Neue Förderung: Postcode Lotterie

Die meisten Schulen, die mit aula eine demokratischere Schulkultur etablieren möchten, wünschen sich eine langfristige Begleitung. Dafür brauchen wir als kleines aula-Team erfahrene Partner*innen vor Ort und starke Netzwerkstrukturen. Dieses Ziel erreichen wir, indem wir mehr aula-Botschafter*innen ausbilden, die aula an Schulen einführen können oder Schulen bei der Einführung begleiten. Um das Vorhaben gezielt anzugehen, sprechen wir aktuell mit Organisationen, die uns dabei unterstützen können. Die Organisationen sind jeweils in ihren Regionen gut vernetzt und haben eine hohe Reichweite.

Was passiert jetzt?

Gemeinsam mit den jeweiligen Organisationen in bisher drei Bundesländern entwerfen wir Pläne für eine Ausbildung von neuen Botschafter*innen. Bei diesem Vorhaben unterstützt uns die Postcode Lotterie durch eine finanzielle Förderung. Diese Partnerschaft macht es möglich, dass wir vermehrt Zeit in die Konzeption investieren können und so in drei Bundesländern Pilot-Netzwerke aufbauen. Was wir hier lernen, möchten wir auch auf weitere Bundesländer anwenden. Unsere Vision ist, dass die Unterstützung beim Aufbau demokratischer Strukturen und einer demokratischen Kultur so für mehr Schulen möglich wird. So viele Schulen wie möglich sollen kritisch auf ihre Strukturen schauen können und dabei begleitet werden, sie zu verbessern.

Das aula-Team bedankt sich herzlich bei der Postcode Lotterie für das Vertrauen und die Zusammenarbeit.


Empfehlungen zu Demokratiebildung und was aula damit zu tun hat

Wir leben in einer Demokratie, aber was bedeutet das eigentlich für unseren Alltag? Die Staatsform hat nicht unbedingt viel mit der Organisation unseres Schul-, Familien- oder Arbeitslebens zu tun. Deshalb müssen Demokratiekompetenzen gezielt vermittelt werden – und zwar ganz besonders auch in der Schule. Am 13. September 2023 hat eine durch die Hertie-Stiftung einberufene hochrangige Kommission einen Bericht vorgestellt, der sich mit der Demokratiebildung von morgen beschäftigt. Wir freuen uns sehr, dass aula Teil der dazugehörigen Toolbox ist. Der Bericht enthält Forderungen an Politik und Schule, während die Toolbox konkrete Vorschläge für Konzepte zur Demokratiebildung sammelt.

Die Expert*innen haben sich eineinhalb Jahre lang mit dem Thema „Demokratie und Bildung“ beschäftigt. Die Kommission wurde unter anderem unterstützt vom Forschungsinstitut für Bildungs- und Sozialökonomie (FiBS), der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) und dem ifo Institut. Die beteiligten Expert*innen sind:  

 

Dr. Ingrid Hamm (Leiterin der Kommission, geschäftsführende Gesellschafterin der Global Perspectives Initiative) 

Anna Engelke (Journalistin) 

Maja Finke (Abiturientin des Jahrgangs 2022, ehem. Mitglied des Jugendbeirats der Hertie-Stiftung) 

Diana Kinnert (Publizistin, Unternehmerin, Beraterin) 

Thomas Krüger (Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung) 

Mirko Meyerding (Schulleiter der Gesamtschule Ebsdorfer Grund) 

Prof. Dr. Armin Nassehi (Lehrstuhl für Soziologie an der LMU) 

Prof. Dr. Andreas Schleicher (Direktor des Direktorats für Bildung der OECD, verantwortlich für die PISA-Studie) 

Linda Teuteberg (Bundestagsabgeordnete) 

Prof. Dr. Ludger Wössmann (Leiter des ifo Zentrum für Bildungsökonomik und Professor für VWL an der LMU) 

Weitere Infos zu Arbeit der Kommission

Die Mitglieder der Kommission verbindet die „Überzeugung, dass die heranwachsenden Generationen die bestmögliche Unterstützung brauchen, um die Herausforderungen der kommenden Jahre von internationalen Sicherheitsfragen bis zum Ressourcenverbrauch gut zu bewältigen“ (Bericht „Mehr und besser“ S. 4). Dahinter steht das Wissen, dass es keine Selbstverständlichkeit ist, dass herausfordernde Fragen zukünftig weiterhin in demokratischen Prozessen ausgehandelt werden. Es entsteht also ein dringender Handlungsbedarf für Demokratiebildung – und zwar möglichst früh.

Die Kommission hat sich insbesondere mit der schulischen Demokratiebildung beschäftigt, weil hier alle jungen Menschen erreicht werden können. Schule hat das Potenzial, ein idealer Lernort für demokratische Prozesse zu sein.

Gelerntes Wissen ist nicht gelebtes Wissen

Politische Bildung findet in der Schule formal statt – wenn auch mit ungleicher Verteilung von Wochenstunden zwischen den Bundesländern und Schulformen. Was jedoch an vielen Schulen fehlt, ist eine lebendige Umsetzung demokratischer Prozesse. Eine Lernumgebung, die über die Theorie von formaler politischer Bildung hinausgeht.

