Ausnahme, sondern als selbstverständlicher Bestandteil des schulischen Miteinanders. Schulen müssen Räume schaffen, in denen diese Erfahrungen möglich sind – denn fehlende Demokratiebildung betrifft nicht nur die Schule, sondern unsere gesamte Gesellschaft.

 

Vom Wunsch zur Wirklichkeit: Was es jetzt braucht

Demokratiebildung endet nicht am Rand des Stundenplans, sondern beginnt im gemeinsamen Aushandeln von Regeln, im Mitgestalten von Unterricht und im Ernstnehmen von Schüler*innen-Perspektiven: Damit Demokratiebildung nicht am Stundenplan scheitert, muss sie zur Querschnittsaufgabe werden. Lehrkräfte brauchen dafür passende Materialien, rechtliche Sicherheit und vor allem: eigene Erfahrungen mit Mitbestimmung. Denn wer selbst Teilhabe erlebt hat, kann sie glaubwürdig vermitteln.

Bereits in der Ausbildung sollte Partizipation deshalb eine Rolle spielen – unabhängig vom Fach. Es braucht fächerübergreifende Ansätze, die Teilhabe sichtbar und erlernbar machen. Und: Lehrkräfte selbst sollten in ihrer Ausbildung wie im Berufsalltag mehr Mitsprache erhalten. Denn gelebte Demokratie beginnt bei den Menschen, die sie vermitteln.

Partizipation und Selbstwirksamkeit sind keine netten Extras. Sie sind die Grundlage für demokratisches Verständnis – und damit für eine Gesellschaft, die ihre Zukunft gemeinsam gestalten kann.

Die diesjährige Studie “Das Deutsche Schulbaromenter” der Robert Bosch Stiftung wurde am 25.06.2025 veröffentlicht und entstand in Zusammenarbeit mit einem interdisziplinären Forschungsteam der Universität Heidelberg, der Humboldt-Universität zu Berlin und der Universität Potsdam.

Hier geht's zur ganzen Studie.


Der 1. Mai ist mehr als ein freier Tag - Er ist ein Tag der Solidarität

Während viele sich über ein verlängertes Wochenende freuen, erinnern andere daran, worum es an diesem Tag eigentlich geht: Der 1. Mai ist der internationale Aktionstag der Arbeiter*innenbewegung – ein Tag des Widerstands, der Solidarität und der Frage, wie gerecht unsere Arbeitswelt heute wirklich ist.

In Deutschland wie in vielen anderen Ländern ist dieser Tag ein gesetzlicher Feiertag. Die Europäische Union verankert Beteiligung in der Arbeitswelt in der Grundrechtecharta – Artikel 27 und 28 garantieren Mitspracherechte für Arbeitnehmer*innen in allen Mitgliedsstaaten. In Ländern wie den USA oder Kanada wird der Tag der Arbeit stattdessen im September gefeiert – doch das Anliegen bleibt dasselbe:

Rechte sichtbar machen, Arbeitsbedingungen verbessern, Mitbestimmung ermöglichen.

Was wurde erreicht? Was steht noch aus?

Ein Blick zurück zeigt: Die Arbeiter*innenbewegung hat vieles erreicht. In Deutschland sichern Gesetze heute Mitbestimmungsrechte: Betriebsräte vertreten die Interessen der Belegschaft, in größeren Unternehmen können Arbeitnehmer*innen über den Aufsichtsrat Einfluss nehmen. Tarifverträge und Gewerkschaften sorgen für kollektive Vereinbarungen bei Löhnen, Arbeitszeiten und Arbeitsbedingungen.

Doch gleichzeitig wird deutlich: Diese Strukturen reichen nicht immer aus.

Viele Unternehmen sind weiterhin hierarchisch organisiert, Entscheidungen fallen ohne Rückkopplung zur Belegschaft. Das Streikrecht – eines der wichtigsten demokratischen Mittel – steht nicht allen Beschäftigten zu. Und auch in der öffentlichen Wahrnehmung geraten Mitbestimmung und Gewerkschaften immer wieder unter Druck.

