Jahresrückblick 2025 – Demokratie leben, entwickeln, gestalten

2025 war für aula ein Jahr voller Veränderungen, Kooperationen und inspirierender Begegnungen. Gemeinsam mit Schulen, Partner*innen und jungen Menschen haben wir die digitale Demokratiebildung weiterentwickelt und neue Wege der Beteiligung geschaffen.


Neue Gesichter, mutige Schritte und erste Male

Schon im Januar begann das Jahr mit einem besonderen Meilenstein: Jonathan, unser erster Schülerpraktikant, brachte frische Perspektiven ins Team – und zeigte, wie früh Begeisterung für Demokratiearbeit geweckt werden kann. Gleichzeitig starteten wir die Arbeit an unserem neuen Corporate Design (CI), das aula einen modernen, klaren Auftritt verleiht. Mit dem Start der Kooperation mit „Zukunft D“ setzten wir den Kurs für langfristige Partnerschaften in der demokratischen Bildung. Unser Dank geht an unsere Partner*innen Algorithm Watch, Liquid Democracy, Wikimedia Deutschland und der Schwarzkopf Stiftung Junges Europa, die Zukunft D gemeinsam mit uns mit Leben füllen und an das BMBFSFJ, das diese Intitiative mit seiner Förderung erst möglich gemacht hat!

Im Februar begrüßten wir Vera als Verstärkung. Zudem entschieden wir uns bewusst, den Didacta-Preis abzulehnen – ein starkes Zeichen für Haltung und Authentizität. Eine weitere Online-Botschafter*innen-Ausbildung stärkte unsere digitale Community und leitete ein Jahr voller Bildungsimpulse ein.


Bildung bewegt – von Berlin bis Freiburg

Der März brachte Bewegung ins Jahr: Michel und Lisa reisten nach Rheinland-Pfalz, wo sie mehrere Schulen besuchten. Außerdem kam Anika neu ins Team, was unsere Bildungsarbeit weiter stärkte.

Im April folgten gleich zwei Highlights für das Team: Nikola startete offiziell bei aula, und Jannis feierte sein Comeback – diesmal als Praktikant. Das Barcamp in Freiburg unterstrich, wie wichtig Austausch und Netzwerke in der Demokratiebildung bleiben.


Unser erster Community-Tag

Der Mai stand im Zeichen von Innovation und Gemeinsamkeit. Beim ersten Community-Tag und mit der neuen aula-Version 🦉📲 war deutlich zu spüren, was digitale Beteiligung bewirken kann.

Fotos: Laura Hoffmann

Das Zukunftsfestival in Lüneburg und der Zukunft D-Workshop auf der re:publica brachten aula auf große Bühnen – und in viele neue Köpfe.

Im Juni folgte ein ungewöhnlich charmantes Teammitglied: Ruby, unser Bürohund, zog ein und stärkte (nicht nur) die Teamkultur. Bei einem Kaffee-Workshop mit Caventura ging es dagegen um Genuss, Nachhaltigkeit und Austausch!


Verstetigung, Förderung und neue Formate

Im Juli besuchten wir Teach First Deutschland in Hamburg und Karlsruhe und freuten uns besonders über die Verlängerung unserer institutionellen Förderung durch die Schöpflin Stiftung. Mit dieser Unterstützung können wir unsere pädagogischen Materialien weiterentwickeln und mehr Lehrkräfte in ganz Deutschland erreichen.

Der August brachte dann den Abschluss unserer neuen CI – visuell klar, freundlich und nahbar, entwickelt mit Sonja Lorenz.

Alexa Schaegner: “Die Förderung durch die Schöpflin Stiftung stärkt unsere Arbeit entscheidend. Sie ermöglicht es uns, unser Beteiligungskonzept qualitativ weiterzuentwickeln, neue Zielgruppen zu erreichen und unsere Kompetenzen im Team weiter auszubauen.”


Demokratie lernen durch Erfahrung

Der September war geprägt von Begegnung und Bildung:

  • Teach Democracy Akademie in Potsdam mit rund 30 Fellows,
  • Botschafter*innen-Ausbildung in Rheinland-Pfalz,
  • und ein herzlicher Teamtag in Berlin – inklusive Stadtführung und Grillfest.

Im Oktober folgte der Postcode-Partnertag, bei dem wir nicht nur Inspiration, Vernetzung und eine große Wertschätzung spüren konnten. Zeitgleich liefen die erste Ausbildung mit dem Niedersächsischen Kultusministerium und das Pilotprojekt zum Grundschulkonzept in Münster an – wichtige Schritte, um Beteiligung schon im frühen Schulalter zu fördern.


