Von der wilden Idee zur fertigen Sitzgelegenheit
„Es war schon sehr anstrengend, aber auch schön. Denn zu wissen, dass wir die Bank mitgemacht haben ist schon ein schönes Gefühl.“ – Schülerin aus der Projektgruppe Wellenbank.
Kurz vor den Sommerferien im Juni gibt es für sechs Schüler*innen aus Karlsruhe eine besondere Woche. Sie sind vormittags freigestellt um eine Wellenbank zu planen, zu sägen und zu betonieren.
Wie es dazu kam? Die Schüler*innen der Werner-Siemens Schule Karlsruhe haben in diesem Schulhalbjahr mit aula Analog über ihre eigenen Schulthemen abgestimmt, und zusammen überlegt wie sie ihre Schule verbessern möchten. In einem liebevoll gestalteten Projekt hat sich Sina (Fellow Teach Democracy) am Anfang des zweiten Schuljahres 2026 auf den Weg gemacht, und mit jeder Klasse der Schule, ihre wilden Ideen analog gesammelt, Verbesserungsvorschläge diskutiert und in der Vollversammlung abgestimmt. Jetzt steht fest, wie sie ihre Schule für sich besser machen möchten.
Wirklich schnell hat sich über alle Jahrgänge und Klassen herauskristallisiert, dass dringend zwei Themen angegangen werden müssen: Es braucht mehr Sitzplätze im Schulraum, zum zusammen abhängen, Lernen oder Ausruhen und – wie an so vielen anderen Schulen auch – ist die Toiletten Situation für alle Sinne eine Katastrophe. Beschmierte Wände mit Abstimmungen darüber, wer welches Geschäft gemacht hat, sind noch der kleinste Vandalismus, der tagtäglich verübt wird.
Carolina aus dem aula Team hat bei ihrem Werkstatt-Besuch eine der Schülerinnen gefragt, warum sie sich für diesen Weg entschieden haben:
„In der Vollversammlung mit der ganzen Schule haben wir besprochen, was wir für die ganze Schule brauchen. Deshalb sind wir heute hier. Weil viele Leute aus der Schule gesagt haben, dass wir mehr Sitzmöglichkeiten brauchen und dann haben wir uns für eine neue Bank für unsere Schule entschieden. Und jetzt haben wir die letzten drei Tage einfach eine neue Bank gebaut. Wir hätten die Bank auch bestellen können, aber wir dachten es macht mehr Spaß, wenn wir die Bank für die Schule selber bauen. Und deswegen hatten wir jetzt drei Tage dieses Projekt und wir wurden von unserem Lehrer ausgesucht, weil wir auch in Technik sind.“
Die Schule kooperiert seit vielen Jahren mit regionalen Ausbildungsbetrieben, an denen die Schüler*innen Praktika und Schnuppertage absolvieren dürfen. Diesen Kontakt haben sie genutzt und von ihren Vorhaben erzählt. Schnell hat sich Jörg vom Bildungszentrum Bau bereit erklärt, die Schüler*innen auf ihrem Weg zu neuen Sitzgelegenheiten handwerklich zu unterstützen.
Lehrkräfte aus allen Jahrgängen haben ein kleines Projektteam aus Schüler*innen zusammengestellt, die sich im Laufe des Prozesses durch besonderes Engagement oder mit ihrem Interesse an Technik hervorgetan haben.
Das ‚Team Wellenbank‘ bestehend aus Ali, Mohammed, Matthew, Philip, Emana und Alena hat diese Woche Besonderes geleistet. Die sechs durften zusammen mit Fellow Sina und dem Technik-Pädagogen von Montag bis Mittwoch, immer vormittags, den Ausbildungsbetrieb besuchen – und nicht nur das, auch wirklich mit anpacken. Vom ersten Schritt bis zur Platzierung am 20.Juli wurden sie in alle Schritte eingebunden. Doch bis die Bank auf dem Pausenhof steht, musste die Gruppe auch hier gemeinsam viele kleine und große Entscheidungen treffen.
Wie viele Personen sollen auf der Bank gleichzeitig sitzen können? Welche Form hat die Bank? Und als die Entscheidung stand, dass es eine Wellenbank wurde: Wie baut man eigentlich eine Wellenbank, die nicht einfach weg getragen werden kann? Zusammen mit dem aktuellen Jahrgang der Auszubildenden sind die Schüler*innen diesen Fragen auf den Grund gegangen. Gleichzeitig hat Jörg ihnen immer mehr Fragen zum Prozess gestellt und sie die Lösungen selbst herausfinden oder direkt ausprobieren lassen. Kleine Dreiecke sägen, Bewährungsstangen platzieren und Beton anmischen. Täglich wurde immer mehr Neugier geweckt. Wie berechnet man die Fläche einer Wellenbank? Wie bedient man einen Betonverdichter und aus was besteht dieser Beton?
Wusstet ihr schon was ein Betonverdichter macht? Er kann besonders stark vibrieren – was natürlich auch zu dem ein oder andere Witz geführt hat. Aber vor allem entfernt er die Luft aus dem Beton und verdichtet so die Masse. Wie lange Beton zum Trocknen braucht und wie man Holzpaneelen wetterbeständig vorbereitet, können die Schüler*innen jetzt auch freudig erklären.