Neue Modelle, alte Fragen

Dabei gibt es längst Ansätze, Arbeit anders zu gestalten. Kollegiale Führung, Soziokratie und Holokratie verteilen Verantwortung neu. Sie setzen auf geteilte Entscheidungsprozesse, auf Teams statt Vorgesetzte, auf Vertrauen statt Kontrolle. In soziokratischen Unternehmen wird im Konsent entschieden: Einwände werden ernst genommen, Lösungen gemeinsam entwickelt. In holokratischen Modellen übernehmen Teams selbstständig Verantwortung – ohne klassische Chef*innenrolle. Diese Ansätze zeigen: Mitbestimmung ist nicht nur ein Recht, sondern ein Prinzip, das man leben kann.

Mitgestalten statt verwalten

Mitbestimmung ist mehr als ein Instrument in Unternehmen – sie ist Ausdruck einer Haltung. Dort, wo Menschen in Entscheidungsprozesse einbezogen werden, entstehen Vertrauen, Verantwortung und Gemeinschaft. Ob im Betrieb, in der Kommune oder im Alltag: Beteiligung stärkt Demokratie, weil sie Menschen befähigt, ihre Umwelt aktiv mitzugestalten. Doch diese Kultur entsteht nicht von selbst. Sie muss gewollt, ermöglicht – und immer wieder eingefordert werden.

Der 1. Mai erinnert uns an historische Kämpfe – und zeigt gleichzeitig, dass der Einsatz für faire Bedingungen und echte Mitbestimmung längst nicht abgeschlossen ist.

Wir feiern alle, die sich heute einsetzen: in Gremien, Gewerkschaften, Teams, Klassenzimmern.

Für mehr Demokratie im Alltag. Für Strukturen, die Menschen mitdenken – nicht übergehen.

Für eine Arbeits- und Lebenswelt, in der Mitbestimmung nicht Ausnahme, sondern Prinzip ist.


Gastbeitrag von Johnathan: Demokratie an meiner Schule

An meiner Schule gibt es einige Möglichkeiten, sich einzubringen und den Schulalltag mitzugestalten. Eine Möglichkeit ist z.B. über die Schülerversammlung (SV), die sich aus den gewählten Klassensprecher*innen zusammensetzt und von einem jährlich gewählten Vorstand geleitet wird.  

Unsere Schülervertretung: Eigenständig und engagiert 

In der SV verbinden wir differenzierte Ansichten aus der Schülerschaft, damit möglichst viele Schüler*innen repräsentiert werden. Dabei organisiert die SV sich weitgehend eigenständig und trifft sich mindestens einmal im Monat, um Anliegen aus den Klassen zu besprechen und Projekte auf den Weg zu bringen. Falls Lernende, die nicht in der SV sind, ebenfalls Anliegen haben, können sie sich dann direkt an ihre Klassensprecher wenden, welche das dann wiederum in die SV tragen können.  

Um Projekte einzelner Schüler*innen umzusetzen, gibt es bei uns nach der Sitzung Zeit für sogenannte Projektarbeit. Dabei können Schüler*innen in Kleingruppen, sofern möglich, ihre Wünsche zu Verbesserung des Schulalltags verwirklichen. So hat die Schulgemeinschaft unter anderem auch veranlasst, die Straße vor der Schule zur Spielstraße werden zu lassen, um mehr Platz für die Schülerinnen und Schüler zu schaffen, während der gegenüberliegende Sportplatz renoviert wird. Solche Projekte sind meiner Meinung nach besonders wichtig für die Demokratiebildung, aber auch für das Wohlbefinden an unserer Schule, denn schließlich sind es ja vor allem wir, die von einem ansprechenden Lernort profitieren. 

Schule mitgestalten – jenseits der SV: AGs & Ateliers als Chance 

Ein anderer Weg, sich an unserer Schule zu engagieren, ist über die angebotenen AGs. Mit der z.B. neugegründeten Klima-AG, können sich engagierte Schüler*innen für eine klimagerechte Schule einsetzen. Dabei helfen uns Lehrkräfte, welche für thematische Unterstützung sorgen, sodass Ideen von Schüler*innen auch zielgerichtet umgesetzt werden können.  