Abschluss mit Haltung, Humor und Herz

Der November brachte digitale Präsenz und Sichtbarkeit: Vom Digital Democracy Day über den Charity-Twitch-Stream bei Bonjwa – bei dem für alle teilnehmenden Organisationen über 120.000€ gespendet wurden –  bis hin zum Schulbesuchen in Leipzig. Ein starkes Zeichen, wie vielfältig Demokratiebildung heute sein kann.

Fotos: Jason Ekvidi – Own work, CC BY-SA 4.0

Im Dezember wurde es festlich: Weihnachtsfeier mit Karaoke, Teamfreude pur – und der Abschluss der Botschafter*innen-Ausbildung in Niedersachsen, der das Jahr rund machte. Insgesamt konnten wir in diesem Jahr 60 neue Botschafter*innen ausbilden.


Danke für Vertrauen, Förderung und Wirksamkeit

Ohne unsere Förderpartner*innen und die zahlreichen Unterstützer*innen wäre all das nicht möglich: Herzlichen Dank an die Schöpflin Stiftung, die Postcode Lotterie, das BMBFSFJ, die Robert-Bosch-Stiftung, das ZSL Baden-Württemberg und viele weitere Partner, Spender*innen und Unterstützer*innen, die uns ermöglichen, digitale Demokratiebildung und Jugendbeteiligung nachhaltig zu gestalten.

2025 war ein Jahr der Entwicklung – 2026 wird ein Jahr der Umsetzung. Wir freuen uns darauf, weiter gemeinsam mit Schulen, Jugendlichen und Partner*innen Demokratie lebendig zu machen.

Simone (aula-Botschafterin): “In der Zusammenarbeit mit den Menschen, die aula an ihrer Schule einführen möchten, beeindruckt mich das Durchhaltevermögen, der unbedingte Wille Veränderung und Demokratie zu leben. Und auch hier das sehr wertschätzende Miteinander. Es macht Freude zu sehen, wie Schüler*innen beginnen auf neue Art miteinander und mit den Lehrkräften und die Lehrkräfte mit den Schüler*innen zu kommunizieren.”


Ausflug für das aula-Team: Beteiligung an Schulen in Rheinland-Pfalz fördern

Wir hatten Ende November die seltene Gelegenheit, gleich zwei Schulen an einem Tag zu besuchen. Was für eine schöne Abwechslung zum Büroalltag! Die Workshops haben stattgefunden im Rahmen des Pilotprojekts „aula in Rheinland-Pfalz“, das wir aktuell mit der Stabsstelle Digitales Kompetenzzentrum am Pädagogischen Landesinstitut Rheinland-Pfalz umsetzen. Finanziert wurde die Reise durch Fördermittel der Deutschen Postcode Lotterie.

Hier erfahrt ihr mehr dazu, was wir mit den Schulen erarbeitet haben und was die Schüler*innen gerne an ihren Schulen umsetzen möchten.

Mit beiden Schulen haben wir uns wenige Wochen zuvor schon zu Online-Workshops getroffen. Los ging’s also für das aula-Team von Berlin quer durch’s Land nach Trier.

An der IGS Trier, die am schönen Wolfsberg liegt, ging der Tag für uns los. Wir wurden herzlich empfangen und konnten unseren Workshop-Raum mit Blick über die umliegenden Hügel in Ruhe einrichten.

Danach ging die Arbeit los: Mit 16 Schüler*innen und sechs Lehrkräften haben wir auf den Online-Workshop zurückgeblickt und danach verschiedene Kleingruppenarbeiten gemacht. Es gab eine „Influencer“-Session zu der Frage, wie die Teilnehmenden noch mehr Schüler*innen davon überzeugen können, bei aula mitzumachen und sich zu beteiligen. Da die meisten Teilnehmenden bereits beim Online-Workshop dabei gewesen waren, konnten wir anschließend vertieft in die Aufgaben von Moderator*innen bei aula eintauchen.

Dabei ging es einerseits darum, welche Aufgaben Moderator*innen auf der Plattform haben. Andererseits ging es auch um die Verantwortlichkeiten von Moderator*innen „offline“, also außerhalb der Plattform. Auch da gibt es viel zu tun! Zu den Offline-Aufgaben zählen zum Beispiel das Motivieren anderer Schüler*innen oder das Unterstützen anderer beim Formulieren erfolgreicher Ideen. Zusätzlich ging es um Verhaltensregeln auf der Plattform, die in den nächsten Wochen weiter ausgearbeitet werden.