„Eine demokratische Ordnung ist keine Selbstverständlichkeit, sie muss von Menschen getragen werden, die ihre Grundwerte kennen und schätzen und demokratische Praxis eingeübt haben. Weil es keine Demokratie ohne Demokraten und Demokratinnen geben kann und weil Menschen nicht als solche auf die Welt kommen, ist Demokratie eine Bildungsaufgabe – in den Familien und in den Schulen.“ (Bericht „Mehr und besser“ S. 5)

Die Kommission hat strukturelle Defizite und Verbesserungsmöglichkeiten der Demokratiebildung herausgearbeitet und erleichtert gleichzeitig den Zugang zu konkreten Anwendungsmöglichkeiten. Dafür wurde eine Toolbox entwickelt, die als eine Art Sammlung erprobter Demokratiepraxis für Schulen zu verstehen ist. Wir freuen uns sehr, dass aula in der Kategorie „Partizipation und Selbstwirksamkeit“ empfohlen wird. Die Toolbox soll stetig überarbeitet und erweitert werden.

Forderungen der Kommission

Im Bericht werden Forderungen formuliert, die sich vor allem an politische Entscheider*innen richten.

Dabei geht es um die Umsetzung von Demokratiebildung in Schulen, für die eine „konzertierte Aktion ‚Demokratiebildung‘“ (Mehr und besser, S. 50) gefordert wird – gemeinsam umgesetzt von Verantwortlichen der Bundesregierung und der Bundesländer. Die Bildungsarbeit soll schon früh beginnen, denkbar seien Umsetzungen in der Primarstufe und sogar früher. Dabei braucht es verbindliche Standards, die nicht optional umgesetzt werden können, sondern die durch eine Art Demokratie-Pisa gemessen werden können. Als Anregung für Beteiligungen und Projektumsetzungen werden Anreize von staatlicher Seite wie die Einführung von Demokratiebudgets empfohlen, über die die Schulgemeinschaft gemeinsam entscheidet. Um die Herausforderungen der Demokratiebildung erfolgreich zu meistern, fordert die Kommission mehr Autonomie für Schulleitungen und Lehrkräfte für mehr Gestaltungsfreiheit im Schulalltag. Ganz konkret könne das durch den Einsatz von Demokratiescouts an Schulen unterstützt werden, die sich um die Koordination der Demokratiebildungsangebote kümmern. Das Vertrauen in politische Prozesse und das politische Personal, so die Kommission, sollte durch alltäglichere Besuche von Politiker*innen in Schulen gestärkt werden. Zu guter Letzt fordert die Kommission, dass positive Vorbilder im Feld der Demokratiebildung sichtbar gefeiert werden und dass eine nationale Plattform eingerichtet wird, die evidenzgeprüfte Konzepte sammelt. In Großbritannien gibt es eine solche Plattform schon heute.

Am Tag der Veröffentlichung wurde der Bericht nicht nur im Haus der Bundespressekonferenz vorgestellt, sondern auch dem Kanzleramtsminister Wolfgang Schmidt übergeben.

Und jetzt?

Wir von aula unterstützen, dass sich die Kommission mit ihren Partnerorganisationen und der Hertie-Stiftung dafür einsetzt, dass Demokratiebildung ganz oben auf der Agenda der Verantwortlichen steht. Dabei möchten wir aber auch betonen, was unserer Meinung nach nicht immer ganz klar wird im Bericht: Demokratiebildung muss finanziell nachhaltig gesichert werden und Demokratiebildung muss für alle möglich sein. Entsprechende Förderungen müssen ausgeweitet werden, der Zugang für Schulen sowie zivilgesellschaftliche Organisationen muss erleichtert werden.

So können wir sicherstellen, dass nicht nur diejenigen Schulen, die über Töpfe aus Fördervereinen und Co. verfügen, eine qualitativ hochwertige Demokratiebildung integrieren. Alle Schüler*innen sollen die Möglichkeit haben, ihre Selbstwirksamkeit zu steigern und von einer demokratischen Schulkultur zu lernen.


Schüler*innen im Spotlight – Neuer aula-Film von Citizens for Europe

Wir “Erwachsenen” sprechen viel über aula  – im neuen Video  übernehmen diese Rolle endlich diejenigen, die das am besten können: Schülerinnen und Schüler! Vor einigen Monaten hat das Filmteam von Citizens For Europe im Rahmen des europäischen DIYW-Projekts an der Ellen-Key-Schule in Berlin einen kurzen Film gedreht. Die Schüler*innen der Sekundarschule berichten, warum ihnen Beteiligung wichtig ist und wie aula bei ihnen an der Schule funktioniert.

Kreativität und Kollaboration: so läuft der Alltag mit aula

Die Jugendlichen haben viele Ideen für die Ellen-Key-Schule: WLAN, bessere Ausstattung für Computerräume, Klassenfahrtziele oder Snackautomaten – die Liste könnte weitergehen. Die Schüler*innen, die im Video zu Wort kommen, nennen nur Beispiele. Sie organisieren sich über aula und haben somit eine verbindliche Plattform für Beteiligung. Bevor es losging, haben sie über viele Monate hinweg einen Vertrag ausgearbeitet, der die Möglichkeiten und Grenzen ihrer Beteiligung festlegt und der von der Schulkonferenz abgesegnet wurde.