Zusätzlich gibt es für Siebtklässler*innen das Format ‘Atelier’. Dies ist ein fester Bestandteil des Lehrplans an meinem Gymnasium und hat einen ganz besonderen Rahmen: Es gibt keine Noten und die Schüler*innen entscheiden selbst über ihr Thema. Damit soll das selbstentdeckende Lernen und vor allem das Engagement von uns Schüler*innen gefördert werden. Alle dürfen in dieser Zeit ihrer eigenen Fragestellungen nachgehen und ihre Erkenntnisse und Ergebnisse in einem Logbuch festhalten.  Die Ateliers sind vielfältig aufgestellt, in den vergangenen Jahren reichten sie von einem Stratosphärenpflug mit einem Wetterballon bis hin zu einer Glaswerkstatt. Aber es darf auch konkret den Lernort Schule betreffen und so haben hiermit Schüler*innen unsere Schule schon zu einem besseren Ort gemacht. Am Ende eines Ateliers werden die Unikate einem Publikum präsentiert. Hiermit haben wir Schüler*innen die Möglichkeit herauszufinden, für welches Thema wir uns intensiv einsetzten möchten. Den ein oder die andere hat es schon zu Engagement außerhalb der Schule gebracht.  

Mehr Mitbestimmung durch digitale Beteiligung 

Die SV und AGs bzw. Ateliers sind also schon gute Mitbestimmungswege für Schüler*innen. Dennoch wäre ein Partizipationskonzept wie aula auch bei uns eine gute Erweiterung für die demokratischen Strukturen an meiner Schule. Es würde allen Lernenden eine Chance geben, sich außerhalb irgendwelcher Gremien für die Schule zu engagieren und eine gute Möglichkeit, um Ideen einfach mit der gesamten Schule zu teilen. So können auch Schüler*innen mit ihren Ideen sichtbar werden und sich einsetzten, die sich vielleicht nicht gerne in der SV mitmachen möchten oder für die das direkte Teilen der eigenen Idee eine Hürde ist. Eine funktionierende SV ist keine Hürde für aula sondern eine tolle Möglichkeit die bestehenden Strukturen zu erweitern.   

Redaktionelle Korrekturen durch Lea & Carolina 


Zukunft D – zivilgesellschaftliche Organisationen stärken demokratische Strukturen und Prozesse mit digitalen Mitteln

Im Rahmen der dritten Förderperiode des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ des Bundesfamilienministeriums arbeiten seit Anfang 2025 fünf zivilgesellschaftliche Organisationen am Aufbau eines Vereins zur Stärkung digitaler Demokratie. Zukunft D ist ein Kooperationsverbund im Bundesprogramm „Demokratie leben!“ im Programmbereich Entwicklung einer bundeszentralen Infrastruktur und wird Kompetenzaufbau, Wissensaustausch und bundesweite Vernetzung in diesem Bereich voranbringen: für mehr Teilhabe, eine neue Informationskultur, einfache Zugänge, sichere Daten und Infrastrukturen sowie die Einbindung von Bürger*innen in Entscheidungsprozesse, die sie direkt betreffen. Der Verein soll bis Ende 2028 aufgebaut werden.  

Für viele Menschen ist es wichtig, Demokratie persönlich zu erleben und den Wert gemeinsamen Handelns in einer vielfältigen Gesellschaft zu spüren. Mithilfe technologischer Systeme können Gesellschaften demokratischer, inklusiver und gerechter werden. Zukunft D zielt darauf ab, in alle gesellschaftlichen Gruppen hineinzuwirken und Teilhabe und Beteiligung zu fördern, um digitale Demokratie zu einem Möglichkeitsraum für einen neuen Aufbruch zu machen. Digitale und analoge Aktivitäten und Strukturen sollen dabei so verknüpft werden, dass sie einander ergänzen und stärken. Das Projekt stellt auch Personengruppen in den Fokus, die in Beteiligungsformaten bisher unterrepräsentiert sind. 