Snackautomat, mehr Zeit draußen verbringen und Duftbäume für Klos

Nach einer Fahrt durch den schönen Hunsrück kam das aula-Team kurz darauf am Standort Rhaunen der IGS Herrstein-Rhaunen an. Hier wurden wir von 14 motivierten Schüler*innen und vier Lehrkräften empfangen. Die teilnehmenden Schüler*innen waren beim Online-Workshop nicht dabei gewesen. Deshalb haben wir zum Einstieg einen Kurzfilm von Citizens for Europe gezeigt, der aula vorstellt.

Anschließend haben wir gemeinsam Ideen der Schüler*innen und Lehrkräfte für die IGS Herrstein-Rhaunen gesammelt. Dazu gehörten:

  • Die Schulklassiker: Snackautomat und Kiosk
  • das Einrichten einer Feuerstelle
  • Duftbäume für Klos
  • Bei Streit: Streitschlichter besuchen
  • Mehr Zeit draußen verbringen
  • und vieles mehr!

Mit dieser reichhaltigen Ideensammlung ging es dann in die Übung zum Formulieren erfolgreicher Ideen. Gemeinsam haben wir erarbeitet, dass die Idee „Feuerstelle einrichten“ mit vielen Fragen einhergeht.

Wo kann die Feuerstelle errichtet werden? Wer kümmert sich? Wer darf sie wann nutzen? Wer führt Aufsicht? Was kostet das? Gibt es Sponsoren? Braucht es zusätzlich eine Hütte als Lager für Holz und Co.?

Wer eine Idee einbringt, sollte sich im Laufe der Projektplanung auch mit den großen W-Fragen beschäftigen. Dabei können Lehrkräfte natürlich unterstützen. In vielen Fällen bringen sie Erfahrungen mit, von denen alle profitieren können. Fest steht aber: Beteiligung ist Arbeit – und sie lohnt sich!

Die vielen engagierten Schüler*innen und die begleitenden Lehrkräfte haben dafür gesorgt, dass die IGS Trier und die IGS Herrstein-Rhaunen jetzt einen Schritt weiter auf dem Weg zu direkter Beteiligung der Schüler*innen sind. In 2025 folgen weitere Workshops mit den Schulen, die am Pilotprojekt „aula in Rheinland-Pfalz“ mit dem Pädagogischen Landesinstitut teilnehmen. Wir freuen uns schon!


„Ich glaube, ich habe heute mehr gelernt, als wenn ich Unterricht gehabt hätte“

Mittlerweile ist es eine liebgewonnene Tradition, dass das aula-Team einmal im Jahr für ein Barcamp nach Freiburg fährt. Hier treffen wir Schulen aus Baden-Württemberg, die entweder schon mit aula arbeiten oder die sich dafür interessieren, aula anzuwenden. Alle Teilnehmenden haben ein Ziel gemeinsam: Sie möchten die Beteiligung von Schüler*innen an ihren Schulen stärken.

Bei dem Treffen geht es darum, Erfolge zu feiern, sich über Hürden auszutauschen und gemeinsam an Lösungen zu arbeiten. Beim diesjährigen Barcamp am 7. März 2024 waren wir rund 60 Personen aus zehn Schulen, davon etwa zwei Drittel Schüler*innen. Das Besondere daran ist, dass so verschiedenste Perspektiven und Erfahrungen zusammenkommen, von denen alle profitieren können, die dabei sind. Alle tauschen sich auf Augenhöhe aus, Lehrkräfte werden geduzt und das Fazit einer Schülerin spricht für sich: „Ich glaube, ich habe heute mehr gelernt, als wenn ich den ganzen Tag Unterricht gehabt hätte“

Das Team rund um Dejan Mihajlovic und David Pomp vom ZSL Baden-Württemberg richtet das Barcamp gemeinsam mit uns aus. Dejan und David sind erfahrene Barcamp-Experten und nicht nur ein Garant für eine super Organisation, sondern auch für tanzbare Playlists in den Pausen, leckere Snacks und vor allem gute Laune.