Das Filmteam am Drehtag im Oktober 2021 an der Ellen-Key-Schule in Berlin

Citizens For Europe wurde über eine Recherche zu non-formaler Demokratiebildung auf aula aufmerksam. Das Projekt DIYW (Democratic Innovations in Youth Work) beschäftigt sich mit der Zukunft von Demokratie und der Rolle, die junge Menschen dabei übernehmen. Das Team hat europaweit konkrete Initiativen gesucht, die Jugendliche befähigen, an demokratischen Prozessen teilzuhaben. Insgesamt sind neun Kurzdokumentationen entstanden, die demokratische Innovationen zeigen – der Film über aula ist Teil dieser Reihe. Zusätzlich wurden im Rahmen des Projektes Leitfäden für Pädagog*innen sowie ein begleitender Trainingskurs entwickelt.

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Wir danken allen Beteiligten, und zwar besonders den Schülerinnen und Schülern der Ellen-Key-Schule, Séverine Lenglet (Regisseurin), Jasmin Ibrahim und Selvihan Bozkurt (Moderation), Dr. Justus Fuesers (Lehrer an der Ellen-Key-Schule) und dem gesamten Filmteam! Natürlich danken wir auch der Europäischen Kommission mit dem Erasmus+ Programm, das die Erstellung ermöglicht hat.


3 Länder, 1 Sprache, viele Ideen: lernen gemeinsam gestalten

Liebe Schülerinnen und Schüler,
liebe Lehrerinnen und Lehrer,

wir sprechen eine Sprache, leben in unterschiedlichen politischen Systemen und tauschen uns doch wenig darüber aus: In Österreich, Deutschland und der Schweiz können wir viel voneinander lernen – besonders über Politik. Wir geben jungen Menschen aus den drei Ländern die Möglichkeit, in länderübergreifender Zusammenarbeit Lerninhalte rund um politische Themen zu erstellen, die auf der Schweizer Plattform für Demokratiebildung voty.ch veröffentlicht werden.

Die erstellten Lerninhalte können von Schulen in Deutschland, Österreich und der Schweiz genutzt werden. Beispiele für Themenfelder sind: Umwelt, Gleichberechtigung, Religionsfreiheit, Frauenrechte, politische Systeme in D-A-CH uvm. Die Lerninhalte können in unterschiedlichen Formaten wie Quizzes, Grafiken, Texten oder Videos erstellt werden. Wir, das sind aula.de und voty.ch, begleiten diesen Prozess organisatorisch und redaktionell.

Die Jugendlichen recherchieren zunächst selbstständig, entwickeln Formate und tauschen sich anschließend per (Video-)Chat mit Schülerinnen und Schülern aus Deutschland, der Schweiz und Österreich aus. Die Arbeitsphase startet ab dem 09.12.2021 und endet am 08.03.2022, wobei die Zeiteinteilung hier völlig selbstständig durch die Schulen erfolgt. Die Arbeitsphase kann also bspw. auch intensiv innerhalb weniger Projekttage erfolgen.

Die Lerninhalte werden Ende März 2022 auf der Plattform voty.ch als freie Lehrmaterialien veröffentlicht, wobei die Jugendlichen namentlich als Autor*innen genannt werden können. Wir von voty.ch und aula.de begleiten und moderieren diesen trinationalen Prozess und stehen stets als Ansprechpartner*innen zur Verfügung. Die Bearbeitung der Themen lässt sich prima in den Politik-, Sozialwissenschafts- oder Geschichtsunterricht integrieren, kann aber auch im Rahmen von AGs oder Projekttagen erfolgen.

Die Anmeldung erfolgt ganz einfach per E-Mail an info@aula.de und sollte folgende Punkte beinhalten:

  • Was bewegt die Schule/Schulklasse/Lerngruppe dazu, mitzumachen?
  • Welche Lerngruppe(n) der Schule wären beteiligt?
  • Gibt es eine Lehrkraft, die den Prozess begleitet?
  • Stehen den Schüler*innen Endgeräte zur Verfügung, die sie während der Projektlaufzeit zur Recherche und zur Erstellung von Lerninhalten nutzen können?

Anmeldungen können noch bis zum 23.12.2021 eingereicht werden. Die Zusagen und den genauen Ablauf verschicken wir ab dem 08.12.2021. Zeitgleich mit den Zusagen erhalten die teilnehmenden Schulen Vorlagen für die Erstellung der Lerninhalte durch die Schüler*innen, woran sie bis zum 15.02.2022 arbeiten und anschließend in den Austausch mit anderen Schulen gehen. Die gemeinsam erstellten Inhalte werden spätestens am 09.03.2022 abgegeben und Ende März von der Redaktion veröffentlicht.

Wir freuen uns auf die Anmeldungen an info@aula.de!

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