Die Themenpalette von Zukunft D reicht von Demokratie- und Werteentwicklung, Künstlicher Intelligenz und Datennutzung bis zu Medienkompetenz, digitaler Bildung und Vielfaltsgestaltung. Zukunft D soll eine Anlaufstelle für alle relevanten Akteur*innen digitaler Demokratie in Deutschland sein. Künftig werden sich interessierte Akteur*innen für die Aktivitäten von Zukunft D registrieren und als Netzwerkmitglieder bewerben können.  

Die zivilgesellschaftlichen Organisationen, die Zukunft D gründen, sind AlgorithmWatch, aula, Liquid Democracy, die Schwarzkopf-Stiftung Junges Europa und Wikimedia Deutschland e.V. Die Organisationen stehen für Innovation durch digitales Know-how, etablierte Kommunikationsstrukturen, lokale Verankerung und erfolgreiche Methoden der Demokratie- und Bildungsarbeit mit den unterschiedlichsten Zielgruppen. Der Verbund repräsentiert die Breite der demokratischen zivilgesellschaftlichen Diskurse und verbindet Expertise in den Bereichen digitale Prozesse und Plattformen, Informationsfreiheit, Demokratiepädagogik und Journalismus mit der Kompetenz, Sozialräume und Communities direkt und digital anzusprechen. 

 

Mehr Informationen zum Projekt finden sie unter: https://zukunftd.org/ 

 

Zum Download der Pressemitteilung geht es hier. 



Tester*innen für das große Update der aula-App gesucht!

Wir freuen uns, euch mitzuteilen, dass unsere aula-App ein großes Update erhält, und wir brauchen eure Hilfe, um sie so benutzerfreundlich wie möglich zu gestalten! Teile unsere Neuigkeiten und hilf uns so dabei Tester*innen zu finden! 

Wer kann teilnehmen und was erwartet euch? 

Egal, ob ihr die App bereits nutzt oder gerade erst davon erfahren habt – alle Schüler*innen sind herzlich eingeladen, uns zu unterstützen. Die Testphase findet voraussichtlich Ende Juli und im August statt und wird insgesamt etwa 5 Stunden in Anspruch nehmen. Während dieser Zeit erhaltet ihr Zugriff auf die Beta-Version der App, nehmt an Umfragen teil und eventuell an einem digitalen Feedback-Termin. Eure regelmäßigen Rückmeldungen sind entscheidend, um die App zu verbessern.

Wie könnt ihr mitmachen?

Hier erfährst du mehr und kannst dich für das Testing anmelden. Ob du als Tester*in ausgewählt wurdest, erfährst du per Mail. Keine Schüler*in mehr? Dann teile unseren Aufruf in deinem Netzwerk, damit möglichst viele Schüler*innen die Chance haben in unseren Testing-Pool aufgenommen zu werden.

Warum lohnt es sich mitzumachen?

Eure Teilnahme ist ein wertvoller Beitrag zur Weiterentwicklung unserer App. Ihr bekommt die Möglichkeit, die neuesten Funktionen als Erste*r auszuprobieren und direktes Feedback zu geben. Außerdem wird eure Testing-Unterstützung belohnt! Wir haben ein Dankeschön im Wert von 75€ für die Teilnehmer*innen vorbereitet, dass jedes ausgewählte Testing-Team-Mitglied am Ende des Prozesses erhält. 

Wir freuen uns auf eure Anmeldung und eure wertvollen Rückmeldungen.


Neue Initiative zur Stärkung der Demokratiebildung: Teach First Deutschland und aula

Wir freuen uns riesig, eine wegweisende Zusammenarbeit zur Stärkung der Demokratiebildung an Schulen in herausfordernden Lagen ankündigen zu können. Die Initiative wird durch eine großzügige Förderung durch die Deutsche Postcode Lotterie in Höhe von 1,8 Mio. Euro und der Verleihung des „Traumtalers“ unterstützt. Möglich ist diese Unterstützung dank der zahlreichen Teilnehmenden der gemeinnützigen Soziallotterie.