aula zeigt, was Schüler*innen bewegt

Beim aula-Barcamp 2024 lag viel Entschlossenheit in der Luft. Den Teilnehmenden liegt es am Herzen, die Beteiligungskultur an ihren Schulen zu fördern. Sie sind überzeugt, mit aula ein Werkzeug gefunden haben, das ihnen dabei hilft. Sie sehen, wie viel Aufwind aula vielen Jugendlichen gibt, die eine Möglichkeit gefunden haben, ihre Interessen auf die Agenda der Schulgemeinschaft zu setzen. Vor allem die Transparenz, die aula ermöglicht, begeistert viele. Die Jugendlichen sehen ein riesiges Potenzial darin, durch aula Ideen mit der gesamten Schulgemeinschaft umzusetzen – und nicht nur im kleinen SV-Kreis zu verhandeln.

Plötzlich wissen Lehrkräfte, Schulsozialarbeiter*innen und Schulleiter*innen, was die Jugendlichen bewegt, welche Veränderungen sie sich wünschen. Das liegt vor allem daran, dass aula immer zugänglich ist und nicht, wie Versammlungen oder Konferenzen, nur alle paar Wochen oder Monate mit ausgewählten Teilnehmenden stattfindet. Beispiele für Veränderungen, die über aula angestoßen oder abgestimmt wurden, sind folgende: Bereitstellung kostenfreier Periodenartikel auf Toiletten, das Speichern von Klassenarbeiten in digitalen Stundenplänen, die Anschaffung von Spielgeräten für Pausen – und natürlich vieles mehr.

Wird mit aula alles gut?

Bei der Einführung und Betreuung von aula haben einige Schulen an mehreren Stellen mit Widerständen zu kämpfen: Viele erhalten keine oder wenig Unterstützung aus dem Lehrkräftekollegium. Viele wünschen sich mehr Motivation unter Schüler*innen. Beides sind Symptome eines überlasteten Schulsystems. So wurde auch unter den teilnehmenden Jugendlichen deutlich, wie viel Belastung sie im Schulalltag ausgesetzt sind. G8, Abistress, Druck durch Social Media, Mobbing und Ansprüche der Schule und des Elternhauses sind nur einige Schlagworte, die in dem Zusammenhang gefallen sind. Die Lehrkräfte, die sich an ihren Schulen für aula einsetzen, sind manchmal gleichzeitig Mathelehrerin, Projektmanagerin, IT-Kraft, Vertrauenslehrerin und Demokratieberaterin.

Es braucht Zeit, Schüler*innen den Raum für Mitgestaltung anzubieten. Die meisten Jugendlichen sind es nicht gewohnt, im Rahmen der Schule nach ihrer Meinung gefragt zu werden und mitbestimmen zu dürfen. Dass ihre Veränderungswünschen und Ideen eine Bedeutung haben, ist ihnen fremd. Viele gehen davon aus, dass ihre Beiträge sowieso nichts ändern würden. Sie vom Gegenteil zu überzeugen, benötigt Freiräume, Zeit – und manchmal auch Geld. Die Veränderungen, die die Jugendlichen sich wünschen, gibt es nicht immer gratis. Neue Spielgeräte, Periodenartikel, gemütliche Sitzmöglichkeiten im Aufenthaltsraum sind Ideen, die finanziert werden müssen. Das zu organisieren, ist für die Schüler*innen selbst häufig schwierig. Hier bietet es sich an, ein Budget zur Verfügung zu stellen, über das Schüler*innen bestimmen dürfen. Finanzieren lässt sich das beispielsweise durch Spenden lokaler Unternehmen oder öffentliche Fördertöpfe.

Das nächste Barcamp kommt bestimmt

Die Idee, Barcamps mit mehreren Schulen zu veranstalten, die sich alle mit aula und Beteiligung beschäftigen, finden wir von Jahr zu Jahr besser. Wir planen aktuell, ähnliche Formate auch in anderen Regionen umzusetzen, in denen es mehrere aula-Schulen gibt. (Angehende) aula-Schulen, die Interesse an und auch Räumlichkeiten für eine solche Veranstaltung haben, können sich sehr gern bei uns melden!


Neue Förderung: Postcode Lotterie

Die meisten Schulen, die mit aula eine demokratischere Schulkultur etablieren möchten, wünschen sich eine langfristige Begleitung. Dafür brauchen wir als kleines aula-Team erfahrene Partner*innen vor Ort und starke Netzwerkstrukturen. Dieses Ziel erreichen wir, indem wir mehr aula-Botschafter*innen ausbilden, die aula an Schulen einführen können oder Schulen bei der Einführung begleiten. Um das Vorhaben gezielt anzugehen, sprechen wir aktuell mit Organisationen, die uns dabei unterstützen können. Die Organisationen sind jeweils in ihren Regionen gut vernetzt und haben eine hohe Reichweite.

