Über junge Menschen wird viel gesprochen: was ihnen guttut, was sie belastet, wie viel Social Media in Ordnung ist. Seltener beginnt das Gespräch damit, wie sie ihren Alltag selbst erleben.

Dabei sind sie die Expert*innen für ihre Lebenswelt. Die WHO hat das zum diesjährigen Welttag der psychischen Gesundheit betont: Wer eigene Erfahrungen mitbringt, hat Wissen, das sich von außen nicht ersetzen lässt.

Das Gefühl, nichts ändern zu können

Wie verbreitet das Gegenteil ist, zeigt der Jugendbericht Mental Health von YEP: 87 Prozent der Befragten haben zumindest manchmal das Gefühl, bestimmte Dinge in ihrem Alltag nicht verändern zu können. 51 Prozent kennen es häufig.

In der Schule ist es ähnlich. Laut Deutschem Schulbarometer 2025/26 schätzen Schüler*innen ihre Mitbestimmungsmöglichkeiten vielerorts als gering ein, und je nach Bereich wünschen sich 64 bis 74 Prozent mehr davon.

Wer erlebt, dass die eigene Perspektive nicht berücksichtigt wird, und daran gehindert wird, sich einzubringen, der glaubt auch, dass er oder sie sowieso nichts verändern kann.

Warum das mit mentaler Gesundheit zu tun hat

Beteiligung kann psychische Stabilität auf verschiedenen Ebenen stärken. Wer Belastungen dauerhaft ausgeliefert ist, ohne etwas ändern zu können, entwickelt leicht Hilflosigkeit und zieht sich eher zurück. Wer dagegen erlebt, dass er selbst etwas bewegen kann, erfährt das Gegenteil: Selbstwirksamkeit, einen der am besten untersuchten Schutzfaktoren für psychische Gesundheit.

Mitbestimmung kann die Bindung an die Gemeinschaft fördern und das Selbstwertgefühl stärken. Wenn die eigene Meinung gefragt ist und ernst genommen wird, entsteht das Gefühl, dazuzugehören und etwas beitragen zu können.

Viele Dinge, die junge Menschen belasten, sind keine private Schwäche, sondern haben auch strukturelle Ursachen. Beteiligung ist die Chance, diese Ursachen anzugehen, statt nur zu lernen, sie auszuhalten.

Was Schüler*innen selbst fordern

Bei unserem Fachtag haben die Schüler*innen ihre Forderungen klar formuliert: ernster genommen werden, mehr Mitspracherecht und Beteiligung, die an Schulen fest verankert ist, statt nur als einzelne Projekte stattzufinden.

Der letzte Punkt ist der wichtigste. Ein einzelnes Format kann eine gute Erfahrung sein. Selbstwirksamkeit entsteht aber erst, wenn Beteiligung verlässlich dazugehört. Mit aula wird Mitbestimmung zum festen Bestandteil des Schulalltags, in dem Schüler:innen eigene Vorschläge entwickeln, dafür werben, abstimmen und erleben, dass Veränderung möglich ist.

Resilienz ist nicht alles

Junge Menschen sollen belastende Bedingungen nicht einfach besser aushalten lernen. Resilienz ist wichtig, aber sie darf keine Ausrede sein, an den Umständen nichts zu ändern. Verantwortung liegt auch bei Erwachsenen, Schulen und Politik.

Wir können jungen Menschen nicht versprechen, dass die Welt einfacher wird. Wir können aber mitbestimmen, ob sie in ihr vor allem Ohnmacht erleben oder erfahren, dass ihr Blick zählt und sie etwas bewegen können.

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