Ziel dieser Zusammenarbeit ist es, die Selbstwirksamkeit junger Menschen zu fördern und demokratische Teilhabe praktisch umzusetzen. Dafür werden bis zu 180 TeachFirst-Fellows an Weiterbildungsformaten zur Demokratiebildung teilnehmen können. Damit können sie den Ansatz und das Konzept von aula an die Kooperationsschulen von Teach First Deutschland bringen. Durch die intensive Begleitung der Fellows erhalten Schüler*innen, Lehrkräfte und Schulleitungen Unterstützung bei der langfristigen Integration demokratischer Beteiligung an den Schulen.

Wir freuen uns auf die gemeinsame Arbeit und werden in den kommenden Wochen und Monaten auf unserem Blog über Neuigkeiten und Erfolge berichten. Hier geht’s zur offiziellen Pressemitteilung.


aula zu meiner Schulzeit? - Ein Erfahrungsbericht

Wenn ich an meine Schulzeit denke, dann denke ich an vieles: An quälend lange Stunden im Matheunterricht, an Leistungsdruck, an Depressionen, an Mobbing und vor allem an den Uniformitätsdruck samt den starren Strukturen, die mir innerhalb der Schulmauern nicht nur das Gefühl gegeben haben, nicht ich selbst sein zu können, sondern auch, dass genau das im Grunde unerwünscht ist. Selbstwirksamkeit, Partizipation und demokratische Bildung waren für mich theoretische Überbleibsel aus dem Politikunterricht. Aber warum eigentlich? Und hätte das auch anders sein können?  

Wagen wir also einen kurzen Rückblick: Wir schreiben das Jahr 2009, mein siebtes Schuljahr beginnt und ich stehe mit meinen Freundinnen vor dem Eingang der Schule. Dabei sticht eines sofort ins Auge. Der vormals noch graue Betonklotz erstrahlt in neuen Farben. Genauer gesagt in fadem Gelb. Was sicherlich eher als beige angedacht war, erinnerte aber auch auf den zweiten Blick mehr an eine Urinprobe beim Arzt. Hätte der Schulanstrich für 1.4 Millionen Euro damals eine Note von der Schülerschaft bekommen, wäre er vermutlich durchgefallen. Denn auch wenn vorher nie über die Außenfassade diskutiert wurde, obwohl das triste Grau keineswegs eine Augenweide war, wurde nach dem Anstrich darüber geredet.  

Ich war zwar selbst keineswegs von der fragwürdigen Designentscheidung angetan und trotzdem hat mich die Frage beschäftigt, warum gerade das für so viel Zündstoff gesorgt hat. Ich glaube der Grund dafür, dass wir als Schülerschaft erst im Nachhinein protestiert haben, lag hauptsächlich an dem Fakt, dass man uns beispielhaft demonstriert hat, wie wir übergangen wurden. Zusammen mit rund 1500 Schüler*innen bin ich jeden Tag in diese Schule gegangen und niemand ist auf die Idee gekommen uns zu Fragen, mit welcher Ausgestaltung wir uns wohlfühlen würden und das, obwohl diese sich nachweislich positiv auf den Lerneffekt ausübt. Schade. An Kreativität und Ideen zur Gestaltung hat es damals definitiv nicht gemangelt. An Möglichkeiten, sich als Schülerschaft Gehör zu verschaffen, schon.   

Festgefahrene Strukturen müssen hingenommen werden 

Auch mit dem Überqueren der Türschwelle wurde man nicht unbedingt von einem Wohlfühlklima empfangen. Das hing für mich in vielen Fällen mit dem – aus meiner Sicht – konfusen und unnachvollziehbarem Regelwerk der Schule zusammen. Als Paradebeispiel dafür erwies sich der Aufenthalt in den Klassenräumen während der Pausenzeiten, der uns gänzlich untersagt war. Insbesondere in den Wintermonaten kam es deshalb immer wieder zu Diskussionen zwischen Schüler*innen und Lehrkräften, was unter anderem dem Umstand geschuldet war, dass die Klassenräume nahezu die einzigen Räumlichkeiten waren, die ausreichend beheizt wurden. Sogar die Sitzplätze, die zum Essen angedacht waren, befanden sich in direkter Nähe zur Tür. Den konstanten Durchzug gab es inklusive. Wer in den Pausen also gerne an einem Tisch essen wollte, hatte die unglückliche Wahl, sich zu seinem 1,20€ Schnitzelbrötchen ohne Aufpreis auch eine Blasenentzündung zu holen oder in dicker Winterjacke zu essen.  