Was passiert jetzt?

Gemeinsam mit den jeweiligen Organisationen in bisher drei Bundesländern entwerfen wir Pläne für eine Ausbildung von neuen Botschafter*innen. Bei diesem Vorhaben unterstützt uns die Postcode Lotterie durch eine finanzielle Förderung. Diese Partnerschaft macht es möglich, dass wir vermehrt Zeit in die Konzeption investieren können und so in drei Bundesländern Pilot-Netzwerke aufbauen. Was wir hier lernen, möchten wir auch auf weitere Bundesländer anwenden. Unsere Vision ist, dass die Unterstützung beim Aufbau demokratischer Strukturen und einer demokratischen Kultur so für mehr Schulen möglich wird. So viele Schulen wie möglich sollen kritisch auf ihre Strukturen schauen können und dabei begleitet werden, sie zu verbessern.

Das aula-Team bedankt sich herzlich bei der Postcode Lotterie für das Vertrauen und die Zusammenarbeit.


Empfehlungen zu Demokratiebildung und was aula damit zu tun hat

Wir leben in einer Demokratie, aber was bedeutet das eigentlich für unseren Alltag? Die Staatsform hat nicht unbedingt viel mit der Organisation unseres Schul-, Familien- oder Arbeitslebens zu tun. Deshalb müssen Demokratiekompetenzen gezielt vermittelt werden – und zwar ganz besonders auch in der Schule. Am 13. September 2023 hat eine durch die Hertie-Stiftung einberufene hochrangige Kommission einen Bericht vorgestellt, der sich mit der Demokratiebildung von morgen beschäftigt. Wir freuen uns sehr, dass aula Teil der dazugehörigen Toolbox ist. Der Bericht enthält Forderungen an Politik und Schule, während die Toolbox konkrete Vorschläge für Konzepte zur Demokratiebildung sammelt.

Die Expert*innen haben sich eineinhalb Jahre lang mit dem Thema „Demokratie und Bildung“ beschäftigt. Die Kommission wurde unter anderem unterstützt vom Forschungsinstitut für Bildungs- und Sozialökonomie (FiBS), der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) und dem ifo Institut. Die beteiligten Expert*innen sind:  

 

Dr. Ingrid Hamm (Leiterin der Kommission, geschäftsführende Gesellschafterin der Global Perspectives Initiative) 

Anna Engelke (Journalistin) 

Maja Finke (Abiturientin des Jahrgangs 2022, ehem. Mitglied des Jugendbeirats der Hertie-Stiftung) 

Diana Kinnert (Publizistin, Unternehmerin, Beraterin) 

Thomas Krüger (Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung) 

Mirko Meyerding (Schulleiter der Gesamtschule Ebsdorfer Grund) 

Prof. Dr. Armin Nassehi (Lehrstuhl für Soziologie an der LMU) 

Prof. Dr. Andreas Schleicher (Direktor des Direktorats für Bildung der OECD, verantwortlich für die PISA-Studie) 

Linda Teuteberg (Bundestagsabgeordnete) 

Prof. Dr. Ludger Wössmann (Leiter des ifo Zentrum für Bildungsökonomik und Professor für VWL an der LMU) 

Weitere Infos zu Arbeit der Kommission

Die Mitglieder der Kommission verbindet die „Überzeugung, dass die heranwachsenden Generationen die bestmögliche Unterstützung brauchen, um die Herausforderungen der kommenden Jahre von internationalen Sicherheitsfragen bis zum Ressourcenverbrauch gut zu bewältigen“ (Bericht „Mehr und besser“ S. 4). Dahinter steht das Wissen, dass es keine Selbstverständlichkeit ist, dass herausfordernde Fragen zukünftig weiterhin in demokratischen Prozessen ausgehandelt werden. Es entsteht also ein dringender Handlungsbedarf für Demokratiebildung – und zwar möglichst früh.

Die Kommission hat sich insbesondere mit der schulischen Demokratiebildung beschäftigt, weil hier alle jungen Menschen erreicht werden können. Schule hat das Potenzial, ein idealer Lernort für demokratische Prozesse zu sein.