Vor Ort hat Carolina die Schüler*innen gefragt, wie es war mit gestalten zu können.
Wie war es so eine Bank zu machen?
Schülerin: „Das Kompliziertes war schon das Sägen. Es musste ganz genau im Detail auf 10cm gesägt werden. Manchmal ist auch was abgebrochen, dann mussten wir noch mehr sägen, aber ja. Wir fanden es aber gut, dass wir mitbestimmen konnten.“
Jörg schätzt die Zusammenarbeit mit der Schule. Er ist seit fünf Jahren in dem Betrieb und hat schon drei Jahrgänge durch ihre Ausbildung begleitet. Darunter auch Schüler*innen die in ihrem Praktikum im Betrieb ihr Interesse für das Handwerk entdeckt haben. Jörg ist es wichtig, dass sie nicht nur lernen wie es funktioniert sondern, auch dass sie anfangen an sich zu glauben. In einem Pausengespräch hat er mir anvertraut, dass viele ohne Selbstvertrauen bei ihm anfangen. Oft sind sie noch sehr jung. Aber dann erfahren sie, dass sie etwas erschaffen können.
Wie war es für die Schüler*innen? Hat sich in der Woche bei Ihnen etwas verändert?
Jörg: Also ich glaube am Anfang waren ein paar dabei, die sich ein bisschen raus genommen haben und manche Sachen auch nicht zugetraut haben, aber die habe ich dann auch ein bisschen aus der Reserve gelockt und das hat gut geklappt. Klar bei einer Gruppe von sechs Stück haben sich immer mal wieder ein paar auch ein bisschen mehr zurück genommen, oder wollten sich nicht so in den Vordergrund drängen. Aber es hat wirklich jede*r was gemacht und ihren*seinen Teil dazu beigetragen und jetzt schauen wir mal was raus kommt, wenn wir Ausschalen. Aber ich gehe stark davon aus, dass es was wird. Es war auch toll zu sehen, dass es ein schöner praxisorientierter Ausgleich für die Schüler:innen war, zu der sonst viel zu vielen Theorie, wie ich das so über die Schule immer mitbekomme. Und absolut super, dass sie selber mitbestimmt und mitgemacht haben.”
Auch in diesen drei Tagen hat Jörg es geschafft Begeisterung für das Handwerk zu wecken. Zwei der Schüler sind interessiert ein Praktikum zu machen. Einer überlegt auch direkt sich einen Ausbildungsbetrieb zu suchen und nach den Sommerferien anzufangen.
Doch wie haben die Schüler*innen die Woche empfunden. Dazu haben wir Philipp, einen der Schüler befragt. Wie wird die Bank aussehen? „Die Bank wird eine Wellenbank, auf der mindestens zwei größere Leute sitzen können und die eine Welle hat, auf die man sich drauf sitzen kann und die Beine ein bisschen erhöht liegen“
Wie war es für euch, dass ihr selbst aussuchen konntet was umgesetzt wird?
„Man hat sich gefühlt wie ein Teil, der etwas bestimmen kann und nicht, als wäre man – weil die Schüler*innen sind ja, für die ist ja die Schule da, für was sie gebraucht werden, für was sie arbeiten überhaupt. Und das fand ich schön, dass Frau Becker das organisiert hat überhaupt. Und jede*r hatte eine Stimme und ich finde sie haben sie auch weiße genutzt.”
Dann durften sich die fleißigen Handerwerk*innen übrigens auch in ihrem Werk verewigen. Jeden der Betonfüße haben sie mit ihren Namen/Spitznamen graviert – und was einmal in flüssigen Beton gekratzt wurde, das bleibt. Bis zur Aufstellung der Bank kurz vor den Sommerferien, mussten die Betonfüße noch zwei bis drei Wochen trocknen. Danach können die hölzernen Querstreben befestigt werden und die Fellow-Einsatzschule hat ihre erste handfest umgesetzt wilde Idee.
Momente wie diese zeigen, was zwei Jahre Teach-Democracy bewirkt haben. Zwei Jahre gemeinsame Reise mit aula und Teach First Deutschland. Wir blicken mit großer Dankbarkeit zurück: auf eine intensive Zusammenarbeit, auf engagierte Fellows, die sich auf neue Methoden eingelassen haben – und auf viele Schulen, die Schüler:innenbeteiligung ein Stück weit mehr zur gelebten Praxis gemacht haben.
In diesen zwei Jahren konnten wir unseren Fellow-Schulen bieten:
✅ Eine individuelle Demokratie-Beratung
✅ Einen vollständigen Methodenkoffer für die eigene Schule
✅ Praxiserprobte Tools und Ansätze – differenziert für alle Altersstufen, einsetzbar schon ab der Grundschule.
Danke an alle, die dieses Projekt möglich gemacht haben – allen voran dem Traumtaler der Postcode Lotterie, der Teach Democracy fördert, und den Teams von aula gGmbH & Teach First Deutschland.



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