Der Grund dafür war simpel: Wenn vereinzelte Schüler*innen während der Pausen in der Klasse bleiben würden, hätten sie eine Gelegenheit zu stehlen. Das ist eine Begründung, die man sich erstmal auf der Zunge zergehen lassen muss. Denn was im ersten Moment vielleicht nachvollziehbar klingt, lässt im nächsten schon den impliziten Verdacht der gesamten Schülerschaft durchscheinen. Zuerst möchte ich an dieser Stelle betonen, dass es an unserer Schule nie ein Problem mit Diebstahl gab. Man hat also präventiv versucht, ein Problem zu lösen, das gar nicht existierte und eine ganze Schule unter Generalverdacht gestellt. Dieses mangelnde Vertrauen in die Schülerschaft sehe ich grundsätzlich kritisch. Eine produktive Zusammenarbeit zwischen Schüler*innen und Lehrkräften steht bei so einem grundlegenden Misstrauen auf einem schlechten Fundament. Ganz gleich wie viele Diskussionen diese Regelung damals mit sich gezogen hat – und es waren nicht wenige – man blieb bei genau dieser Aussage und jegliches Hinterfragen wurde abgewiegelt, Kompromisslösungen wurden von vornherein unterbunden. Für mich war diese Regelung völlig irrational und nicht nachvollziehbar. Es hat sich nach einer reinen Prinzip-Sache angefühlt, die im Grunde für alle Beteiligten nur Nachteile bringt. Letztendlich hatte ich das Gefühl, dass unsere Sichtweise keine Rolle gespielt hat – und, dass die Artikulation unserer Wünsche im Grunde genommen ungewollt ist.  

 

Wie das Ausschöpfen der Machtposition schnell zur Bloßstellung führt 

Dieses Machtgefälle und der Eindruck, dass das eigene Wohlbefinden keine Rolle gespielt hat, haben meine Schulzeit für mich zu einer der unangenehmeren Erfahrungen gemacht hat. Wenn ich an Situationen denke, in denen ich mich in meinem bisherigen Leben unwohl gefühlt habe, werfe ich meistens einen Blick zurück auf meine Schulzeit. Referate vor der gesamten Klasse halten, zum Sprechen aufgefordert werden, obwohl man sich nicht gemeldet hat, an die Tafel zitiert werden, um etwas zu demonstrieren – Das alles sind Situationen, die ich immer und immer wieder erlebt habe. Insbesondere diese konstante Angst des „Aufgefordert Werdens“ hat mich durch die Schulzeit begleitet und sich vorzugsweise genau dann bewahrheitet, wenn sich gerade niemand meldet; als wäre das der beste Moment, um Schüler*innen, die sich selten mündlich beteiligen, zu ermutigen. Ich bin bis heute unsicher, woher dieser Gedanke kommt.  

Mir ist vollkommen klar, dass mündliche Beteiligung zur Schule dazugehört und auch, dass man im Zweifelsfall sagen kann, dass man etwas nicht weiß. Aber ich glaube, die meisten Menschen können dieses unangenehme Gefühl nachvollziehen, wenn plötzlich 30 Augenpaare auf einen gerichtet sind und man unsicher ist, was man sagen soll, sich unter Druck gesetzt fühlt und dann vielleicht redet, ohne nachzudenken. Es gibt sicher Schüler*innen, denen das nichts ausmacht. Aber für viele, und da schließe ich mich ein, waren diese Erfahrungen destruktiv. Je öfter ich dazu aufgefordert wurde, etwas zu sagen, desto weniger habe ich mich von selbst gemeldet. Diese Momente haben mir den Mut genommen, etwas zu sagen. Ein sensiblerer Umgang wäre hier wichtig gewesen. Insbesondere bei Lehrer*innen, denen es offensichtlich Spaß gemacht hat, ihre Machtposition in diesen Momenten auszureizen. Denn auch die gab es. Eine Idee wäre in jedem Fall eine anonyme Beschwerdestelle, ein Kummerkasten oder auch eine Fortbildung für die Lehrkräfte gewesen, die immer wieder durch ihr fehlendes pädagogisches Verständnis aufgefallen sind.  