Gelerntes Wissen ist nicht gelebtes Wissen

Politische Bildung findet in der Schule formal statt – wenn auch mit ungleicher Verteilung von Wochenstunden zwischen den Bundesländern und Schulformen. Was jedoch an vielen Schulen fehlt, ist eine lebendige Umsetzung demokratischer Prozesse. Eine Lernumgebung, die über die Theorie von formaler politischer Bildung hinausgeht.

„Eine demokratische Ordnung ist keine Selbstverständlichkeit, sie muss von Menschen getragen werden, die ihre Grundwerte kennen und schätzen und demokratische Praxis eingeübt haben. Weil es keine Demokratie ohne Demokraten und Demokratinnen geben kann und weil Menschen nicht als solche auf die Welt kommen, ist Demokratie eine Bildungsaufgabe – in den Familien und in den Schulen.“ (Bericht „Mehr und besser“ S. 5)

Die Kommission hat strukturelle Defizite und Verbesserungsmöglichkeiten der Demokratiebildung herausgearbeitet und erleichtert gleichzeitig den Zugang zu konkreten Anwendungsmöglichkeiten. Dafür wurde eine Toolbox entwickelt, die als eine Art Sammlung erprobter Demokratiepraxis für Schulen zu verstehen ist. Wir freuen uns sehr, dass aula in der Kategorie „Partizipation und Selbstwirksamkeit“ empfohlen wird. Die Toolbox soll stetig überarbeitet und erweitert werden.

Forderungen der Kommission

Im Bericht werden Forderungen formuliert, die sich vor allem an politische Entscheider*innen richten.

Dabei geht es um die Umsetzung von Demokratiebildung in Schulen, für die eine „konzertierte Aktion ‚Demokratiebildung‘“ (Mehr und besser, S. 50) gefordert wird – gemeinsam umgesetzt von Verantwortlichen der Bundesregierung und der Bundesländer. Die Bildungsarbeit soll schon früh beginnen, denkbar seien Umsetzungen in der Primarstufe und sogar früher. Dabei braucht es verbindliche Standards, die nicht optional umgesetzt werden können, sondern die durch eine Art Demokratie-Pisa gemessen werden können. Als Anregung für Beteiligungen und Projektumsetzungen werden Anreize von staatlicher Seite wie die Einführung von Demokratiebudgets empfohlen, über die die Schulgemeinschaft gemeinsam entscheidet. Um die Herausforderungen der Demokratiebildung erfolgreich zu meistern, fordert die Kommission mehr Autonomie für Schulleitungen und Lehrkräfte für mehr Gestaltungsfreiheit im Schulalltag. Ganz konkret könne das durch den Einsatz von Demokratiescouts an Schulen unterstützt werden, die sich um die Koordination der Demokratiebildungsangebote kümmern. Das Vertrauen in politische Prozesse und das politische Personal, so die Kommission, sollte durch alltäglichere Besuche von Politiker*innen in Schulen gestärkt werden. Zu guter Letzt fordert die Kommission, dass positive Vorbilder im Feld der Demokratiebildung sichtbar gefeiert werden und dass eine nationale Plattform eingerichtet wird, die evidenzgeprüfte Konzepte sammelt. In Großbritannien gibt es eine solche Plattform schon heute.

Am Tag der Veröffentlichung wurde der Bericht nicht nur im Haus der Bundespressekonferenz vorgestellt, sondern auch dem Kanzleramtsminister Wolfgang Schmidt übergeben.

Und jetzt?

Wir von aula unterstützen, dass sich die Kommission mit ihren Partnerorganisationen und der Hertie-Stiftung dafür einsetzt, dass Demokratiebildung ganz oben auf der Agenda der Verantwortlichen steht. Dabei möchten wir aber auch betonen, was unserer Meinung nach nicht immer ganz klar wird im Bericht: Demokratiebildung muss finanziell nachhaltig gesichert werden und Demokratiebildung muss für alle möglich sein. Entsprechende Förderungen müssen ausgeweitet werden, der Zugang für Schulen sowie zivilgesellschaftliche Organisationen muss erleichtert werden.

So können wir sicherstellen, dass nicht nur diejenigen Schulen, die über Töpfe aus Fördervereinen und Co. verfügen, eine qualitativ hochwertige Demokratiebildung integrieren. Alle Schüler*innen sollen die Möglichkeit haben, ihre Selbstwirksamkeit zu steigern und von einer demokratischen Schulkultur zu lernen.