 

Die tägliche Qual und welche Werte einem wirklich vermittelt werden 

Ich gehe also morgens in meine uringelbe Schule, kleide mich in der Mittagspause, als wäre das Michelin-Männchen mein Vorbild, damit mir die Blasenentzündung erspart bleibt und richte dann ein Stoßgebet gen Himmel in der Hoffnung, dass ich nicht ohne mein Zutun aufgerufen werde. Fünf Tage die Woche, acht Jahre lang, ohne das Gefühl zu haben, gehört oder gesehen zu werden, geschweige denn etwas an den festgefahrenen Strukturen ändern zu können. 
Ich glaube, dass gerade die Tatsache, dass die eigenen Bedürfnisse und Wünsche nicht berücksichtigt wurden, dazu geführt hat, dass ich innerhalb der Schule nicht ich selbst sein konnte. Ich hatte das Gefühl, dass Schule kein Ort für Bedürfnisse und Wünsche ist, dass es sich dabei um Dinge handelt, die für den Raum außerhalb gedacht sind. 
Das Tragische daran ist nicht einmal, dass die Schulzeit für mich eine unangenehme Erfahrung war, sondern der Umstand, dass es auch über die Schulzeit hinaus noch eine Weile gebraucht hat, bis ich verstanden habe, dass meine Stimme einen Wert hat und, dass es die Möglichkeit gibt, mir Gehör zu verschaffen. Selbstwirksamkeitserfahrungen und die Chance auf eine freie Entfaltung, sind für mich entscheidend, um genau das zu lernen. Wenn ein System das verhindert, indem es einem vermittelt, dass man die eigenen Bedürfnisse und Ansichten vor der Türschwelle ablegen muss, weil Schule kein Ort dafür ist, dann ist das ein schlechtes System. 

 

Hätte aula helfen können, etwas zu verändern? 

Mit aula hätte es vielleicht die Möglichkeit gegeben, dieses Machtgefälle aufzuweichen und die hierarchischen Strukturen auszugleichen. Zumindest bis zu einem gewissen Grad. Man hätte sich auf einen Austausch einlassen und sich die Ideen der Schüler*innen zumindest anhören müssen. Das wäre ein Anfang gewesen. Mittlerweile weiß ich, dass es Vorschriften zur Gestaltung der Schulfassade gibt, und ich bin mir ebenfalls der Tatsache bewusst, dass die Aufsichtspflicht es schwierig macht, Schüler*innen allein in einem Klassenraum zu lassen. Aber auch da hätte aula einen Ansatz geboten, in dem man diesbezüglich Transparenz geschaffen hätte. Auch das „Warum“ zu verstehen, kann helfen, um unliebsame Regeln gegebenenfalls zu akzeptieren. Es hätte vielleicht dieses Ohnmachtsgefühl vertrieben und vermittelt, dass man sich respektvoll und auf Augenhöhe begegnet. Und es hätte mir vielleicht viel eher deutlich gemacht, dass die eigene Stimme einen nicht zu unterschätzenden Wert hat, von dem man gerade bei Ungerechtigkeiten und in Krisenzeiten Gebrauch machen sollte.   

Das Projekt aula als solches wurde 2014 ins Leben gerufen; ein Jahr vor meinem Schulabschluss. Für mich leider ein bisschen zu spät. Aber der Ausblick darauf, dass aus dem Projekt mittlerweile eine eigene gemeinnützige Organisation geworden ist und das Interesse an einer Umgestaltung und Demokratisierung von und an Schulen steigt, stimmt mich positiv für die Zukunft.   

Paula Eule glücklich

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